Besuch bei Hokusai

Besuch bei Hokusai

Freitag, 15. Juli um 0:55 Uhr (52 Min.)

Besuch bei Hokusai

Freitag, 15. Juli um 0:55 Uhr (52 Min.)

"Die große Welle vor Kanagawa" des Japaners Hokusai (1760-1849) zählt zu den berühmtesten Holzschnitten. Der Künstler gilt auch als erster Mangaka der Geschichte. Die Dokumentation zeigt den japanischen Blick auf Hokusais Werk, indem er japanische Kunstkenner und Sammler zu Wort kommen lässt.

Katsushika Hokusai wurde 1760 geboren und hat bis heute nichts an Aktualität verloren. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts waren es unter anderem seine Werke, die insbesondere in der französischen Malerei ein wahres Japanfieber auslösten und van Gogh, Degas oder Monet inspirierten, auf die Perspektive zu verzichten und stattdessen mit Farbflächen zu spielen. Im 20. und im 21. Jahrhundert inspiriert er Zeichner, Maler und Filmregisseure Japans und der ganzen Welt.

Hokusais Wirken fiel in die Edo-Zeit (1603-1868), als kein Ausländer japanischen Boden betreten und kein Japaner ins Ausland reisen durfte. Edo war der Name von Tokio, und alle Macht lag beim Shogun. In diese Periode fällt auch die Blütezeit des Kabuki-Theaters und der Farbholzschnitte (Ukiyo-e).

Hokusais Vater war Spiegelmacher und gab seinen Sohn bei einem Holzschneider in die Lehre. Alsbald beschloss Hokusai, Maler zu werden, und trat in eine Schule für Druckkunst ein. Eines seiner ersten Werke war der Holzschnitt eines Kabuki-Schauspielers. Neben seinen rund 30.000 Zeichnungen und weltberühmten Holzschnitten, wie etwa den "36 Ansichten des Berges Fuji", die als Ikonen der Kunstgeschichte gelten, schuf er auch Gemälde, schrieb und illustrierte volkstümliche Romane und prägte den bis heute populären Begriff des Mangas.

Hokusai führte ein sehr unkonventionelles Leben. Man könnte ihn als eine Art japanischen Diogenes bezeichnen: Hokusai war ein Mann des Volkes, er liebte die Vergnügungen der einfachen Menschen, teilte ihre Überzeugungen und ihre Schlichtheit. Er beobachtete ihr Tun und ihre Gesten, um seinen Zeichnungen Leben einzuhauchen. Auf seinen stilisierten Bildern in harmonischer Farbgebung posieren einfache Frauen von der Straße, hübsche Geishas und dickleibige Sumo-Ringer; in seinen Zeichnungen hält er die Bewegungen des menschlichen Körpers fest. Aber auch bezaubernd verträumte Landschaften, Blumen, Vögel und Fische, ebenso Monster mit Schlangenköpfen oder furchterregende Fratzen sind seine Motive.

Immerfort wechselte Hokusai den Wohnsitz und Dutzende Male seine Signatur. Eine Zeit lang signierte er als "Gakyojin Hohusai" (der nach Zeichnen Verrückte) und mit seinem Namen wechselte er häufig auch seinen Malstil. Die Dokumentation unternimmt eine Reise in Hokusais vielseitiges künstlerisches Universum, das bis in die spirituelle Welt der Fantasiewesen und der japanischen Geister führt. Außerdem kommen zeitgenössische japanische Künstler zu Wort, die verdeutlichen, dass Hokusais Werk bis heute nichts an Einflusskraft verloren hat.

Regie:  Jean-Pierre Limosin