Schweig, Verräter!

ARTE+7 Montag, 12. September um 9:25 Uhr (96 Min.)

Schweig, Verräter!

Whistleblower im Visier

Montag, 12. September um 9:25 Uhr (96 Min.)

Erstausstrahlung am Dienstag, 06.09. um 9:25 Uhr

Whistleblower packen aus. Nicht über die brisanten Geheimdienstinformationen, die sie öffentlich machten, sondern über ihr Schicksal als "Verräter" und angeklagte Straftäter. Weil sie die Wahrheit sagten, stehen sie nun am Pranger. In ihrer Geschichte spiegelt sich das Bild einer panischen politischen Praxis der USA im Kampf gegen den internationalen Terror.

Edward Snowden, prominenter Whistleblower, ist bei weitem kein Einzelfall. Er ist in Gesellschaft einer Vielzahl von ehemaligen Geheimdienstfunktionären, die "Top Secret"-Informationen öffentlich machten. In den USA stehen diese Menschen am Pranger.

"Schweig Verräter - Whistleblower im Visier" begleitet einige von ihnen. Ihre Überzeugung und ihr Mut hat sie zu Helden der Menschlichkeit gemacht - und zugleich ins soziale Abseits gestellt. Im Alltag Morddrohungen, Hetze und Schikane ausgesetzt, wird ihnen vor Gericht der Prozess gemacht. Weil sie ihrem Gewissen folgten und nicht wegsehen konnten, als Folter salonfähig wurde, weil sie glauben "America is better than that", gelten sie heute als Straftäter.

Ein Paradox? Mit Sicherheit. Doch es passt zur politischen Praxis der Vereinigten Staaten seit dem Trauma von 9/11. Die Angst vor dem Terrorismus hat sich derart tief in das kollektive Bewusstsein eingeschrieben, dass nationale Sicherheitsbehörden wie die NSA oder CIA seitdem mit unermesslichen Vollmächten ausgestattet sind. Moralische, ethische und demokratische Grundwerte scheinen dem Kampf gegen den Terror nur im Weg zu stehen.

Sie werden politisch und juristisch ausgehebelt und in ihr Gegenteil verkehrt: In der Überzeugung, Gutes zu tun, werden einzelne Menschenleben wertlos. Und jene, die weiter bedingungslos an die Würde eines jeden Einzelnen glauben, werden kaltgestellt. Utilitarismus- gone wrong! Die Reaktionen der USA im Angesicht des globalen Terrorismus sind panisch - Gegenwehr um jeden Preis. Wer die Wahrheit kennt und ausspricht, begibt sich in große Gefahr.

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    ARTE+7 Montag, 12. September um 9:25 Uhr (96 Min.)

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James Spione, Regisseur

James Spione ist ein amerikanischer Filmemacher, Regisseur und Drehbuchautor für sowohl fiktionale als auch Dokumentarfilme. Nach einem Abschluss an der State University of New York begann er seine filmische Karriere mit einem Student Academy Award für sein Debut „Prelude“. Sein 2010 fertiggestellter Film „Incident in New Baghdad“ wurde für einen Oskar und einen Academy Award nominiert. Das Tribeca Film Festival 2011 zeichnete ihn als beste Kurzdokumentation aus. Die Geschichte basiert auf einem Luftschlag im Irak-Krieg, der 2007 in Bagdad zwei Reuters-Journalisten und etwa ein Dutzend anderer Zivilisten das Leben kostete. Spiones neuester Dokumentarfilm „Silenced“ (2014) zeigt den harten Umgang der amerikanischen Regierung mit Whistleblowern. Der Film dreht sich um die drei Protagonisten Jesselyn Radack, Thomas Drake und John Kiriakou, die als Whistleblowern ihre Karriere der Veröffentlichung geheimer Informationen opferten. 

 

Thomas Drake, Whistleblower

Thomas Drake (*1957) ist ein ehemaliger Software-Experte der NSA, der im Rahmen des TrailBlazer Projektes zum Whistleblower wurde. Dieses System sollte die Internetüberwachung der NSA revolutionieren, es griff dabei aber entscheidend in die Privatsphäre der Bürger ein. Trotzdem entschied sich die NSA für das milliardenschwere Projekt und Drake wandte sich mit seinen Bedenken an Vorgesetzte, den Kongress und das Department of Defense. Eine Kommission des Department of Defense bestätigte seine Vorbehalte. Drake nahm den Kontakt zur Journalistin Jane Meyer auf und gab ihr nicht-geheim klassifizierte Informationen weiter, die sie in mehreren NSA-kritischen Artikeln veröffentlichte. Das FBI veranlasste daraufhin eine Hausdurchsuchung, Drake selbst wurde mehrmals verhört und 2010 der Spionage angeklagt. Im Laufe des Verfahrens wurden allerdings die essentiellen Anklagepunkte fallen gelassen. Heute setzt Drake sich weiter für die Rechte von Whistleblowern ein. Im Juli 2014 sagte er vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags aus. 

Regie:  James Spione