Metropolis

Metropolis

Sonntag, 27. Juli um 16:50 Uhr (44 Min.)

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Sonntag, 27. Juli um 16:50 Uhr (44 Min.)

U.a. mit folgendem Thema: Der Erfolg des Front National bei den Europawahlen in Frankreich hat Europa schockiert. Bereits in den Neunzigerjahren gelang es der Partei, sich auf lokaler Ebene als ernst zu nehmende Kraft zu etablieren. "Metropolis" spricht mit Olivier Py, dem Leiter des Festivals von Avignon. Er ist zu einer Symbolfigur im Kampf gegen den FN geworden.

(1): Metropole Bristol: Hauptstadt der Neunziger

„I love Bristol !“ Selten war „Metropolis“ in einer Stadt, deren Bewohner so von ihrer Heimat schwärmen. In den Neunzigern war Bristol ein brodelnder kreativer Underground. Bands wie Massive Attack und Portishead setzten die 430.000 Einwohner starke Stadt auf die Weltkarte des Pop. Der Star der Graffiti-Szene Banksy ist auch ein Sohn der Stadt; das Kreativlabor Aardman Productions erfand hier die weltberühmten Knetfiguren Wallace und Gromit und Shawn das Schaf.

Noch heute ist die etwas raue Stadt im Westen des Königreichs das Mekka der Künstler. James Morton, Musikbotschafter der Stadt und seine Freundin, die Sängerin Celestine, nehmen „Metropolis“ mit auf einen Streifzug der etwas anderen Art: nach Stokes Croft, in das bunte Graffiti-verzierte Künstlerviertel, und zum Hafen, der von der unrühmlichen Geschichte des Sklavenhandels erzählt. „Metropolis“ geht sprayen, erfährt, warum Banksy als „Verräter“ der Street Art gesehen wird, wieso Bristol mehrere Oscars gewonnen hat und tanzt mit dem Bürgermeister.

(2): Berlin Wonderland: Auferstanden aus Ruinen

Kurz nach der Wende blühte in der Berliner Mitte die Subkultur. Die großen Freiflächen und leer stehenden Häuser luden West- wie Ostdeutsche dazu ein, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Alles schien möglich. Berlin war nicht mehr die Frontstadt aus dem Kalten Krieg und auch noch nicht die gefeierte Billigflieger–Destination für Partytouristen, und auch kein Tummelplatz für skandinavische Immobilienfonds. Stattdessen ein Labor mit ungewisser Zukunft.

Was für eine Wunscherfüllungszone Berlin war, zeigt jetzt der Bildband „Berlin Wonderland“. „Metropolis“ trifft jene, die damals das unfertige, werbefreie, leere Berlin als Leinwand für ihre Träume benutzt haben. Wie Ursula Berzborn, die noch heute in dem ehemals besetzten Kunsthaus KuLe wohnt: „Man konnte damals abends durch die Straßen gehen und dann sprach sich per Mundpropaganda rum: „Wo ist was los? Und in zehn Minuten warst du halt auf der nächsten Party oder Versammlung oder Filmvorführung oder Performance oder Konzert“.

Und heute? Ist „Berlin Wonderland“ abgebrannt? Erstickt im Immobilienboom in der Berliner Innenstadt? Einige der Protagonisten von damals versuchen noch ein Stück des Geistes dieser Zeit zu retten. Der ehemalige Hausbesetzer Jochen Sandig ist heute zusammen mit der Choreografin Sasha Waltz Leiter des „Radialsystems“, eines internationalen Ortes für zeitgenössischen Tanz und andere Künste. Er sagt: „25 Jahre nach dem Mauerfall erleben wir Berlin immer noch als einen Ort, der diese Energie in sich trägt.“

(3): Die große Ära der Supermodels

Sogenannte „Topmodels“ gibt es heute mehr als genug. Die Zeit der echten Supermodels waren aber die Neunzigerjahre. Naomi Campbell, Cindy Crawford, Kate Moss, Claudia Schiffer, Linda Evangelista, Nadja Auermann: Solche Namen hat die Modewelt seither nicht wieder hervorgebracht. Heute werden manche Fotos der Supermodels für Hunderttausende Euro gehandelt. Wie kam es zu diesem Phänomen der großen Superstars?

„Metropolis“ sucht die Antwort in der Welthauptstadt der Mode: in Paris, bei Starfotograf Peter Lindbergh und Gerald Marie, damals Europachef der wichtigsten Modelagentur Elite Models. Marie behauptet: „Zehn Supermodels – das ist schon viel. Denn Menschen mit einer solchen Kraft und einem solchen Niveau sind einfach selten, egal in welcher Branche.“

Persönlichkeit war alles, die Mode wurde dabei zur Nebensache. Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass die Ära der Supermodels zu Ende gehen musste. Sie überstrahlten alles. Gerald Marie: „Die Models wurden mehr gefeiert als ihre Schöpfer, was anormal war. Wir mussten uns also wieder der Mode widmen und wieder klar machen, was es bedeutet, sich auf Kleidungsstücke zu konzentrieren“

(4): Neneh Cherry - Die Rückkehr der Pop- Mutti

Mit Babybauch bei MTV und schmutzigen Windeln auf dem Videodreh. Sie war so etwas wie die erste offizielle „working mum“ des Popbusiness: Neneh Cherry aus Stockholm. Ihre Mutter war Malerin, ihr Stiefvater der Weltklasse-Jazz-Musiker Don Cherry. Mit 25 war sie selbst ein Star. Ihr schien fast alles mit spielerischer Leichtigkeit zu glücken. Früh startete das Künstlerkind durch. 1995 landete sie gemeinsam mit Youssou N'Dour einen Welthit. Seven Seconds wurde ihr größter Erfolg. Dann verschwand Neneh Cherry wieder von der Bildfläche.

Heute ist sie 50 Jahre alt und dreifache Mutter -und nach 18 Jahren Bühnenabstinenz mit einem neuen Album zurück. Ihr „Blank Project“ ist roher, experimenteller und moderner Elektro, teilweise wird ihr Gesang nur von einer Trommel begleitet. „Metropolis“ hat sie getroffen.

(5): Als der Techno die Unschuld verlor - Die goldenen Jahre der Loveparade.

Es begann alles ganz klein in Berlin. 1989 stand die Mauer noch, als sich am Kurfürstendamm 150 Menschen versammelten und zu einer neuartigen elektronischen Musik tanzten. Es war die Geburtsstunde der Loveparade.Aus einem fröhlichen Umzug entwickelte sich das größte Tanzspektakel der Welt.

Zur ersten Loveparade nach dem Mauerfall 1990 erscheinen schon um die 2.000 Tänzer. Techno ist der Sound der Stunde und Neuland für die Jugendlichen aus beiden Teilen der Stadt.

Nur wenige Jahre später ist die Euphorie um den Techno vorbei. Aus der nonkonformistischen Bewegung wurde ein karnevalsähnliches Massenspektakel. „Metropolis“ wirft einen Blick zurück in eine Zeit, in der Techno seine Unschuld verlor – lange vor dem tragischen Ende der Loveparade 2010. Dass die elektronische Musik sich in den Nuller Jahren aber immer wieder neu erfinden und damit endgültig in den Kanon der Popkultur aufsteigen sollte, konnten die Protagonisten von damals nicht ahnen.

(6): Frankreichs Künstler gegen den Front National

Der Erfolg des Front National bei den Europawahlen in Frankreich hat Europa geschockt. Aber der Aufstieg der Partei geschah nicht über Nacht. Bereits in den Neunzigerjahren gelang es der Partei, sich auf lokaler Ebene als ernst zu nehmende Kraft zu etablieren.

Besonders in Südfrankreich hat die Partei seit Jahrzehnten ihre Hochburgen. Dort greifen die Nationalisten auch gerne in die lokale Kulturpolitik ein. Seit dem Wahlsieg im Mai bekommen die Künstler das zu spüren. Aber wie gehen sie mit der Bedrohung durch den FN um?

„Metropolis“ trifft Olivier Py, den Leiter des Festivals von Avignon. Er ist zu einer Symbolfigur im Kampf gegen den Front National geworden. Im März drohte er mit dem Wegzug des Festivals, falls die Ultranationalisten die Bürgermeisterwahl gewinnen würden. Dazu kam es zum Glück nicht. Gebannt ist die Gefahr aber trotzdem nicht – denn der FN versucht immer mehr, sich als respektable, demokratische Partei zu geben.

Für die Organisatoren und Kunstschaffenden am Theaterfestival in Avignon hingegen ist der Aufstieg der Partei nicht nur gefährlich, sondern auch ein Zeichen der Krise, in der Frankreich zur Zeit steckt.