Das Jahrhundert der Marguerite Duras

Das Jahrhundert der Marguerite Duras

Donnerstag, 21. Juli um 0:10 Uhr (52 Min.)

Das Jahrhundert der Marguerite Duras

Donnerstag, 21. Juli um 0:10 Uhr (52 Min.)

Zum Gesamtwerk von Marguerite Duras zählen nicht nur ihre Romane, sondern auch Interviews, die ganze Bücher füllen könnten. Im Gespräch mit der Schriftstellerin erscheinen manche Aspekte ihrer Biografie in neuem Licht, gleichzeitig blickt sie auf wegweisende Begegnungen mit herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zurück.

Marguerite Duras hatte viel zu sagen. Ihr Wort wog mindestens ebenso viel wie ihr Schweigen. Gesprochen erhalten manche ihrer Aussagen eine andere Tragweite. Das Schreiben war für sie ein Mittel, um die in ihrer Familie für sie so erdrückende "Stille sprechen zu lassen". Ein zentrales Thema ist ihre Mutter mit ihrem Erzähltalent, ihrem radikalen Pessimismus und ihrem Wahnsinn, den Marguerite lange Zeit glaubte, geerbt zu haben. Außerdem äußert sie sich zum Kolonialismus, zu Résistance und Folter. Und natürlich spricht sie auch über Politik: Als frühere Sektionssekretärin der Kommunistischen Partei blieb sie noch lange nach ihrem Austritt Kommunistin, obwohl sie sich nicht mehr mit der Ideologie identifizieren konnte. Ihre Gefühle der Partei gegenüber schlugen schließlich in Hass um.

Ein weiteres großes Thema bei Marguerite Duras ist ganz einfach das Leben. Sie lässt ihr Jahrhundert Revue passieren, urteilt über manche Männer mit freundschaftlicher Zuneigung (François Mitterrand), über andere unnachgiebig (Sartre) oder gar kategorisch (General de Gaulle, Jean-Marie Le Pen). Aber sie richtet auch über sich selbst, schildert offen ihr gefährliches Spiel mit dem Alkohol. Mit der ihr eigenen Klarsicht und Entschlossenheit schrieb Marguerite Duras ohne den Filter des Wissens und brachte dabei das Wichtigste auf den Punkt. In dieser aus Archivmaterial bestehenden Filmmontage, in der nur ihre Stimme zu hören ist, erzählt sie sich selbst, ohne sich je zu rechtfertigen: mit Esprit, Intelligenz, Humor und einer Direktheit, die ihr ebenso wesenseigen ist wie das Unausgesprochene.

Regie:  Pierre Assouline