Themenabend

Stammzellforschung - Horror oder Hoffnung?

Dokumentation -
55 Min.
  • SENDETERMINE UND VERFÜGBARKEIT Descendre

    • Sendetermine:
    • Sonntag, 31. Juli um 5.00 Uhr
    • Livestream: ja
    • Online vom 31. Juli bis zum 08. August 2016

    Mich per E-Mail erinnern

    Stunden vor der nächsten Ausstrahlung dieses Programms eine E-Mail als Erinnerung.

    ARTE garantiert, dass die angegebene E-Mail-Adresse nur für den Versand dieser Erinnerungsmail verwendet wird.

Die Stammzellforschung befindet sich an einem Wendepunkt: Seit es möglich ist, Stammzellen in ihrer genetischen Bestimmung zu modifizieren und zu züchten, werden medizinische, ethische und politische Konsequenzen immer dringender. Die Dokumentation beleuchtet das prekäre Ausmaß dieser Wissenschaft.

Stammzellen sind überall im menschlichen Körper vorhanden. Es sind spezialisierte Zellen, die dafür sorgen, dass absterbende Zellen, die entweder ihr biologisches Lebensende erreicht haben oder durch Verletzungen oder Erkrankungen zerstört wurden, ersetzt werden. Entdeckt wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg von Wissenschaftlern, die nach Behandlungsmöglichkeiten für Strahlenschäden suchten. Zwei kanadische Forscher fanden heraus, dass aus einem einzigen Zelltyp alle Arten von Blutzellen gebildet werden können.

Da diese Zelle in der Lage ist, sich zu teilen, kann sich dieser Vorgang auch kontinuierlich wiederholen. Diese wissenschaftliche Arbeit legte die Grundlage für die Stammzellforschung. 1981 wies Howard Green nach, dass auch die Epidermis Stammzellen enthält. Er war der Erste, dem es gelang, im Labor Hautgewebe zu züchten.

Mediziner und Forscher versuchten daraufhin, Stammzellen zur Behandlung von Patienten einzusetzen - mit beachtlichen Ergebnissen. In Indien konnte man Menschen, deren Augen durch Chemikalien verätzt worden waren, durch die Transplantation von Stammzellen das Augenlicht zurückgeben. Dazu wird ein kleines Stück des noch intakten Augengewebes entnommen und die so gewonnenen Stammzellen werden im Labor kultiviert. Man erhält eine ausreichend große Schicht von Hornhautzellen, um die geschädigte Hornhaut vollständig zu bedecken. Sechs Monate nach der Operation war das Sehvermögen der Patienten vollständig wiederhergestellt.

Nicht alle Stammzellen sind gleich. Die Stammzellen von Erwachsenen haben sich auf einen bestimmten Zelltyp - Blut, Gehirn, Darm, Muskel etc. - spezialisiert. Bei Embryonen sind sie noch nicht differenziert, so dass aus ihnen jeder beliebige Zelltyp hervorgehen kann. 1981 lieferten die Versuche von Martin Evans an Mäuseembryonen den endgültigen Beweis für die Entdeckung der embryonalen Stammzellen. 1988 isolierte Jamie Thomson menschliche embryonale Stammzellen aus Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstanden waren - eine Entdeckung, die den Anstoß zu erregten Debatten in Kirche und Politik gab.

2006 führte die Entdeckung des japanischen Mediziners Shinya Yamanaka dazu, dass die traditionellen Vorstellungen von der Entwicklung des menschlichen Organismus über den Haufen geworfen wurden. Alle Zellen des Körpers enthalten dieselbe genetische Ausstattung, die Gene werden lediglich in Abhängigkeit von dem jeweiligen Zelltyp unterschiedlich ausgeformt, zum Beispiel in einer Blutzelle anders als in einer Hautzelle. Shinya Yamanaka interessierte die Frage, ob diese Spezialisierung der Zellen irreversibel sei. Er wies nach, dass er Stammzellen der Haut in Zellen eines neuen Typs verwandeln konnte, welche die gleichen Eigenschaften haben wie embryonale Stammzellen. Diese Zellen werden als induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) bezeichnet. Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven für die biologische Forschung und die Möglichkeit medizinischer Anwendungen.

Die Wissenschaft verschiebt die Grenzen des technologisch Machbaren und der damit verbundenen ethischen Fragestellungen immer weiter. Da aus den iPS alle Zelltypen des Körpers hergestellt werden könnten, wäre es theoretisch möglich, einen Menschen aus einem Stück Haut zu erschaffen. Vor allem aber könnten sich dank der Stammzellen heute noch unheilbare Krankheiten heilen lassen. Jeder Fortschritt dieser Art birgt die Verpflichtung zu moralischen, ethischen, religiösen,und politischen Entscheidungen. Auch müssen die Patienten vor skrupellosen Pseudowissenschaftlern geschützt werden. Rechtsvorschriften sollen der Forschung einen Rahmen setzen.

Besetzung und stab
  • Regie:Clare Blackburn, Amy Hardie
  • Jahr:2011
  • Herkunft:ARTE F
Kommentare (0)
  • Weiterlesen

    Stammzellen sind überall im menschlichen Körper vorhanden. Es sind spezialisierte Zellen, die dafür sorgen, dass absterbende Zellen, die entweder ihr biologisches Lebensende erreicht haben oder durch Verletzungen oder Erkrankungen zerstört wurden, ersetzt werden. Entdeckt wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg von Wissenschaftlern, die nach Behandlungsmöglichkeiten für Strahlenschäden suchten. Zwei kanadische Forscher fanden heraus, dass aus einem einzigen Zelltyp alle Arten von Blutzellen gebildet werden können.

    Da diese Zelle in der Lage ist, sich zu teilen, kann sich dieser Vorgang auch kontinuierlich wiederholen. Diese wissenschaftliche Arbeit legte die Grundlage für die Stammzellforschung. 1981 wies Howard Green nach, dass auch die Epidermis Stammzellen enthält. Er war der Erste, dem es gelang, im Labor Hautgewebe zu züchten.

    Mediziner und Forscher versuchten daraufhin, Stammzellen zur Behandlung von Patienten einzusetzen - mit beachtlichen Ergebnissen. In Indien konnte man Menschen, deren Augen durch Chemikalien verätzt worden waren, durch die Transplantation von Stammzellen das Augenlicht zurückgeben. Dazu wird ein kleines Stück des noch intakten Augengewebes entnommen und die so gewonnenen Stammzellen werden im Labor kultiviert. Man erhält eine ausreichend große Schicht von Hornhautzellen, um die geschädigte Hornhaut vollständig zu bedecken. Sechs Monate nach der Operation war das Sehvermögen der Patienten vollständig wiederhergestellt.

    Nicht alle Stammzellen sind gleich. Die Stammzellen von Erwachsenen haben sich auf einen bestimmten Zelltyp - Blut, Gehirn, Darm, Muskel etc. - spezialisiert. Bei Embryonen sind sie noch nicht differenziert, so dass aus ihnen jeder beliebige Zelltyp hervorgehen kann. 1981 lieferten die Versuche von Martin Evans an Mäuseembryonen den endgültigen Beweis für die Entdeckung der embryonalen Stammzellen. 1988 isolierte Jamie Thomson menschliche embryonale Stammzellen aus Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstanden waren - eine Entdeckung, die den Anstoß zu erregten Debatten in Kirche und Politik gab.

    2006 führte die Entdeckung des japanischen Mediziners Shinya Yamanaka dazu, dass die traditionellen Vorstellungen von der Entwicklung des menschlichen Organismus über den Haufen geworfen wurden. Alle Zellen des Körpers enthalten dieselbe genetische Ausstattung, die Gene werden lediglich in Abhängigkeit von dem jeweiligen Zelltyp unterschiedlich ausgeformt, zum Beispiel in einer Blutzelle anders als in einer Hautzelle. Shinya Yamanaka interessierte die Frage, ob diese Spezialisierung der Zellen irreversibel sei. Er wies nach, dass er Stammzellen der Haut in Zellen eines neuen Typs verwandeln konnte, welche die gleichen Eigenschaften haben wie embryonale Stammzellen. Diese Zellen werden als induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) bezeichnet. Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven für die biologische Forschung und die Möglichkeit medizinischer Anwendungen.

    Die Wissenschaft verschiebt die Grenzen des technologisch Machbaren und der damit verbundenen ethischen Fragestellungen immer weiter. Da aus den iPS alle Zelltypen des Körpers hergestellt werden könnten, wäre es theoretisch möglich, einen Menschen aus einem Stück Haut zu erschaffen. Vor allem aber könnten sich dank der Stammzellen heute noch unheilbare Krankheiten heilen lassen. Jeder Fortschritt dieser Art birgt die Verpflichtung zu moralischen, ethischen, religiösen,und politischen Entscheidungen. Auch müssen die Patienten vor skrupellosen Pseudowissenschaftlern geschützt werden. Rechtsvorschriften sollen der Forschung einen Rahmen setzen.

  • Empfohlene Videos
  • Besetzung und Stab
    • Regie:Clare Blackburn, Amy Hardie
    • Jahr:2011
    • Herkunft:ARTE F
  • Kommentare