Kamlahari - Mädchen ohne Kindheit

Entdeckung -
44 Min. - 13201 Aufrufe
  • SENDETERMINE UND VERFÜGBARKEIT Offen

    • Sendetermine:
    • Mittwoch, 8. März um 11.50 Uhr
    • Livestream: ja
    • Online vom 8. März bis zum 6. Juni 2017
    • Verfügbar in Europa

    Mich per E-Mail erinnern

    Stunden vor der nächsten Ausstrahlung dieses Programms eine E-Mail als Erinnerung.

    ARTE garantiert, dass die angegebene E-Mail-Adresse nur für den Versand dieser Erinnerungsmail verwendet wird.

Bis heute ist es in einigen Bezirken Nepals üblich, dass arme Familien ihre Töchter verkaufen. Die sogenannten Kamlahari-Mädchen arbeiten völlig rechtlos wie Sklavinnen im Haushalt fremder Menschen. Auch Urmila Chaudhary, heute 23 Jahre alt, war eine von ihnen.

Sklavenkinder gibt es in Nepal auch heute noch. Abseits der Trekking-Routen der Touristen, im Terai, einer weiten Tiefebene im Südwesten des Landes, werden Kinder von den eigenen Eltern verkauft. Die armen, landlosen Bauern geben ihre Töchter weg; so will es die Kamlahari-Tradition. Die Mädchen müssen in fremden Haushalten arbeiten, werden ausgebeutet, gehen nicht zur Schule. Doch heute fordern Tausende Kamlahari-Mädchen ihr Recht. Urmila Chaudhary, 23 Jahre alt, ist eine von ihnen. Als zwei Männer in ihr Dorf kamen und Geld für sie boten, war sie gerade einmal sechs Jahre alt. Für 4.000 Rupien, ungefähr 40 Euro, wurde sie an eine reiche Familie verkauft. Elf Jahre lang musste sie sich in der Hauptstadt Kathmandu, weit weg von zu Hause, selbst noch ein Kind, um die Kinder der Familie kümmern und sie zur Schule bringen. Sie selbst durfte den Unterricht nicht besuchen. Sie musste von frühmorgens bis spätabends putzen, waschen, kochen, Wasser holen – 14 bis 16 Stunden am Tag. Wie Urmila wurden Zehntausende Mädchen weggeschickt und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet, viele von ihnen wurden misshandelt, haben körperliche und sexuelle Gewalt erlebt. Doch Urmilas Geschichte ist eine Geschichte der Hoffnung: Nach elf Jahren Leibeigenschaft kam sie endlich frei. Dank des Einsatzes einer Hilfsorganisation in ihrem Distrikt kehrte sie in ihr Dorf zurück mit dem Traum, zur Schule zu gehen. Obwohl sie mit 17 eigentlich schon zu alt war, blieb Urmila hartnäckig. Ihre Entschlossenheit überzeugte schließlich auch die Hilfsorganisation. Heute steht Urmila vor der Abschlussprüfung der zehnten Klasse und kämpft für eine bessere Zukunft der Kamlahari-Mädchen. Sie wurde zur ersten Präsidentin des Common Forum for Kamlari Freedom (CFKF) gewählt. Aus anfangs ein paar Hundert sind heute 11.000 Mädchen geworden, die sich zusammen mit Urmila für ihre Rechte starkmachen – und das nicht nur im Distrikt Dang, sondern auch in den vier anderen, in denen die Kamlahari-Tradition existiert. In Urmilas Leben hat sich viel getan: Zur Veröffentlichung ihrer Biografie "Sklavenkind", die 2011 erschienen ist, reiste sie erstmals nach Deutschland. Im Mai 2012 sprach sie beim Oslo Freedom Forum, einer internationalen Menschenrechtskonferenz. Sie gab zahlreiche Interviews, traf Politiker, Aktivisten und Journalisten – in Nepal und im Ausland. Im Oktober 2012 flog sie nach New York zum ersten internationalen, von der UN anerkannten Mädchentag. Aber der Kampf gegen Leibeigenschaft und Kinderarbeit in Nepal ist noch lange nicht gewonnen. Im Juni 2013 kam es bei einer Demonstration der Ex-Kamlahari in Kathmandu zu einem Zusammenstoß mit der Polizei. Urmila und einige Mädchen wurden verletzt und mussten ins Krankenhaus. Doch das hat Urmilas Entschlossenheit nur noch stärker werden lassen.

Besetzung und stab
  • Regie:Nathalie Engelhardt-Schwaiger, Christoph Schwaiger
  • Land:Deutschland
  • Jahr:2013
  • Herkunft:ZDF
Kommentare (0)