Durch die Nacht mit ...

Inga Humpe und Helene Hegemann

Popkultur & Alternativ -
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    • Sendetermine:
    • Montag, 20. Februar um 1.45 Uhr
    • Livestream: ja
    • Online vom 19. Februar bis zum 26. Februar 2017
    • Verfügbar in Deutschland und Frankreich

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Die Berliner Schriftstellerin und Regisseurin Helene Hegemann gilt schon seit einigen Jahren als der Shootingstar der deutschen Kulturszene. Sie trifft heute Nacht in Berlin auf die Musikerin und Produzentin Inga Humpe (57), die eine der wenigen deutschen Künstlerinnen ist, die es geschafft haben, sich seit über 35 Jahren an der Spitze der deutschen Musikszene zu behaupten.

„Wenn Du meine Tochter wärst, wäre ich glaub ich ganz zufrieden mit Dir“, sagt Inga Humpe (57) zu Helene Hegemann (21) an diesem Abend in Berlin. „Nur als Du Dein Abi geschmissen hast, da hätte ich wahrscheinlich irre genervt.“ Mit ihrem Roman „Axolotl Roadkill“ und dem Plagiats-Skandal wurde die damals 17-Jährige zum Sprachrohr der „Copy-Paste-Generation“. In ihren Werken geht es um das Gefühl einer existenziellen Leere, die nur durch Exzesse zu bekämpfen ist. Doch die Kritiker sind sich nicht einig: Für die einen ist sie das neue Genie, für die anderen eine wohlstandsverwahrloste Göre. Inga Humpe kam als Teenager nach Berlin, tauchte in die Punk-Szene ein und macht seit Ende der 70er Jahre sehr erfolgreich Musik. Wie sehr sie sich auf den gemeinsamen Abend in Berlin freuen, ist den beiden Frauen sichtlich anzumerken, denn trotz des Altersunterschieds verbindet sie die Liebe zu dieser Stadt, in der sie ihre Exzesse und Erfolge erleben, in der sie in Abgründe schauen und aus der sie immer wieder ihre Inspiration ziehen. Den ersten Drink gibt es in der legendären Paris Bar im alten West-Berlin. Sofort geht es um die großen Themen: künstlerische Motivation, Schreibhemmungen, falsche Entscheidungen im Leben. Inga Humpe hat die Schauspielschule und eine Kunsthochschule geschmissen. Helene Hegemann hat vor dem Abi auf eigene Faust die Schule verlassen. Ganz wichtig für beide: Wenn man ein Standbein verliert, muss man sich ein neues schaffen. Weiter geht es in den legendären Bunker in der Reinhardtstraße. Der Kunstsammler Christian Boros stellt dort seine Privatkollektion aus. In den 90ern war der Bunker einer der angesagten Technoclubs der Stadt. Inga Humpe gibt zu: Techno war nach Punk die zweite einschneidende musikalische Erfahrung in ihrem Leben. Ohne Techno würde sie heute keine Musik mehr machen. Anschließend geht es zur Modedesignerin Claudia Skoda, wo es Berliner Mode aus den 70er und 80ern zu sehen gibt: sehr farbenfroh, sehr große Muster. In der Garderobe der Volksbühne treffen Inga Humpe und Helene Hegemann dann die Schauspielerin Birgit Minichmayr kurz nach ihrem Auftritt. Beim temporeichen Austausch bei Weißwein und Zigaretten sind sich die drei schnell einig: Nicht alles, was sie als Schauspielerin, Autorin oder Musikerin künstlerisch von sich geben, ist tatsächlich auch autobiografisch. Beim anschließenden Essen gibt Inga Humpe dann zu, dass sie auch mal Weltstar werden wollte. Doch als sie dann sah, wie Madonna „Material Girl“ herausbrachte, war sie völlig demotiviert. Am liebsten hätte sie sofort den Beruf gewechselt, ist dann aber doch ihren eigenen Weg gegangen. Der Vorwurf, sie mache heute mit 2raumwohnung Wellness-Musik regt sie nicht mehr auf. Hegemann kontert: Das sei doch ein Missverständnis von Leuten, die nicht in einer Position sind, das zu beurteilen. Und: „Gefährlich sind doch Leute wie Heidi Klum, die jungen Frauen predigen, nicht sie selbst zu sein, sondern zu machen, was der Kunde will.“ Die Unterschiede der beiden Frauen werden in diesen Momenten am deutlichsten. Auf einer Autofahrt gibt Helene Hegemann zu, manchmal diejenigen zu quälen, die ihr nahestehen. „Ich kann mich schlecht streiten und falle stattdessen in ein passiv-aggressives Verhalten“. „Deswegen sind Beziehungen ja so toll“, sagt Humpe. „Weil man es durch sie schafft, nicht die ganze Zeit nur über sich selber nachzudenken.“ Auch wenn sich die beiden Frauen sehr nah sind, wird den ganzen Abend über doch deutlich, dass sie aus unterschiedlichen Generationen stammen.

Besetzung und stab
  • Regie:Fred Schut
  • Land:Deutschland
  • Jahr:2013
  • Herkunft:ZDF
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