Solowki - Die verschwundene Lager-Bibliothek

Solowki - Die verschwundene Lager-Bibliothek

Sonntag, 07. August um 6:05 Uhr (54 Min.)

Solowki - Die verschwundene Lager-Bibliothek

Sonntag, 07. August um 6:05 Uhr (54 Min.)

Rund 500 Kilometer nordöstlich von Sankt Petersburg liegt der Solowki-Archipel. Auf der größten Insel steht ein Kloster aus dem 15. Jahrhundert. Von Mitte der 20er Jahre bis zum Zweiten Weltkrieg beherbergte es ein Straflager - erstaunlicherweise mit einer einzigartigen Bibliothek. Die Dokumentation geht der Geschichte der Bibliothek auf den Grund.

Rund 500 Kilometer nordöstlich von Sankt Petersburg, am Rande des Polarkreises, liegt mitten im Weißen Meer der Solowki-Archipel. Auf der größten der sechs Inseln steht ein Kloster aus dem frühen 15. Jahrhundert, lange Zeit einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Russlands. Die Zaren nutzten es später als "Tjurma", als Gefängnis für ihre politischen Gegner. Zu den Insassen zählten regimefeindliche Intellektuelle, Künstler und ehemalige Aristokraten. Unter ihrem Einfluss wurde dieser Ort der Versklavung und des Todes auch zu einer Hochburg russischer Kultur.

Von 1923 bis zum Zweiten Weltkrieg - als hier eine Marineschule einzog - beherbergten Insel und Kloster das erste große Straflager des Landes, den Prototyp des sowjetischen Gulags. Mehr als 800.000 Häftlinge landeten über die Jahre im SLON, dem "Solowetzker Lager Besonderer Bestimmung". Als Pilotmodell und Versuchslabor wurde es, anders als die anderen Lager, für die Propaganda des jungen Sowjet-Regimes gefilmt.

Bei den Recherchen zur Geschichte des Lagers erfahren die Filmemacher, dass es dort eine Bibliothek gegeben hat, überhaupt ein reges Kulturleben mit Theatergruppe, Lagerzeitung und Heimatverein. An die 30.000 Bände - darunter seltene Bücher und Originalausgaben großer Autoren - soll sie besessen haben, darunter fast 2.000 ausländische Werke. Was geschah mit ihnen, als das Lager Solowki 1939 aufgelöst wurde? Olivier Rolin und Valery Kislov gehen vor Ort auf Spurensuche. Die Dokumentation ist eine Ermittlung über das Schicksal des verlorenen kulturellen Schatzes, gleichzeitig aber auch ein Streifzug durch Russlands unverwechselbare Landschaft, Geschichte und Literatur.

Regie:  Elisabeth Kapnist