Themenabend

Wir dienten Deutschland

Dokumentation -
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    • Sendetermine:
    • Dienstag, 6. Dezember um 2.00 Uhr
    • Livestream: ja
    • Online vom 5. Dezember bis zum 12. Dezember 2016
    • Verfügbar in Deutschland und Frankreich

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Nachdem die Wehrpflicht abgeschafft wurde, wirbt das deutsche Militär mit dem Motto "Wir. Dienen. Deutschland." um den knapp werdenden Nachwuchs. In der Dokumentation von Knut Beulich geben drei ehemalige Bundeswehrangehörige Auskunft darüber, wie dieser Dienst sie verändert hat.

Aufgrund seiner Vergangenheit tut sich Deutschland seit Jahrzehnten schwer damit, einen rationalen Umgang mit dem eigenen Militär zu finden. Im Kalten Krieg fiel das nicht auf, da die Besatzungsmächte das Sagen hatten. Umso zäher entwickelten sich anschließend die Kontroversen um das vielleicht doch Gute im von seiner Definition her auf Krieg ausgerichteten Militär. Die gesellschaftliche Schizophrenie, die im Soldatenberuf maximal Brunnen bohrende Entwicklungshelfer beziehungsweise ein Technisches Hilfswerk im inländischen Katastrophenfall zu sehen bereit ist, schlägt auf die Ausführenden voll durch. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich die drei Protagonisten der Dokumentation von Knut Beulich. Jeder von ihnen war jenseits der Landesgrenzen im Einsatz. Zwischen Kuweit und Irak, im Kosovo und in Afghanistan erfüllten sie die vom Parlament demokratisch erteilten Aufträge. Mit Entwicklungshilfe hatte das eher wenig zu tun, mit Schießen und unter Beschuss geraten dagegen viel. Beim Gebirgsjäger David, der als Teil einer motorisierten Infanterieeinheit im Vorauskommando in den von Serben verteidigten Kosovo einrückt, scheint die Konfrontation mit militärischem Widerstand fast zwangsläufig und ist doch schockierend, als sich die böse Erwartung plötzlich erfüllt. Der zur Abwehr biologischer Kampfstoffe am Rande des Irak eingesetzte ABC-Experte Christian bekommt auch neun Jahre nach dem Einsatz die Warnungen vor anfliegenden Scud-Raketen nicht aus dem Kopf. Und dass ein ISAF-Pressechef eigenhändig nachts das MG eines Transportfahrzeuges bedient, um in Not geratene Kameraden freizuschießen, klingt mehr nach Actionfilm als nach bundesrepublikanischer Wirklichkeit. Alle drei ehemaligen Soldaten landen als Rückkehrer aus einer hierzulande unwillkommenen Realität im Nebel des Verleugnens. Einerseits sind sie einstige Akteure und Zeugen, andererseits von der Gewalt Beschädigte. Wie finden sie in eine Gesellschaft zurück, die Gewalt mehrheitlich ablehnt? Unter den vorhandenen Handlungsoptionen entscheiden sie sich diese drei für das scheinbar Aussichtsloseste: politische Einmischung. Zwei Jahre begleitet die Dokumentation den Kampf der Rückkehrer um einen Platz im pazifistisch ausgerichteten Deutschland. Und da Anerkennung heutzutage kaum noch mit Denkmälern gezollt wird, geht es am Ende darum, ökonomisch für erlittene Schäden abgefunden zu werden. Der Marsch durch die Kreuzfeuer der Demokratie endet mit 33 Seiten Gesetzestext. Niemand versteht auch nur einen der dort niedergeschriebenen Sätze, aber einigen wird damit tatsächlich geholfen.

Besetzung und stab
  • Regie:Knut Beulich
  • Land:Deutschland
  • Jahr:2013
  • Herkunft:ZDF
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    Aufgrund seiner Vergangenheit tut sich Deutschland seit Jahrzehnten schwer damit, einen rationalen Umgang mit dem eigenen Militär zu finden. Im Kalten Krieg fiel das nicht auf, da die Besatzungsmächte das Sagen hatten. Umso zäher entwickelten sich anschließend die Kontroversen um das vielleicht doch Gute im von seiner Definition her auf Krieg ausgerichteten Militär. Die gesellschaftliche Schizophrenie, die im Soldatenberuf maximal Brunnen bohrende Entwicklungshelfer beziehungsweise ein Technisches Hilfswerk im inländischen Katastrophenfall zu sehen bereit ist, schlägt auf die Ausführenden voll durch. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich die drei Protagonisten der Dokumentation von Knut Beulich. Jeder von ihnen war jenseits der Landesgrenzen im Einsatz. Zwischen Kuweit und Irak, im Kosovo und in Afghanistan erfüllten sie die vom Parlament demokratisch erteilten Aufträge. Mit Entwicklungshilfe hatte das eher wenig zu tun, mit Schießen und unter Beschuss geraten dagegen viel. Beim Gebirgsjäger David, der als Teil einer motorisierten Infanterieeinheit im Vorauskommando in den von Serben verteidigten Kosovo einrückt, scheint die Konfrontation mit militärischem Widerstand fast zwangsläufig und ist doch schockierend, als sich die böse Erwartung plötzlich erfüllt. Der zur Abwehr biologischer Kampfstoffe am Rande des Irak eingesetzte ABC-Experte Christian bekommt auch neun Jahre nach dem Einsatz die Warnungen vor anfliegenden Scud-Raketen nicht aus dem Kopf. Und dass ein ISAF-Pressechef eigenhändig nachts das MG eines Transportfahrzeuges bedient, um in Not geratene Kameraden freizuschießen, klingt mehr nach Actionfilm als nach bundesrepublikanischer Wirklichkeit. Alle drei ehemaligen Soldaten landen als Rückkehrer aus einer hierzulande unwillkommenen Realität im Nebel des Verleugnens. Einerseits sind sie einstige Akteure und Zeugen, andererseits von der Gewalt Beschädigte. Wie finden sie in eine Gesellschaft zurück, die Gewalt mehrheitlich ablehnt? Unter den vorhandenen Handlungsoptionen entscheiden sie sich diese drei für das scheinbar Aussichtsloseste: politische Einmischung. Zwei Jahre begleitet die Dokumentation den Kampf der Rückkehrer um einen Platz im pazifistisch ausgerichteten Deutschland. Und da Anerkennung heutzutage kaum noch mit Denkmälern gezollt wird, geht es am Ende darum, ökonomisch für erlittene Schäden abgefunden zu werden. Der Marsch durch die Kreuzfeuer der Demokratie endet mit 33 Seiten Gesetzestext. Niemand versteht auch nur einen der dort niedergeschriebenen Sätze, aber einigen wird damit tatsächlich geholfen.

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    • Regie:Knut Beulich
    • Land:Deutschland
    • Jahr:2013
    • Herkunft:ZDF
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