Die Akte Zarah Leander

Die Akte Zarah Leander

Freitag, 29. Juli um 21:50 Uhr (51 Min.)

Die Akte Zarah Leander

Freitag, 29. Juli um 21:50 Uhr (51 Min.)

Biografie, Regie: Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier (D 2013, 51 Min)

Nazi-Diva, Künstlerin oder Sowjetspionin? An den Gerüchten, die sich um die schwedische Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander ranken, scheiden sich bis heute die Geister. Der Kultur-Krimi blickt hinter Glamour und Fassade der Ikone, die ihren Karrierehöhepunkt im Nazi-Deutschland feierte.

Im Frühjahr 1943, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, verlässt Zarah Leander plötzlich ihre Villa in Berlin-Dahlem, lässt Millionen ergebener Fans im Stich und kehrt in ihre schwedische Heimat zurück. Zu den Gründen ihrer plötzlichen Abreise hat sie sich nie eindeutig geäußert. Dafür entstehen zur selben Zeit Gerüchte um die Schauspielerin und Sängerin, die ihren Mythos bis heute bestimmen: Nazi-Diva, unpolitische Schauspielerin oder Spionin im Dienst der Sowjetunion.

Zarah Leander gilt als der größte weibliche Filmstar des Dritten Reiches. Sie war die höchstbezahlte Film-Diva, die je bei der UFA unter Vertrag stand. Von 1937 bis 1942 drehte sie in nur sechs Jahren zehn Filme in Nazi-Deutschland. Ihr Markenzeichen war und ist ihre ungewöhnlich tiefe Stimme, die Männer und Frauen gleichsam verwirrte. Ihre Platten verkauften sich millionenfach. Ihre Lieder gehören noch heute zur musikalischen DNA der Deutschen.

Entlang ihrer Biografie und Wirkungsgeschichte bis hin zu den verschiedenen Spionagegerüchten zeichnet die Dokumentation ein komplexes und widersprüchliches Bild der Diva Zarah Leander. Was ist Mythos? Was Wirklichkeit? Wie hat sich die Sichtweise auf die ehemalige Primadonna gewandelt, die am Ende ihrer Karriere auf Butterfahrten sang, und heute als Diva von der schwul-lesbischen Szene geliebt wird?

Nie verändert hat sich die Tatsache, dass Zarah Leander die Menschen Zeit ihres Lebens polarisiert hat. Bis heute wird sie genauso intensiv verachtet, wie sie verehrt wird. "Zarah Leander ist ein Kunstobjekt, was in der Pop-Art sehr gut funktioniert, als jemand, der Oberfläche produzieren kann, so oberflächlich, dass es das Tiefste trifft, was man sich überhaupt nur vorstellt. Sie könnte auch von Andy Warhol erfunden worden sein", so der Filmwissenschaftler Georg Seeßlen.

Die Dokumentation zeigt eine Frau, die in ihrer Ambivalenz vielen bis heute ein Rätsel geblieben ist. Sie zeichnet das Bild einer schillernden Person aus einer finsteren Zeit, die vor allem eines war: Projektionsfläche der Sehnsüchte und Ängste der Menschen im 20. Jahrhundert. Und es stellt sich Frage, ob man diese Künstlerin bewundern darf, obwohl sie das Idol der Nazi-Zeit war.

Regie:  Torsten Striegnitz, Simone Dobmeier