Das Lied des Lebens

Das Lied des Lebens

Montag, 22. August um 1:00 Uhr (56 Min.)

Das Lied des Lebens

Montag, 22. August um 1:00 Uhr (56 Min.)

Ein hundertprozentiger "Überzeugungstäter" sei er, sagt Komponist Bernhard König, wenn er über seine neuartigen Musikkonzepte für alte Menschen spricht. Begeistert von der Schönheit der alten "faltigen" Stimmen vermittelt er Senioren, wie man Musik meditierend, trauernd, liebend, lernend, protestierend, staunend und beglückt erleben kann.

Im Stuttgarter Generationenzentrum Sonnenberg führt der Musiker Bernhard König biografische Interviews mit Senioren, um deren verschüttete Träume und Traumata aufzuspüren. Zentrales Thema sind die "Lieblings- und Lebenslieder". Lieder, die in der eigenen Biografie verankert sind und für eine ganz besondere Geschichte oder Erinnerung stehen.

Bei der 78-jährigen Magdalena Reisinger löst das Lied "Kann denn Liebe Sünde sein" einen emotionalen Ausbruch aus. Mit 14 Jahren wurde sie schwanger. Geächtet von den Dorfbewohnern, täglich von ihrer Mutter verprügelt, brachte sie als 15-jähriges Mädchen eine Tochter zur Welt. Dieses Erlebnis, das auf dramatische, aber auch beglückende Weise ihr Leben geprägt hat, ist für Bernhard König der Ausgangspunkt für Magdalena Reisingers "Lied des Lebens". Stärker als im bloßen Erzählen und Erinnern kommen in solchen Lebensliedern sehr intensive Emotionen zum Ausdruck. In der Eintönigkeit des Altenheims werden aus bedrückten, erstarrten Senioren klingende und leuchtende Menschen.

Diese Arbeit setzt König in Köln mit dem Experimentalchor "Alte Stimmen" fort. Mindestalter: 70 Jahre. Das älteste Chormitglied, Alfred Adamszak, ist 91 und kein bisschen müde - trotz schlimmer Kriegserlebnisse. Auch aus seiner Biografie entwickeln Komponist und Chor ein Lied von ergreifender und expressiver Stärke.

Irene Langemann hat Königs Arbeit begleitet und dokumentiert, wie die Magie der Musik die Senioren am Neckar und Rhein beflügelt, wie aus ihren Liebes- und Leidensgeschichten Lebenslieder einer Generation werden, die viel durchgemacht und viel zu erzählen hat.

Regie:  Irene Langemann
Mit:
Bernhard König