Themenabend

Bad Weather

Eine Bordellinsel versinkt

Aktuelles & Gesellschaft -
82 Min.
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    • Sendetermine:
    • Montag, 17. Oktober um 2.30 Uhr
    • Livestream: ja
    • Online vom 16. Oktober bis zum 23. Oktober 2016

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Die Dokumentation erzählt die Geschichte von Banishanta Island, einer Bordellinsel, die langsam versinkt. Sie besteht aus einer Gemeinschaft von Sexarbeiterinnen. Auf dem winzigen Landstreifen im Golf von Bengalen, Südbangladesch, überlebt diese Gemeinschaft gerade noch die zunehmende Bedrohung durch den Klimawandel.

Banishanta ist ein kleiner Inselstreifen im Golf von Bengalen, im Süden von Bangladesch. Die Insel ist etwa 100 Meter lang und 10 Meter breit und wird von einer außergewöhnlichen Gemeinschaft von Frauen bewohnt, die hier in ihrem Bordelldorf als Prostituierte arbeiten.

Kaum ein anderer Ort ist heute so existenziell von einem sich rasant verändernden Klima betroffen wie Banishanta – Wirbelstürme, Erderosionen, der Monsunregen und der jährlich ansteigende Fluss Pashur machen das Leben hier Jahr für Jahr mehr zu einem täglichen Überlebenskampf.

Noch vor 20 Jahren gehörte Banishanta zu einem der 19 größten legalen Bordelle von Bangladesch. Durch die Nähe zum kleinen Hafen Mongla kamen täglich bis zu 350 Männer auf das seit den frühen 60er Jahren existierende Inselbordell. Da der Fluss Pashur fast täglich die letzten hundert Meter der Insel überschwemmt und immer mehr Erde mit in seine Tiefen reißt, leben heute nur noch 65 Frauen auf der Insel. An „guten” Tagen kommen nur noch etwa zehn Männer vorbei, um die sexuellen Dienste der Frauen in Anspruch zu nehmen.

Mit großem Stolz und enormer Würde kämpfen die Frauen Banishantas täglich für ihr Leben. Sie alle wollen weg, irgendwann vielleicht – sie wissen, dass sie auf einer tickenden Zeitbombe sitzen. Aber jedes Jahr hoffen sie von neuem auf ein Einlenken der Natur. Von der Unaufhaltsamkeit eines globalen Klimawandels haben sie noch nichts gehört.

Der Film taucht ein in die ungewöhnliche Gemeinschaft der letzten 65 Frauen von Banishanta, folgt der Geschichte von Razia, Khadija und Shephali und erzählt von einem Leben an einem Ort, der langsam und sichtbar zu verschwinden beginnt, vom Kampf um ihr Zuhause, die Zukunft ihrer Familien und um die wahre Liebe. Während sie versuchen, ihre Existenz zu sichern, arbeitet die Zeit gegen sie. Bald wird ganz Banishanta vom Wasser weggespült sein.

Razia ist die Anführerin der Frauen auf Banishanta. Seit ihrem elften Lebensjahr arbeitet sie hier als Prostituierte. Heute hat sie eine Adoptivtochter, die außerhalb des Bordells lebt. Dank ihrer Arbeit in der Sex Workers Association haben sich die Arbeitsbedingungen der Frauen hier deutlich verbessert. Razia will unbedingt weg, will die anderen Frauen aber nicht allein zurücklassen.

Khadija ist erst 21, aber schon seit zehn Jahren im Prostitutionsgeschäft. Sie trennt ihr Leben strikt zwischen ihrer Arbeit und ihrer Liebe zum einheimischen Fischer Sohel, der mit ihr auf der Insel lebt. Sie arbeitet so viel sie kann, um irgendwann mit ihrem Mann ein neues und schöneres Leben beginnen zu können.

Ein weiterer wichtiger Protagonist des Films ist der Fluss Pashur. Er ist immer da, um ihn kreist alles. Einst hat er die Männer und damit ein bisschen Wohlstand auf die Insel gebracht, heute ist er es, der das Leben hier zerstören wird. Man spürt seine Gegenwart am Morgen, wenn noch alles ruhig ist; am Nachmittag, wenn sein Wasser anschwillt und er langsam die Höhe der Hütten erreicht. Wenn die Frauen ihre Gummistiefel rausholen, die Leinen mit der bunten Wäsche höher gehängt werden müssen und die Kinder ihre Wasserspiele beenden. Und man spürt seine zerstörerische Kraft, wenn er am Abend wütend alles mit sich zu reißen versucht, unterstützt noch vom Regen, der laut gegen die Wellblechdächer der Hütten trommelt. Der Fluss Pashur ist wie ein ruheloser und unberechenbarer Gott. Eine konstante Bedrohung.

Der Film gibt nicht nur einen intimen Einblick in einen kleinen ungewöhnlichen Mikrokosmos an einem fernen Ende der Welt, sondern erzählt auch vom langsamen Verschwinden eines Ortes, der den großen Änderungen unseres Klimas, unserer Zeit nicht mehr standhalten kann. Dieser langsame Wettlauf gegen die Zeit und die Natur wird in „Bad Weather” sehr eindringlich über eine klar beobachtende Bildsprache visualisiert, in der nicht nur die Menschen im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Natur selbst zu einem Protagonisten wird.

Die Naturgewalten – der Fluss, die Bodenerosion und die Wirbelstürme – kreieren die Spannung im Film und lassen uns immer stärker die Unausweichlichkeit des Schicksals von der Insel Banishanta erleben. Werden die Frauen ihre Gemeinschaft weiter aufrechterhalten können? Wird Razia genügend Geld sparen können, um irgendwann mit ihrer Tochter wegzuziehen?

Besetzung und stab
  • Regie:Giovanni Giommi
  • Land:Deutschland
  • Jahr:2011
  • Herkunft:ZDF
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    Banishanta ist ein kleiner Inselstreifen im Golf von Bengalen, im Süden von Bangladesch. Die Insel ist etwa 100 Meter lang und 10 Meter breit und wird von einer außergewöhnlichen Gemeinschaft von Frauen bewohnt, die hier in ihrem Bordelldorf als Prostituierte arbeiten.

    Kaum ein anderer Ort ist heute so existenziell von einem sich rasant verändernden Klima betroffen wie Banishanta – Wirbelstürme, Erderosionen, der Monsunregen und der jährlich ansteigende Fluss Pashur machen das Leben hier Jahr für Jahr mehr zu einem täglichen Überlebenskampf.

    Noch vor 20 Jahren gehörte Banishanta zu einem der 19 größten legalen Bordelle von Bangladesch. Durch die Nähe zum kleinen Hafen Mongla kamen täglich bis zu 350 Männer auf das seit den frühen 60er Jahren existierende Inselbordell. Da der Fluss Pashur fast täglich die letzten hundert Meter der Insel überschwemmt und immer mehr Erde mit in seine Tiefen reißt, leben heute nur noch 65 Frauen auf der Insel. An „guten” Tagen kommen nur noch etwa zehn Männer vorbei, um die sexuellen Dienste der Frauen in Anspruch zu nehmen.

    Mit großem Stolz und enormer Würde kämpfen die Frauen Banishantas täglich für ihr Leben. Sie alle wollen weg, irgendwann vielleicht – sie wissen, dass sie auf einer tickenden Zeitbombe sitzen. Aber jedes Jahr hoffen sie von neuem auf ein Einlenken der Natur. Von der Unaufhaltsamkeit eines globalen Klimawandels haben sie noch nichts gehört.

    Der Film taucht ein in die ungewöhnliche Gemeinschaft der letzten 65 Frauen von Banishanta, folgt der Geschichte von Razia, Khadija und Shephali und erzählt von einem Leben an einem Ort, der langsam und sichtbar zu verschwinden beginnt, vom Kampf um ihr Zuhause, die Zukunft ihrer Familien und um die wahre Liebe. Während sie versuchen, ihre Existenz zu sichern, arbeitet die Zeit gegen sie. Bald wird ganz Banishanta vom Wasser weggespült sein.

    Razia ist die Anführerin der Frauen auf Banishanta. Seit ihrem elften Lebensjahr arbeitet sie hier als Prostituierte. Heute hat sie eine Adoptivtochter, die außerhalb des Bordells lebt. Dank ihrer Arbeit in der Sex Workers Association haben sich die Arbeitsbedingungen der Frauen hier deutlich verbessert. Razia will unbedingt weg, will die anderen Frauen aber nicht allein zurücklassen.

    Khadija ist erst 21, aber schon seit zehn Jahren im Prostitutionsgeschäft. Sie trennt ihr Leben strikt zwischen ihrer Arbeit und ihrer Liebe zum einheimischen Fischer Sohel, der mit ihr auf der Insel lebt. Sie arbeitet so viel sie kann, um irgendwann mit ihrem Mann ein neues und schöneres Leben beginnen zu können.

    Ein weiterer wichtiger Protagonist des Films ist der Fluss Pashur. Er ist immer da, um ihn kreist alles. Einst hat er die Männer und damit ein bisschen Wohlstand auf die Insel gebracht, heute ist er es, der das Leben hier zerstören wird. Man spürt seine Gegenwart am Morgen, wenn noch alles ruhig ist; am Nachmittag, wenn sein Wasser anschwillt und er langsam die Höhe der Hütten erreicht. Wenn die Frauen ihre Gummistiefel rausholen, die Leinen mit der bunten Wäsche höher gehängt werden müssen und die Kinder ihre Wasserspiele beenden. Und man spürt seine zerstörerische Kraft, wenn er am Abend wütend alles mit sich zu reißen versucht, unterstützt noch vom Regen, der laut gegen die Wellblechdächer der Hütten trommelt. Der Fluss Pashur ist wie ein ruheloser und unberechenbarer Gott. Eine konstante Bedrohung.

    Der Film gibt nicht nur einen intimen Einblick in einen kleinen ungewöhnlichen Mikrokosmos an einem fernen Ende der Welt, sondern erzählt auch vom langsamen Verschwinden eines Ortes, der den großen Änderungen unseres Klimas, unserer Zeit nicht mehr standhalten kann. Dieser langsame Wettlauf gegen die Zeit und die Natur wird in „Bad Weather” sehr eindringlich über eine klar beobachtende Bildsprache visualisiert, in der nicht nur die Menschen im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Natur selbst zu einem Protagonisten wird.

    Die Naturgewalten – der Fluss, die Bodenerosion und die Wirbelstürme – kreieren die Spannung im Film und lassen uns immer stärker die Unausweichlichkeit des Schicksals von der Insel Banishanta erleben. Werden die Frauen ihre Gemeinschaft weiter aufrechterhalten können? Wird Razia genügend Geld sparen können, um irgendwann mit ihrer Tochter wegzuziehen?

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    • Regie:Giovanni Giommi
    • Land:Deutschland
    • Jahr:2011
    • Herkunft:ZDF
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