Zum Schweigen gebracht

AUSSCHNITT Mittwoch, 28. September um 6:05 Uhr (53 Min.)

Zum Schweigen gebracht

Georgi Markov und der Regenschirm-Mord

Mittwoch, 28. September um 6:05 Uhr (53 Min.)

Ein Geheimdienstmord, der weltweites Aufsehen erregte: Am 7. September 1978 ereignete sich auf der Waterloo Bridge in London einer der mysteriösesten Anschläge des Kalten Krieges. Der bulgarische Dissident Georgi Markov wurde durch einen Stich ins Bein vergiftet. Das Attentat ist bis heute nicht aufgeklärt worden ...

Ein Geheimdienstmord, der weltweites Aufsehen erregte: Am 7. September 1978 ereignete sich auf der Waterloo Bridge in London einer der mysteriösesten Anschläge des Kalten Krieges. Der bulgarische Dissident Georgi Markov wurde durch einen Stich ins Bein, vermeintlich mit der Spitze eines Regenschirms, vergiftet. Markov starb vier Tage später, am 11. September 1978, an Herzversagen. Februar 2010 listete das renommierte Time-Magazine, den Mord an Georgi Markov unter den "Top Ten Assassination plots of the World" auf Platz fünf, nach dem Attentat auf Hitler, der Ermordung Trotzkis, dem Attentat von Sarajewo, das zu WWI führte und der Ermordung des Hamas-Commanders Mahmoud Mabhouh, die sich am 19. Januar 2010 in Dubai ereignete.

Der Film versucht, Hintergründe und politische Zusammenhänge des Attentats bis heute zu beleuchten und den Spuren des mutmaßlichen Attentäters zu folgen. Das Opfer, Georgi Markov, Schriftsteller und Journalist und seit 1971 Mitarbeiter des bulgarischen Dienstes der BBC, der Deutschen Welle und vor allem von Radio Free Europe hatte in wöchentlichen Sendungen bei RFE scharf das totalitäre System in seiner Heimat und besonders den damaligen Staats- und Parteichef Todor Schiwkow kritisiert und durch seine Aktivitäten die Rache des Diktators ausgelöst.

Der Hergang des Attentats ist letztlich nie ganz aufgeklärt worden. Der Film schildert die wahrscheinlichste Version des Tathergangs, wie sie sich durch eine Tat-Rekonstruktion, durch die Aussagen von Fachleuten und durch glaubhafte Aussagen von Personen, die nach dem Anschlag noch mit dem Opfer Georgi Markov gesprochen haben, zusammengefügt hat. Die Filmrecherche hat in der Öffentlichkeit noch unbekannte oder wenig bekannte Sachverhalte und Zusammenhänge ergeben. Entgegen den bisher in Presse und Öffentlichkeit kolportierten Versionen ergibt sich daraus: Das Attentat wurde höchstwahrscheinlich nicht durch einen Einzeltäter verübt, sondern durch ein Attentatsteam (hitsquad), wie es bei Anschlägen von Geheimdiensten international üblich ist. Des weiteren wird auch der Mythos des Regenschirms als Tatwaffe entzaubert und geklärt, wie es zu dem Namen "Regenschirm-Mord" gekommen ist.

Dem Autor ist es gelungen, den einzigen namentlich bekannten mutmaßlichen Attentäter aufzuspüren und zu interviewen, der 1993 nach einem elf Stunden dauernden Verhör mit dänischen, britischen und bulgarischen Ermittlern aus Kopenhagen verschwunden und untergetaucht war: Agent "Picadilly" des bulgarischen Staatssicherheitsdienstes alias Francesco Gullino, Italiener mit dänischem Pass. In Medien und Öffentlichkeit gilt "Picadilly" als Einzeltäter und Mörder Georgi Markovs. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war er aber eher Teil eines Teams und seine genaue Rolle darin ungeklärt, ebenso wie die Rolle, die Polizeibehörden und Geheimdienste in dieser Geschichte spielen.

"Zum Schweigen gebracht" soll sowohl ein historischer wie auch investigativer Dokumentarfilm über ein exemplarisches Ereignis aus der Zeit des "Kalten Krieges" sein, das aber mit anderen Tätern, anderen Opfern und aus ähnlichen Motiven genau so gut heute geschehen kann. Das Attentat auf Georgi Markov bleibt eine eindringliche Warnung, wie Geheimdienste tödliche Aktionen über Ländergrenzen hinweg, ohne Skrupel, ausführen. Bis heute interpretieren Geheimdienste - nur in ihrer eigenen Realität denkend und handelnd - jede Form von Aufklärung als feindlichen Akt. Dies trifft auf Geheimdienste in demokratischen Gesellschaften ebenso zu.

  • Zum Schweigen gebracht

    AUSSCHNITT Mittwoch, 28. September um 6:05 Uhr (53 Min.)

  • Mehr laden
Regie:  Klaus Dexel