Erlesene Welten

Erlesene Welten

Sonntag, 18. September um 6:10 Uhr (86 Min.)

Erlesene Welten

Sonntag, 18. September um 6:10 Uhr (86 Min.)

Der Dokumentarfilm erzählt von der Liebe zur Literatur und davon, wie geschriebene Worte in die entlegensten Winkel der Welt gelangen. Grimme-Preisträgerin Beatrix Schwehm folgt mobilen Bibliotheken in Kenia, der Mongolei und Bangladesch - ein Roadmovie über die faszinierende Welt des Lesens.

"Wörter und Literatur sind wie Ameisen und Wasser, sie dringen überall hin, selbst in die kleinsten Ritzen und Schlupflöcher." Dieser Satz des türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk lässt erahnen, wo der Dokumentarfilm von Beatrix Schwehm hinführt: Im kenianischen Busch, nahe der unsicheren Grenze zu Somalia, bringt der Bibliothekar Abdullahi Osman mit seinen Kollegen auf dem Rücken von Kamelen Bücher zu entlegenen Nomadenstämmen.

In der Mongolei begibt sich der Kinderbuchschriftsteller Jambyn Dashdondog während der kurzen Sommermonate auf den weiten Weg, um Kindern im fernen, kargen Hochland zwei kleine Kartons voller Bücher zu bringen. Auf den knarrenden Brettern eines Bibliotheksbootes schwimmen Bücher durch die tropischen Wälder Bangladeschs, das immer wieder von Überschwemmungen, Wirbelstürmen und Flutwellen heimgesucht wird.

Der Architekt Mohammed Rezwan hat trotz vieler Hindernisse seine innovative Unternehmensidee Wirklichkeit werden lassen: Boote, die mit Solaranlagen, Büchern und Computern ausgestattet sind, versorgen selbst während des Monsuns inzwischen etwa 90.000 Familien in abgelegenen Dörfern mit Informationen und Geschichten. Die weiten Wege in die entlegensten Winkel dieser Welt erzählen von Büchern und Menschen und ihrer Liebe zur Literatur.

Die Lesenden sitzen im Schatten afrikanischer Akazienbäume, an unbefestigten bengalischen Flussufern inmitten von bunten Wäschestücken, die zum Trocknen ausgebreitet sind, oder vor dem wärmenden Ofen, während draußen der kalte mongolische Wind pfeift. Lesend verlassen sie ihre alltägliche Welt und betreten eine Parallelwelt der Poesie, der Empfindsamkeiten, der Träume und Wünsche. Oder sie tauchen ein in die Sphären von Mathematik, Wirtschaft und Religion, lesen Geschichten von fernen Welten, die sie für Stunden, Tage und Wochen fesseln.

Ein Buch kann Lehrer sein, kann Halt geben und Mut bringen. Menschen, die in Armut oder Krieg leben, können durch die Lektüre wieder Hoffnung schöpfen. Die Initiativen der mobilen Bibliotheken wirken auch dem für Ausbeutung anfälligen Analphabetentum entgegen. Lektüre kann den Lesenden zu selbstständigem, kritischem und kreativem Denken verhelfen. So unterschiedlich die drei Buchreisenden und ihre Bibliotheken sein mögen, eines ist ihnen gemeinsam: die Liebe zur Literatur und der Respekt für Wissen, das keine Grenzen akzeptiert.

Regie:  Beatrix Schwehm