Das Genie und die Jungs

Aktuelles & Gesellschaft -
79 Min.
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    • Sendetermine:
    • Donnerstag, 2. Februar um 2.05 Uhr
    • Livestream: ja
    • Online vom 1. Februar bis zum 8. Februar 2017

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Carleton Gajdusek gilt als eines der größten Genies des 20. Jahrhunderts. Für seine Entdeckung der "langsamen Viren" als Auslöser für die beim Menschen auftretende Form des Rinderwahns wurde er mit dem Nobelpreis für Medizin gewürdigt. Doch der Wissenschaftler hatte auch eine dunkle Seite: 1996 wurde er wegen Pädophilie verhaftet.

Nicht nur zahlreiche Wissenschaftskollegen halten Carleton Gajdusek (1923-2008) für ein Genie, das in seiner Universalität Künstlern der Renaissance wie Leonardo da Vinci und Michelangelo gleicht. Schon Anfang der 40er Jahre bereiste Gajdusek die Welt und forschte unermüdlich und fachübergreifend, unter anderem für die Medizin, Chemie, Linguistik, Anthropologie und Psychologie. Selbst für moderne Disziplinen wie die Nanotechnologie lieferte er wichtige Erkenntnisse. Er hatte Wissen über die letzten Steinzeitmenschen der Erde und war ebenso in hochtechnischen Forschungszentren zu Hause. Sein persönliches Dokumentationsprojekt nahm die Form eines eine Million Seiten umfassenden Tagebuchs an, in dem er sowohl jede einzelne Mahlzeit als auch seine Gefühle, sexuelle Befindlichkeiten sowie wissenschaftlich brillante Einsichten lückenlos festhielt. Gajdusek gilt unter seinesgleichen als Held der Wissenschaft. Sein Freundes- und Bekanntenkreis reicht von Eingeborenen aus Papua-Neuguinea über New Yorker Milliardäre, große ukrainische Denker und Nobelpreisträger aus aller Herren Länder bis hin zu jungen Intellektuellen in China. Zu seinen prominenten Bekanntschaften zählen der Anthropologe Claude Lévi-Strauss, der Schriftsteller B. Traven, der Mitentdecker des Aids-Virus, Robert Gallo, der Neurologe Oliver Sacks, Fidel Castro und Benoît Mandelbrot, Mitbegründer der Chaostheorie. Allerdings wurde Gajdusek 1996 wegen sexueller Beziehungen zu einem seiner minderjährigen Adoptivsöhne verhaftet. Dem FBI zufolge hatte der Virologe 57 Adoptivsöhne aus Papua-Neuguinea, Mikronesien und anderen Südseestaaten. Nach eigenen Angaben erreichte die Anzahl seiner Zöglinge zeitweise dreistellige Zahlen. Ziel des Porträts ist nicht allein eine Biografie Carleton Gajduseks, sondern es geht zusätzlich um die Beleuchtung eines grundlegenden Dilemmas. Wie definiert man menschliche Klarsicht? Wann stößt reine Intelligenz an ihre Grenzen? Wie kommt es, dass ein Mensch mit überdurchschnittlichem IQ einem offensichtlichen Selbstbetrug erliegt? Und wo liegen die Grenzen des menschlichen Einfühlungsvermögens?

Besetzung und stab
  • Regie:Bosse Lindquist
  • Land:Frankreich, Finnland, Großbritannien
  • Jahr:2009
  • Herkunft:ARTE
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