ARTE Reportage

Flüchtlinge: Zuerst nach Griechenland

Aktuelles & Gesellschaft -
54 Min. - 14699 Aufrufe
  • SENDETERMINE UND VERFÜGBARKEIT Offen

    • Sendetermine:
    • Samstag, 18. März um 16.40 Uhr
    • Livestream: ja
    • Online vom 18. März bis zum 25. März 2017

    Mich per E-Mail erinnern

    Stunden vor der nächsten Ausstrahlung dieses Programms eine E-Mail als Erinnerung.

    ARTE garantiert, dass die angegebene E-Mail-Adresse nur für den Versand dieser Erinnerungsmail verwendet wird.

Themenschwerpunkt Griechenland: (1) Thessaloniki – offene Stadt: Nach Schließung der Balkanroute ist für tausende Flüchtlinge Griechenland zur Sackgasse geworden. (2) Einige Flüchtlinge in Griechenland wollen rechtlich gegen die Rückführung in die Türkei vorgehen. (3) Insel Chios – Erst Transitzone, dann Aufnahmelager (4) Die offenen Arme der Insel Tilos

(1): Griechenland: Thessaloniki – offene Stadt

Nach der Schließung der Balkanroute ist Griechenland für tausende Flüchtlinge zur Sackgasse geworden. Dort sitzen sie erst mal fest und müssen aufs ganze Land verteilt werden.

Derzeit sollen es zwischen 45.000 und 47.000 auf dem griechischen Festland sein – ganz zu schweigen von den etwa 15.000 Flüchtlingen, die auf den Inseln festsitzen. Die circa 8.000 Menschen aus dem Notlager Idomeni sind in Lager nach Thessaloniki und nach Nordgriechenland verlegt worden. Zusammen mit den Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen hat die Stadt Thessaloniki inzwischen damit begonnen, die Hilfesuchenden in Wohnungen unterzubringen, um Ghettobildungen zu vermeiden.

(2): Griechenland: Flüchtlinge suchen juristische Offensive

Im Jahr 2015 zieht ein massiver Flüchtlingsstrom über die Türkei nach Europa. In der Mehrzahl Syrer, die vor dem Krieg in ihrem geschunden Land fliehen. Um den Ansturm zu dämmen, schließt Brüssel ein Abkommen mit Ankara. Danach sollen die auf den griechischen Inseln gestrandeten Flüchtlinge in die als „sicher“ geltende Türkei zurückgeschickt werden.

Aber das Abkommen ist ein Stolperstein für die Genfer Konvention zu Flüchtlingsrechten und führt zu einer Situation, wo die Betroffenen auf den ägäischen Inseln regelrecht in der Falle sitzen. Um den Rücktransport in die Türkei zu verhindern, beantragen die meisten Flüchtlinge inzwischen Asyl in Griechenland und begeben sich in ewig lange Prozeduren. Eine Gruppe von Anwälten hat jetzt rechtliche Schritte unternommen, um die aus Ihrer Sicht unerträgliche Situation zu beheben: Sie wollen den Rückführungsvertrag an sich annulliert sehen.

(3): Griechenland: Chios – eine Insel mit zwei Bürgen

Am 20. März 2016 tritt der Vertrag zwischen der Europäischen Union und der Türkei in Kraft: Über Nacht verwandelt sich die Insel Chios von einer Transitzone in ein weites Aufnahmelager.

Die Flüchtlinge dürfen die Insel nicht mehr verlassen. Zunächst bekommen sie von der lokalen Bevölkerung großzügig Hilfe – wie im ganzen Jahr 2015. Aber seit nun einem Jahr etwa bröckelt der soziale Zusammenhalt zusehends.

Die extreme Rechte versucht ihrerseits, aus dem Hinterhalt die unvermeidlichen Spannungen dieses erzwungenen Zusammenlebens für Ihre politischen Ziele umzumünzen. Und die weitgehend mittellose örtliche Verwaltung muss ohnmächtig dabei zusehen, wie der Fremdenhass bei Teilen der Inselbewohner immer weiter um sich greift.

(4): Griechenland: Die offenen Arme von Tilos

Die Insel in der Ägäis und seine 500 Bewohner empfangen mehrere Flüchtlingsfamilien in voller Solidarität.

Es gibt keine Hotspots und keine Flüchtlingslager auf der Insel Tilos. Dennoch sind tausende Flüchtlinge über die Insel in die EU gekommen. Tilos liegt nur 18 Kilometer vor der türkischen Küste. Im Sommer 2015 kamen jede Woche mehr als 700 Menschen. Damals halfen die Inselbewohner bei der Rettung der treibenden Schlauchboote. Damals boten sie ihnen Unterkunft in Hotels und Privatwohnungen.

Inzwischen kommen immer weniger Migranten auf die griechischen Inseln, auch nach Tilos. Doch die Solidarität der Einwohner ist geblieben: Aufnahme mit offenen Armen. Viele Inselbewohner kümmern sich um den Alltag der rund 40 Flüchtlinge, die jetzt auf der Insel leben. Und die Bürgermeisterin Maria Kamma würde sogar noch mehr aufnehmen.

Mit Hilfe der Vereinten Nationen und der humanitären Organisation „Solidarity Now“ wurde ein eigenes Wohnheim geschaffen – bisher eine Premiere auf den griechischen Inseln. Ein Ort des Aufatmens für viele syrische Familien, die schon seit Monaten warten und warten …

Besetzung und stab
  • Land:Frankreich
  • Jahr:2016
  • Herkunft:ARTE
Kommentare (0)