Schriftgröße: + -
Home > Was wird morgen sein? > Themenabend > Die 1.000 Euro-Generation

Donnerstag 9. August 2007 um 08.50 Uhr - 09/07/07

Die 1.000 Euro-Generation

Sie sind hoch qualifiziert, schlecht bezahlt, müssen hart arbeiten und immer öfter mehrere Jobs gleichzeitig ausüben: Gemeint sind junge Europäer, die neuen Billiglöhner der so genannten 1.000-Euro-Generation. Die Dokumentation befasst sich mit prekären Beschäftigungsverhältnissen in Europa und macht deutlich, wie sehr sich die Arbeitsbedingungen in einer globalisierten Welt verändern, in der Arbeit zum Auslaufmodell zu werden droht.

Zwischen zwei Jobs in der Straßenbahn, manchmal auch im Park - wenn es die Zeit zuließ - tippten sie ihre Geschichte in die Laptops. Ihre Erfahrungen, ihre Recherchen haben die jungen Autoren Alessandro Rimassa und Antonio Incorvaia in Mailand zu einem Internet-Roman verarbeitet: "Die Generation 1.000 Euro". Der Inhalt: Eine Geschichte über junge, moderne Tagelöhner - mitten in Europa.
"Wir hatten mit 1.000 Downloads von unserer Geschichte gerechnet. Das war das Ziel, das wir uns vorgenommen hatten", erzählt Antonio Incorvaia. Aber es kam anders: "Die Geschichte ist dann 24.000 Mal runter geladen worden. Für uns war das eine totale Überraschung." Die Erfolgsstory im Internet ließ auch andere Medien auf die beiden jungen italienischen Autoren aufmerksam werden. Italienische und ausländische Zeitungen begannen, über das Internetprojekt zu berichten. "Plötzlich haben auch Soziologen und Politiker darüber geredet. Und das bedeutet doch, dass das Problem weiter verbreitet ist, als wir selbst ursprünglich angenommen hatten", sagt Antonio, noch immer erstaunt über den plötzlichen Erfolg. Aber selbst sie wissen nicht, wie verbreitet das Phänomen ist.
Alessandro Rimassa und Antonio Incorvaia treffen mit ihrem "Reality"-Roman den Nerv einer ganzen Generation, in Italien und in Europa. Das Werk erzählt von der Lebenslage und vom Lebensgefühl junger Menschen, die hart arbeiten und schlecht bezahlt sind, die unter enormem Druck stehen, die Zweit- und Drittjobs annehmen müssen, um ihren Lebensunterhalt in den teuren Metropolen finanzieren zu können. Und die beiden Autoren wissen, wovon sie schreiben. Jahrelang schleppten sie sich von einem Job zum anderen, mehr als 1.000 Euro verdienten sie nie im Monat.
Ulli Neuhoff hat die Autoren besucht und geht in seinem Film mit ihrer Hilfe dem Lebensgefühl junger Menschen in Europa nach. 3,5 Millionen Menschen sollen es nach Schätzungen alleine in Italien sein, die von weniger als 1.000 Euro im Monat leben müssen. Moderne Tagelöhner wie Lucia, die als Direktionsassistentin eines internationalen Technologiekonzerns arbeitet. Ihren Nachnamen will sie nicht nennen, aus Angst um ihren Job. Gerade einmal 950 Euro ist dem Konzern ihre Arbeit wert, dabei hat sie ihr Diplom in Wirtschaftwissenschaften mit Auszeichnung abgeschlossen. Lucia lebt immer noch bei ihren Eltern, eine eigene Wohnung kann sie sich nicht leisten. An Karriere und Familie, wonach sich viele Italiener sehnen, ist erst einmal nicht zu denken. Ein typisches Beispiel.
Die Dokumentation zeigt diese Lebenssituation. Es kommen aber auch Gewerkschaftsvertreter zu Wort, die dieser Realität ziemlich hilflos gegenüberstehen. Vor allem die Unternehmer profitieren von der Entwicklung, aber selbst sie sind sich nicht völlig sicher, ob die neuen Tagelöhner der 1.000-Euro-Generation ihre Firmen zukunftsfähig machen. Der Film macht aber auch deutlich, wie sehr die Arbeitswelt in Europa im Umbruch ist und wie sich die Arbeitsbedingungen in einer globalisierten Welt verändern.


Die 1.000 Euro-Generation
Donnerstag 9. August 2007 um 08.50 Uhr
Keine Wiederholungen
Dokumentation, Deutschland 2007, Erstausstrahlung
Regie: Ulrich Neuhoff

Erstellt: 09-07-07
Letzte Änderung: 09-07-07