Freitag, 30. Juli 2010 um 01.00 Uhr
Wiederholungen:
06.08.2010 um 03:00
Bondage
(Japan, 1977, 83mn)
ARTE F
Regie: Noboru Tanaka
Kamera: Masaru Mori
Musik: Taichi Tsukimisato, im Original von Jiro Takada
Darsteller: Aoi Nakajima (Toki, zweite Ehefrau), Hatsuo Yamatani (Seiu Ito), Hiroshi Osa (Doktor), Junko Miyashita (Taé), Kunio Shimizu (Oshino, Assistent), Maya Kudou (Shima, erste Ehefrau), Sumiko Minami (Kane, Taés Mutter), Toshihiko Oda (Saeki, Fotograf)
Autor: Akio Ido nach dem Roman von Fabrice Arduini
Vertreiber: Zootrope Films
Produktion: Nikkatsu Corporation
Produzent: Yoshihiro Yuhki
Seine Berufung: Künstler. Seine Leidenschaft: "Bondage". Seine Modelle: zwei Ehefrauen und eine Prostituierte. Künstlerleben und Lebensphilosophie des Seiu Ito sind bestimmt durch sadomasochistische Fesselpraktiken und Frauen in ewiger Knechtschaft ...
Seiu Ito ist Künstler: Er malt, schreibt und fotografiert. Seine sexuelle Vorliebe gilt dem Bondage - dem Fesseln und Peinigen schöner Frauen. Seinen Beruf und seine Lebensphilosophie hat er ebenfalls dem Sadomasochismus verschrieben: So filmt und fotografiert er die jungen Opfer seiner leidenschaftlichen Neigung während der Ausführung grausamer Fesselpraktiken.
Als Modelle und Musen stehen seine beiden Ehefrauen Shima und Aoi sowie verschiedene Prostituierte zur Verfügung. Verlassen und betrogen von Shima, wendet sich Seiu mehr und mehr seiner Favoritin Taé zu, einer Hure, deren Ähnlichkeit mit seiner ersten Frau den Folterer in einen sadistischen Teufelskreis führt.
Und auch Taé scheint mehr und mehr gefangen in der Spirale von Sex und Gewalt, Lust und Qual: Sie wird süchtig und verrückt nach Itos Zuwendungen und Misshandlungen. Sogar die Erkrankung an Syphilis und ihre sorgenvolle Mutter können Taé von der Abhängigkeit nach Fesselung und Knechtschaft nicht abbringen ...
Es ist ein Film über das Leben des japanischen SM-Künstlers und -Autors Seiu Ito (1882-1961) aus der Reihe der Pornoroman-Verfilmungen der japanischen Filmgesellschaft Nikkatsu. Regisseur Noboru Tanaka, 2006 verstorben, gehörte der berühmten Nikkatsu-Gruppe an. Doch im Unterschied zu den anderen SM-Werken wollte Tanaka das Thema Sadomasochismus nicht behandeln, indem er es allein in Form einer sexuellen Vorliebe darstellte oder gar auf sexuelle Spielerei beschränkte. Vielmehr sollte gerade nicht die Bondage-Praxis, sondern der tödliche Kampf zwischen Mann und Frau sowie die Instinkte, die dabei geweckt werden, im Mittelpunkt stehen. Somit erhob Tanaka nicht den Anspruch, Masochismus und Sadismus zu definieren. Es galt stattdessen, in existenzielle Bereiche und menschliche Abgründe vorzudringen, welche Erotik, Leben, Leiden und Sterben gleichermaßen zu spiegeln vermögen.
Die Verknüpfung von Sex und Gewalt, Liebe und Tod im Leben von Seiu Ito haben das Interesse des japanischen Regisseurs Tanaka geweckt. So nahm er sich dem pornografischen Roman "Bijin Ranbu" über den "Vater des Bondage" an und verwendete diesen als Vorlage für "Bondage", der mit aufwendigen Mitteln und relativ hohem Budget von der Nikkatsu Corporation produziert wurde.
Nach "Abe Sada" (1975) und "Watcher in the Attic" (1976) ist "Bondage" der dritte Film innerhalb der berühmten Showa-Trilogie, den Noboru Tanaka mit Hauptdarstellerin Junko Miyashita (hier in der Rolle der "Taé") drehte. Die Biografie des Seiu Ito im Stil des Pink-Film gilt als das härteste und zugleich erhabenste Werk der Reihe sowie als Höhepunkt der japanischen Pornoroman-Verfilmungen.