Ausgerechnet im Sommer 1946, also nur ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs (!), schlug die Geburtsstunde des Bikinis: Der französische Designer Louis Réard präsentierte am 5. Juli 1946 im Rahmen einer Miss-Wahl für Badenixen in Paris einen zweiteiligen Badeanzug mit knappem Oberteil und zwei mit dünnen Kordeln verbundenen dreieckigen Stoffteilen als Höschen. Die neue Strandbekleidung fiel so knapp aus, dass sein Mannequin ihn problemlos in einer Streichholzschachtel verstauen konnte. Dass die neue Sensation der Bademode den Namen eines Atolls im Pazifischen Ozean erhielt, hatte einen zeitgeschichtlichen Hintergrund und einen makabren Beigeschmack zugleich: Die USA hatten, nachdem die Bevölkerung der Insel evakuiert worden war, just vier Tage vor Réards Modenschau die erste Atombombe der Nachkriegszeit in der Lagune des Bikini-Atolls gezündet. Der Begriff „Bikini“ war also in allen Zeitungen und in aller Munde. In der Tat schlug die Erfindung Réards ein wie die Detonation einer Bombe: Die Journalisten waren begeistert, der Coup war gelungen.
Bikini-Verbote und Ignoranz in den 50er Jahren
Trotz seines medialen Erfolgs konnte der Bikini sich zunächst in der Gesellschaft nicht durchsetzen, denn nach seiner Premiere wurde er als Badebekleidung fast weltweit verboten. In Rio De Janeiro wurde 1947 ein Anti-Bikini-Verein gegründet; und das damals wie heute prüde Amerika distanzierte sich vollends vom Bikini.
Vermutlich waren auch die 1950er Jahre noch zu konservativ, um dem Bikini eine Chance zu geben: In den katholischen Ländern Südeuropas (Italien und Spanien) wurde der Zweiteiler als unmoralisch angesehen; Frauenzeitschriften in Deutschland und Frankreich lehnten den Bikini bis in die späten Fünfziger Jahre kategorisch ab; und die Adenauerrepublik propagierte das Bild der perfekten deutschen Hausfrau, die man sich im Bikini so gar nicht vorstellen konnte.
Erst Mitte der Fünfziger Jahre geriet der Bikini wieder in die Schlagzeilen: Das verdankte er der wasserstoffblonden britischen Schauspielerin Diana Dors, die sich auf den Filmfestspielen von Venedig im Nerzbikini sehen ließ, sowie Brigitte Bardot, die sich in den 50ern ebenfalls gerne im Bikini zeigte. Aber auch jetzt blieb der Zweiteiler für den Strand noch immer den Starlets und Pin-up-Girls vorbehalten. Im Sommer 1959 schließlich änderten einige Frauenzeitschriften ihre Meinung und propagierten den Bikini als "Kleidungsstück der Saison" (Vogue). Die Erfindung des neuen Materials "Lycra" sowie die zunehmende Reisefreudigkeit in Europa waren dem Comeback des Bikinis außerdem zuträglich.
Aber noch zu Beginn der 1960er Jahre waren Bikinis in der Öffentlichkeit eher selten zu sehen. Der Schlager vom "Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini" wirkte sich einerseits sicher verkaufsfördernd aus; andererseits beschrieb er aber – zumindest in der englischen Version – auch sehr treffend die damaligen Befindlichkeiten: "Se was afraid to come out of the locker / She was as nervous as she could be / She was afraid to come out of the locker / She was afraid that somebody would see ...".
The girl from Ipanema macht Bikinis an Rios Stränden populär
Einen weitaus selbstbewussteren Auftritt erlebte der Bikini im Jahre 1962: Ursula Andress tauchte im ersten James Bond-Film „Dr. No“ in einem elfenbeinfarbenen Bikini mit Gürtel und einem Dolch an der Seite sowie zwei Muscheln in ihren Händen aus dem Meer. Diese unverwechselbare Szene dürfte sowohl dem Kleidungsstück als auch der Schauspielerin zu größerem Erfolg verholfen haben.
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Die gesellschaftlichen und auch politischen Veränderungen gegen Ende der 1960er Jahre beeinflussten schließlich auch die Mode und die Bademode ihrer Zeit. Keine konservativen Moralvorstellungen hielten die selbstbewussten Frauen nun noch davon ab, knappe Bikinis am Strand zu tragen – vorzugsweise in grellbunten Farben und Mustern.
Im Laufe des folgenden Jahrzehnts entwickelte die Bademode sehr unterschiedliche Erscheinungsformen für den Bikini. Eine Mode bestand im „Selbstgemachten“; dem damaligen Trend zum Handwerklichen folgend wurde der eigene Bikini jetzt gestrickt, gehäkelt, bestickt oder gar geklöppelt. Dem gegenüber standen die Feministinnen, die betont weibliche Attribute schlechthin verteufelten und somit auch den BH und den Bikini komplett ablehnten. Die Tendenz zur Unisex-Mode für Mann und Frau ebenso wie der Wunsch nach nahtloser Bräune führten dazu, dass die Strandmode der Frauen immer öfter "oben ohne" präsentiert wurde.
Supermodels setzen gnadenlosen Trend zur Bikini-Figur
Einen Einbruch erlebte die Bikinimode zu Beginn der 80er Jahre, als plötzlich der einteilige Badeanzug eine unvermutete Renaissance erlebte: Bikini war out; stattdessen trugen immer durchtrainiertere Frauenkörper einteilige Badeanzüge mit tiefen Decolletés und hohen Beinausschnitten. Auch außerhalb der Strandzone waren auf einmal Badeanzüge und Bodys zu sehen; der Bikini aber wurde immer seltener. Erst 1987 konstatierte die Brigitte ein Comeback des Bikinis, der nun weniger knapp und oft mit einem Bustier-Oberteil daherkam. Auch in den 90er Jahren blieben Bikinis angesagt; schließlich kam das dem Trend der Zeit entgegen: denn schmale Zweiteiler setzten Bauchnabel und Piercings sowie Tattoos wirkungsvoll in Szene. Ebenso setzt sich der Trend zum perfekten Körper fort; Supermodels machten es vor – Millionen von Frauen folgten dem Ideal und taten alles erdenklich Mögliche, um die Bikini-Figur der Claudias, Lindas und Kates nachzuahmen.
Wie aber steht es um den Bikini im dritten Jahrtausend? Die einschlägigen Modemagazine von Elle bis Vogue präsentieren im Sommer 2007 eine äußerst vielfältige Bademode: Da gibt es Klassiker in schwarz, rot oder gestreift, den sehr minimalistischen Triangel-Bikini ebenso wie breite Hüfthöschen-Modelle, äußerst reduzierte Oberteile ebenso wie breitere Bustiers oder auch Neckholder. Auf eine Art sehen alle Modelle heute so aus, als zitierten sie eine bereits vergangene Bikini-Mode. Eine revolutionäre Neuerung ist der aktuellen Bademode nicht anzumerken. Vermutlich werden aber die richtigen Modelle am passenden Frauenkörper auch in dieser Saison ihre gewünschte Wirkung nicht verfehlen. Und manchmal sogar einschlagen wie eine Bombe.
Katja Dünnebacke
Quelle: Bikini, Eine Enthüllungsgeschichte – von Beate Berger








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