Heute nehme ich Sie zu einer deutschen Feier mit, die mich immer wieder beeindruckt, weil man dabei das Gefühl bekommen kann, mitten in uralte heidnische Gebräuche zu geraten.Samstag heiraten Julia und Bernd. Aber, die Feier, die uns heute interessiert, findet am Abend davor statt. Das ist der POLTERABEND.
Sie können ruhig mitkommen, denn zum Polterabend wird man nicht eingeladen. Man geht einfach hin, voll beladen mit Kartons und schweren Tüten. Die Gastgeber, also das zukünftige Ehepaar, haben eine grosse Fläche im Wohnzimmer freigeräumt. Sehen Sie, was dort an der Wand steht : "Bitte kein Glas werfen. Das bringt Unglück!"
Und dann, plötzlich, geht's los! Aus den Kartons und Tüten werden Stapel Porzellanteller und Geschirr herausgeholt und als würde hier ein Riesen-Ehekrach simuliert, schmettern alle ihr mitgebrachtes Porzellan auf den Boden. Ein Teller nach dem anderen. Ein ohrenbetäubendes Getöse. Als Letztes kommen die großen Teile, die Suppenterrine und die Salatschüssel.Der Polterabend geht auf heidnische, germanische Bräuche zurück. Angeblich rumoren am Abend vor der Hochzeit die Rumpel- und Poltergeister eines Hauses, und weisen so das Paar darauf hin, dass sie da sind und beachtet werden müssen. Durch Poltern, viel Lärm und Geschrei, sollen die bösen Geister vertrieben werden.
Vielleicht kommt daher das deutsche Sprichwort: "Scherben bringen Glück!"Aber es gibt auch "Glück und Glas, wie leicht bricht das". Es dürfen also nur Porzellan, Ton- und Steingutscherben sein.
Sehr wichtig: Die Brautleute schliesslich müssen die Scherben alleine zusammenkehren, in manchen Gegenden sogar der Mann allein. Gewiefte Gäste zerschmeissen nicht all ihr Geschirr zu Beginn des Abends. Schadenfroh zerdeppern sie ihre kleine Zuckerdose, wenn alles sauber gefegt ist. Die Kehrerei kann also zu einer rechten Sysiphus-Arbeit ausufern.
Symbol für die Härten des Ehelebens?







per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

