Wohl wenige deutsche Wörter haben sich international so beliebt gemacht wie das Wort KAPUTT. Es bedeutet zwar, dass etwas zerstört oder zerbrochen ist und nicht mehr funktioniert, aber das Wort ist knapp, sprechend, vielseitig verwendbar. Ist "kaputt" denn überhaupt ein deutsches Wort? Ja und nein. Jedenfalls hat es eine Reise gemacht und kann etwas erzählen.
Am Anfang stand das lateinische CAPUT: das Haupt, der Kopf. Die Nachkommenschaft dieses "caput" ist sowohl in der deutschen als auch in den romanischen Sprachen aussergewöhnlich zahlreich. Sie geht vom "Häuptling" zur "Kaputze", von der "Kapelle" zum "Kapital", vom "Kapitel" zur "Haube" und so weiter. Doch alle diese Wörter meinen nicht unbedingt Zerstörtes. Woher kommt also die negative Bedeutung von "kaputt"?
Um darauf zu antworten müssen wir die Franzosen bemühen. Sie nennen zum Beispiel die Motorhaube "capot" und gebrauchen das Verb "CAPOTER" im übertragenen Sinn, wenn etwa ein Projekt in die Binsen geht. Das Verb "capoter" haben sie aus der Seemannssprache übernommen. Es bedeutete Schiffbruch erleiden, also "kentern" – buchstäblich Hals über Kopf. Es gibt aber eine noch direktere Beziehung zwischen dem deutschen "kaputt" und der französischen Sprache: "faire capot" und vor allem "ÊTRE CAPOT" sind im französischen Ausdrücke der Kartenspieler. "Être capot" heisst, dass man in einem Spiel keinen einzigen Stich gemacht hat, dass man also geschlagen, ruiniert, "kaputt" ist.
Die deutschen Landsknechte des Dreissigjährigen Kriegs lernten diesen Ausdruck von den französischen Söldnern, wenn sie abends neben reichlichem Suff auch dem Kartenspiel frönten. So wurde "faire capot" zu “ kaputt machen” eingedeutscht und galt schliesslich für alles, was eben zu einem Krieg gehört: für plündern, rauben, in Brand stecken, umbringen, abmurksen und so weiter. Und mit der Zeit entwickelte sich das Wörtchen "kaputt" zum Allerweltswort. Vergessen wir aber nicht: damit aus dem edlen lateinischen "caput" das deutsche "kaputt" werden konnte, gebrauchte es immerhin der französischen Zwischenstation von Schiffbruch und verlorenem Kartenspiel!
Ein Magazin von Claire Doutriaux
Jeden Sonntag um 20 Uhr







per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

