Damals setzten südafrikanische Soldaten Buschleute als Fährtenleser im Angola-Krieg ein. Die Khoi San kamen fast ohne Verpflegung aus. Stattdessen aßen sie immer wieder ein Stück Hoodia. Ihr uraltes Wissen gaben sie an die hungernden Soldaten weiter. Auch heute noch unterdrücken Buschleute mit Hoodia auf tagelangen Jagden Hunger und Durst. Doch das, was bei ihnen funktioniert, ist nicht ohne weiteres auf unsere westliche Konsumwelt übertragbar: Die Ernährung und die Lebensweise der westlichen Welt ist völlig anders als bei den Buschleuten. Steigende Nachfrage von Pharmaunternehmen lässt die natürlichen Bestände sinken
Auf vielen Märkten im südlichen Afrika werden Pflanzen als Heilmittel angeboten. Ihre Wirkung ist in den meisten Fällen unerforscht. Auch beim Hoodia gibt es bisher kaum wissenschaftliche Erkenntnisse. Davon lassen sich Geschäftemacher nicht abschrecken. Schließlich lässt sich mit Schlankheitsmitteln viel Geld verdienen. Rund eine Milliarde Menschen leiden weltweit an Übergewicht, Cholesterin und Diabetes. Ein riesiger Markt - von dem die Buschmänner als Hüter des Wissens nicht profitierten. Der südafrikanische Rechtsanwalt Roger Chennels kämpft für ihre Rechte: "Vor wenigen Jahren ist Hoodia von einem Unternehmen untersucht und patentiert worden. Diese Meldung ging um die Welt, weil das Unternehmen die Sache nicht mit dem Buschleuten abgesprochen hatte. Daher wurde ich als Anwalt des San-Volkes um Hilfe gebeten und wir drohten, einen internationalen Prozess gegen zwei Firmen anzustrengen: Pfizer in den USA und Phytopharm in England"
Die steigende Nachfrage großer Pharmaunternehmen lässt die Hoodia-Bestände rapide sinken. Nur wenige seriöse Händler legen Wert auf schonende Sammlungen. Im südlichen Teil der Kalahari fallen nur 20 Millimeter Regen pro Jahr - da braucht die Wüstenpflanze viel Zeit zum Wachsen. Seit die Wildbestände zurückgehen, gibt es Versuche, Hoodia zu kultivieren. Gut bewässert auf Sand und Kompost wächst die Pflanze plötzlich doppelt so schnell wie in der Natur. Dass sie damit doppelt wirksam ist, bezweifeln Spezialisten. Trotz dieser Zweifel ist die Nachfrage vor allem im Internet sehr hoch.
Vielleicht ist Hoodia wirklich ein Schlankheitsmittel der Zukunft. Doch zuerst muss die Buschmann-Nahrung wissenschaftlich untersucht werden. Klare Regelungen müssen zudem dafür sorgen, dass die Khoi San bei diesem Geschäft nicht länger über den Tisch gezogen werden. In beiden Punkten steht die Pharma-Industrie in der Pflicht.







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