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Allergien

In Europa leiden inzwischen rund 30% der Bevölkerung an Allergien, Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2010 jeder Zweite betroffen sein wird ! Trotz dieser dramatischen Zunahme stoßen Betroffene oft auf Unverständnis.

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17/09/08

Wussten Sie's?

Immer mehr Menschen leiden unter Allergien und Asthma. Vor allem Heuschnupfen nimmt zu - Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jeder fünfte Europäer an allergischem Schnupfen leidet. Trotz dieser dramatischen Zunahme stoßen Betroffene oft auf Unverständnis, Fehlinformationen führen zu Unterbehandlung und gefährlichen Komplikationen von Allergien.

Allergien sind auf dem Vormarsch
Richtig: Der Anteil der Allergiker an der Gesamtbevölkerung hat sich in den letzten 20-30 Jahren angestiegen (30%) und wird laut Vorhersagen der OMS im Jahre 2010 bei 50% liegen.

Allergien können tödlich sein
Richtig : Auch wenn die Sterblichkeit von Asthma in Amerika und Europa rückläufig ist, sterben jährlich weltweit über 180.000 Menschen an Asthma, in Westeuropa bedürfen jährlich 25 % der Asthma-Patienten einer Notfall-Behandlung. Auch das Quincke-Ödem und der anaphylaktische Schock, zwei weitere Formen allergischer Reaktionen, können innerhalb weniger Minuten tödlich verlaufen. Beim Quincke-Ödem kommt es durch Wassereinlagerungen in die Haut zu massiven Schwellungen, z. B. im Gesicht. Falls die Luftwege betroffen sind, besteht Erstickungsgefahr. Auch der anaphylaktische Schock, der unter anderem durch Medikamente oder durch Insektenstiche ausgelöst werden kann, kann unbehandelt zum Tode führen.

Eine Allergie kann von selber wieder verschwinden
Richtig und Falsch : Nur etwa 10 Prozent aller Allergien verschwinden "von alleine" wieder, zum Beispiel einige Nahrungsmittelallergien und eine Kuhmilchunverträglichkeit. Andererseits kann eine Allergie sich auch verschlimmern, wenn sie unbehandelt bleibt. Betroffene sollten bei auffälligen Hautreaktionen, ständigem Schnupfen oder anderen Unverträglichkeitsreaktionen unbedingt einen Arzt konsultieren.

Die Allergie ist eine Erbkrankheit
Richtig und Falsch : Es gibt eine genetische Veranlagung für die Entwicklung von Allergien, auch wenn diese nicht alleiniger Auslöser einer Allergie ist. Die Wahrscheinlichkeit, selber eine Allergie zu entwickeln steigt mit dem Anteil der Personen in der Familie, die selber allergisch sind. Sie liegt bei 15%, wenn kein Angehöriger allergisch ist und steigt bis zu 75 %, wenn Vater, Mutter und weitere Familienangehörige bereits betroffen sind. Am stärksten betrifft diese erbliche Anlage das atopische Ekzem, aber auch Asthma, Neurodermitis und Rhinokonjuktivitis.

Eine Allergie besteht lebenslang
Falsch : Eine nicht behandelte Allergie kann ein ganzes Leben lang anhalten oder sich verschlimmern. Richtig behandelt kann sie allerdings auch vollkommen wieder verschwinden. Medikamente wie Kortison oder Anti-Histamina können zudem Symptome lindern.

In der Stadt sind Menschen gegen Abgas allergisch, auf dem Land gegen Pollen
Richtig und Falsch : Stoffe wie Feinstaub und Tabak können Allergiesymptome verstärken und haben eventuell eine "Wegbereiterfunktion", können Allergien aber wahrscheinlich nicht selber auslösen. Der Zusammenhang zwischen Umweltgiften und Allergien ist sehr komplex, bisher konnte aber noch kein Experiment einen primären Zusammenhang nachweisen. Auch Pollen sind auch in den Städten in ausreichend hoher Konzentration vorhanden, um Allergien auszulösen, zudem können sich diese durch Abgase verändern, "aggressiver" werden.

Viele Menschen sind gegen Staub allergisch
Richtig und Falsch : Die meisten Menschen sind nicht gegen den Staub allergisch, sondern gegen die in ihm vorhandenen Stoffe, wie Tierhaare oder Schimmel. Der Kot der Hausstaubmilben stellen die wichtigsten Allergene der "Hausstauballergie" dar – sie finden sich vor allem im Staub von Betten, Matratzen und Polstermöbeln.

Heuschnupfen ist nicht gefährlich
Falsch : Die allergische Rhinitis ist eine gefährliche Krankheit, die unbehandelt das Leben der Partienten mehr beeinträchtigt als bisher angenommen. Vor allem die ganzjährige Rhinitis kann zu einer chronischen Entzündung der Nebenhöhlen führen. Bei 30 % der Patienten entwickelt sich im Laufe von 10 Jahren ein Asthma bronchiale. Trotzdem wird der Heuschnupfen nicht nur von Patienten, sondern auch von Ärzten nach wie vor massiv unterschätzt.

Ein Allergietest ist bei Kindern nicht sinnvoll
Falsch : Jüngere Kinder werden selten getestet, da die Ergebnisse als schwer interpretierbar galten. Da jedoch erwiesen ist, dass eine Sensibiliserung bereits in den ersten Lebensmonaten erfolgt, kann ein Allergietest bereits im Kleinkindalter sinnvoll sein - vorbeugende Maßnahmen können helfen, den Kontakt mit den Allergenen zu vermeiden. Ab fünf Jahren kann auch eine Desensibilisierung bereits mit guten Erfolgsergebnissen durchgeführt werden.

Gegen eine Allergie kann man sowieso nichts tun
Falsch : Rechtzeitig und richtig behandelt, können heute neun von zehn Allergikern nahezu symptomfrei leben. Neben mittlerweile weitgehend nebenwirkungsfreien Medikamenten zur Linderung der Symptome wird vor allem bei Insektengiftallergien, allergischem Schnupfen und bestimmten Fällen von Asthma bronchiale die Desensibiliserung erfolgreich eingesetzt - und ausdrücklich empfohlen. Durch wesentliche Fortschritte bei der Identifikation der Allergene und der Herstellung besserer Extrakte konnte sowohl die Sicherheit als auch die Wirksamkeit der Immuntherapie deutlich gesteigert werden.

Allergien sind psychisch bedingt
Falsch : Der Zusammenhang zwischen Allergien und Psyche wird nach wie vor kontrovers dikutiert. Eine moderate Position geht davon aus, dass psychische Faktoren allergische Beschwerden bei bestehender Disposition auslösen oder verstärken können. Das gilt vor allem für Neurodermitis und Asthma.

Allergiker solten keinen Sport treiben
Falsch : Gerade bei Atemwegserkrankungen ist sportliche Betätigung sinnvoll. Das gilt auch für Asthmatiker : Je besser das Atemwegssystem trainiert ist, desto höher steigt die Schwelle, bei der die Atemnot ausgelöst wird. Wichtig ist jedoch: niemals ohne vorgeschaltete Aufwärmphase losspurten. Am besten geeignet für Asthma-Patienten sind Ausdauersportarten mit gleichmäßiger Belastung, zum Beispiel Schwimmen, Radfahren, Rudern, Jogging oder Walking. Nicht empfehlenswert sind kurze schnelle Sprints wie beim Fußball oder Tennis. Asthmatiker können durch regelmäßiges Training dieselben Lungenfunktionswerte erreichen wie gesunde Menschen. Wichtig ist eine eingehende medizinische Beratung und eine genaue Kenntnisse der Krankheitssymptome und -anzeichen.

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Quelle:
Weißbuch Allergie in Deutschland
von Johannes Ring, Thomas Fuchs, Gerhard Schultze-Werninghaus (Herausgeber)
Urban & Vogel 2004
ISBN: 3899351827

Erstellt: 24-03-06
Letzte Änderung: 17-09-08