Die Handelswege und Goldminen Nubiens hatten schon immer eine herausragende strategische Bedeutung für die Pharaonen. Dieser „Nord-Süd-Konflikt“ der Antike führte zu Dutzenden von Kriegen. Gewaltige Festungen entlang des Nils zeugen heute von der politischen Spannung der drei vorchristlichen Jahrtausende. Immer wieder zogen die Pharaonen nach Süden, um ihre Interessen durchzusetzen und Nubien auszubeuten. Das änderte sich auch nicht, als Ägypten kurz vor der Zeitenwende von den Römern besetzt wurde.
Etwa ab dem 3. Jahrhundert vor Christus hatten sich rund um das nubische Meroe selbstbewusste Stämme niedergelassen und eine neue Kultur begründet. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sie ihre eigenen Architektur und ein eigenes Schriftsystem, das sich von den Hieroglyphen des verhassten Ägyptens unterschied. In der meroitischen Kultur kamen schwarzafrikanische Einflüsse zur Geltung. Insbesondere hatten Frauen innerhalb der Gesellschaft eine stärkere Position. In der Rolle der so genannten Kandake – d.h. König-Mutter - hatten sie wesentlichen Einfluss auf die politischen Entscheidungen.
Als Ägypten im Jahre 33 v. Chr. vom römischen Imperium besetzt wurde, weigerten sich die Kandaken, sich zu unterwerfen. Regelmäßig überschritten sie den Limes der Römer und überfielen die Städte im Süden Ägyptens. Das mächtige Rom, unfähig, seine Südfront zu befrieden, schloss schließlich mit den Kandaken von Meroe einen Friedensvertrag. Man einigte sich mit den Schwarzen Königinnen auf eine Grenze und eine entmilitarisierte Zone nördlich von Abu Simbel. Schwarzafrika hatte sich nach drei Jahrtausenden gegen den Norden durchgesetzt.
Erst heute entdecken die Archäologen und Historiker die Bedeutung Nubiens für die Geschichte Europas, des Alten Ägyptens und des ganzen afrikanischen Kontinents. In Meroe, jener sagenhaften Tempelstadt, finden sie heute prachtvolle Paläste, riesige Grab- und Grenzanlagen und das größte Pyramidenfeld der Erde. Woher bezog Nubien seine Kraft und seinen Reichtum?
Seit dem Beginn der Forschung in den der 70er Jahren, haben die Wissenschaftler erst jetzt ein vollständigeres Bild von der Kultur Nubiens. Obwohl die meroitische Schrift noch nicht entziffert ist, enträtseln die Forscher langsam die Struktur von Religion, Staatswesen, Architektur und schwarzafrikanisch bestimmter Sozialsysteme. Neue Funde zeugen von einer vergessenen Hochkultur im Inneren Afrikas, die ihre Wurzeln schon in der Steinzeit hatte und zumindest teilweise den Ursprung der antiken ägyptischen Kultur bildete.
Visuelle UmsetzungDer Film spielt vor der überwältigenden Kulisse der Sahara, des Nils, und der weiten Landschaften des nördlichen Sudans. Wir wollen die Tempel und Pyramiden Nubiens auf einer wissenschaftlichen Expedition in die Wüste besuchen. Zusammen mit Dr. Christian Loeben, dem Leiter der Ägyptischen Sammlung des Kestner-Museums Hannover, entdecken wir Schritt für Schritt die facettenreiche Geschichte des sagenhaften Goldlandes im Herzen Afrikas und besuchen neueste Forschungsprojekte in Meroe, Naga, Musawwarat es-Sufra und Gebel Barkal am 4. Katarakt des Nils.
Wir begleiten Dr. Loeben auf seiner spannenden Reise von Ort zu Ort, bei einer Expedition mit dem Jeep durch die Sahara und mit dem Boot auf dem Nil. Mit ihm besuchen wir die verschiedenen archäologischen Projekte, die die meroitische Zeit erforschen. Loeben, der fließend englisch und französisch spricht (wir machen alle O-Töne mehrsprachig), ist das Verbindungsglied zwischen den einzelnen Ausgrabungsprojekten. Er kommentiert das Geschehen und fügt die Detailinformationen zu einem Ganzen zusammen.
Wir haben 2002 mit Dr. Loeben in Ägypten den Film „Im Totenreich der Pharaonen“ für NDR und National Geographic gedreht. Dr. Loeben ist vor der Kamera lebendig und präsent, bindet die Aufmerksamkeit und versteht es, die Inhalte verständlich darzustellen. Als Kurator eines Museums ist er prädestiniert, neue archäologische Projekte zu besuchen und sich über den Stand der Ausgrabungen zu informieren, um seine neuesten Ausstellungen vorzubereiten.
In den sudanesischen Ausgrabungsprojekten rekonstruieren wir mit Dr. Loeben und den Wissenschaftlern vor Ort Stück für Stück die meroitische Kultur. Die Wissenschaftler vor Ort stellen ihre wissenschaftlichen Ergebnisse vor der Kamera im Dialog mit Loeben vor. Sie zeigen ihre Fundstücke, machen auf Besonderheiten der Architektur aufmerksam. Wir entdecken so die wunderschönen schwarzafrikanisch beeinflussten Keramiken, Gräber, Pyramiden und Tempelanlagen.
Als herausragende Figuren der meroitischen Geschichte, lernen wir die mächtigen Schwarzen Königinnen, die Kandaken kennen, die den römischen Legionen erfolgreich Widerstand leisteten. Das Grab der Amanishakheto wurde in Meroe entdeckt. In einer Rückblende mit historischen Fotos zeigen wir die Entdeckung ihres goldenen Grabschatzes durch den Italiener Ferlini und die darauf folgende Plünderung sämtlicher Pyramiden von Meroe.
Der Berliner Ingenieur Friedrich Hinkel baut in Meroe die Pyramiden mit den klassischen Werkzeugen neu auf. Auch hier wollen wir zeigen, wie schwere Steinquader mit einem rekonstruierten Hebelsystem in Position gebracht werden.
In Paris, am College de France, erforscht Prof. Jean Leclant die meroitische Schrift. Es ist eines der letzten nicht entzifferten Schriftsysteme der Erde. Wir gehen auf die Schwierigkeiten bei der Decodierung ein und zeigen Texte, Buchstaben und Inschriften. Wenn möglich, laden wir Prof. Leclant in den Sudan ein, um vor Ort mit ihm zu drehen.
Am Gebel Barkal, am 4. Katarakt des Nils besuchen wir mit Dr. Loeben die Ausgrabungen der Universität Köln. Hier stand eines der großen Heiligtümer der meroitischen Kultur, zu dem die Kandaken regelmäßig Pilgerzüge führten.
Das Gräberfeld von Meroe lassen wir in einer mehrteiligen Computeranimation rekonstruieren, um ein plastisches Bild von diesem größten Pyramidenfeld der Erde zu bekommen. Mindestens eine weitere CGI und verschiedenen 3D-Karten illustrieren die Story.
Die Schwarzen Königinnen und ihre Zeit möchten wir in Spielhandlungen rekonstruieren. Der Alltag in Meroe, die Krönungszeremonien am Heiligtum von Gebel Barkal, die Kriegszüge in den Norden und den Friedensvertrag mit den Römern sowie viele kleine illustrierende Reconstructions werden mit Schauspielern, aufwendiger Requisite und historischen Kostümen nachgestellt. Dies gibt dem Film ein ansprechendes und zeitgemäßes Aussehen.
Alle Spielhandlungen möchten wir entweder im Norden Kenias oder in der Wüste Tunesiens drehen, da es im streng islamischen Sudan nicht möglich sein wird, mit unverschleierten Frauen zu arbeiten.
Produktion
Die z.Zt. unruhige politische Situation ist für uns kein Anlass zur Sorge. Da wir nicht in Richtung Darfour, sondern von Khartum aus nach Norden, in die nahezu unbesiedelte Wüste fahren, gehen wir davon aus, dass wir die Dreharbeiten wie geplant im Januar/Februar 2005 ohne Störungen durchführen können.
- Kandake Amanishaketo,
- Die Meroitische Dynastie,
- Die meroitische Schrift und Sprache,
- Buchtipps und Links






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Die politische und humanitäre Situation im west-sudanesischen Darfour steht z.Zt. ganz oben auf den Titelseiten. Aber der Konflikt zwischen dem schwarzafrikanisch beeinflussten Süden und dem ägyptisch-mediterranen, heute islamischen Norden ist über 5.000 Jahre alt.
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