Mit dem Rauchen aufzuhören ist schwer, aber eigentlich ist es immer schwer, mit irgendetwas aufzuhören.
Aufhören ist schwieriger als weitermachen.
Bremsen ist schwieriger als beschleunigen.
Wenn ich mit dem Rauchen aufhöre, muss das also der Anfang von etwas anderem sein.
Man muss schließlich positiv denken.
Ich höre nicht auf. Ich fange etwas Neues an.
Gut, okay. Aber was?
Dienstag, 22.35 Uhr (noch 8 Tage)
Heute beim Essen hat ein Typ zu mir gesagt, dass ich das Schwierigste schon geschafft hätte – nämlich den Entschluss zu fassen. „Das ist das Schwierigste. Wenn du erst mal den Entschluss gefasst hast, kann nichts mehr schief gehen. Guck mich an, ich habe ganz von alleine aufgehört. Einfach so. Die Willenskraft, mein Lieber, die kann kein Nikotinpflaster ersetzen!“
Die Willenskraft …
Ich führte genau Buch über all meine großen Entscheidungen, über alle guten Vorsätze, die ich gefasst und tatsächlich auch eingehalten hatte.
Keinen einzigen.
Der Typ redete einfach weiter. Es war ihm total egal, dass ich innerlich die Panik bekam.
Das wollte ich mir aber auch nicht anmerken lassen.
„Hypnotiseure (keine Ahnung, warum er sie erwähnte), das sind alles Blödmänner. Von Akupunkteuren will ich gar nicht erst reden.“
„Doch, das solltest du aber“, erwiderte ich.
Und dann habe ich mir eine Zigarette angezündet.
Ganz langsam.
So wie Clint Eastwood das gemacht hätte.
Freitag, 19.50 Uhr (noch 5 Tage)
Rauchen ist tödlich.
Mit dem Rauchen aufzuhören ist ein Krieg.
In drei Tagen erkläre ich der Zigarette den Krieg.
Wird es ein Grabenkrieg?
Ein Präventivkrieg?
Ein Stellungskrieg?
Ein müder Krieg?
Ein psychologischer Krieg?
Ein kalter Krieg?
Ein totaler Krieg?
Die Geschichte wird von Siegern geschrieben.
Freitag, 21.20 Uhr (immer noch 5 Tage)
Bevor ich mich wieder angezogen habe, um Zigaretten kaufen zu gehen, habe ich den ganzen Abend damit verbracht, meine Zigaretten zu suchen: in den Schubladen der Kommode im Flur, in meinen Jacken- und Manteltaschen, in der Küche, auf dem Bücherregal, neben der Whiskyflasche, hinter dem Klavier und anderswo. Die Dinger waren unauffindbar.
Sind Zigaretten Massenvernichtungswaffen?
Hat man uns angelogen?
Ist das ein gerechter Krieg?
Die Geschichte wird von Nichtrauchern geschrieben.
Sonntag, 15.45 Uhr (noch 3 Tage)
Ich bin immer noch Raucher, aber ich rauche jetzt weniger.
Ich kann frei entscheiden, ob ich rauchen will oder nicht.
Seitdem ich den Entschluss gefasst habe, damit aufzuhören, kann ich beschließen, die eine oder andere Zigarette nicht zu rauchen.
Das ist ein Übergangsstadium, aber durch den Entschluss, aufzuhören, ist mir meine Sucht bewusst geworden.
Ich frage mich vor jeder Zigarette, ob ich sie wirklich rauchen will. Und oft entscheide ich mich dafür, nicht zu rauchen. Zum Beispiel nicht vor dem Essen oder nicht am Wochenende.
Ich rauche bewusst.
Zum ersten Mal seit ewigen Zeiten kontrolliere ich meinen Zigarettenkonsum.
Mein Verlangen zu rauchen nimmt ab.
Und wenn ich ganz aufgehört habe, werde ich dann nicht ein Verlangen nach etwas anderem verspüren?
Ein Verlangen, das durch das Verbot entsteht. Durch den Frust. Durch den Verlust dieser wunderbaren Freiheit, zu rauchen oder nicht zu rauchen.
Montag, 21.50 Uhr (noch 1 Tag)
Alles schön und gut, aber das ist noch etwas:
In den Statistiken der Krankenkassen über Kosten für tabakbedingte Erkrankungen werden weder die Kosten berücksichtigt, die die Raucher verursacht hätten, wenn sie an etwas anderem gestorben wären, noch die Einsparungen an Rentenzahlungen, Pensionen und sonstigen Altersruhegeldern.
Eine Erhöhung des Zigarettenpreises kommt einem Rauchverbot für Arme gleich.
Dabei ist Alkohol trinken viel gefährlicher als Rauchen.
Nie steht in der Zeitung: „Nach übermäßigem Zigarettenkonsum verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug und raste in eine Familie unschuldiger Fußgänger.“
Die Nikotinsucht hat noch niemanden dazu getrieben, nach Hause zu kommen und seine Frau zu verprügeln.
Trotzdem gibt es in Kneipen keine Nichttrinkerzonen.
In meiner Stadt hat es dieses Jahr 19 Mal Smogalarm gegeben. In den drei schlimmsten Fällen wurde älteren Menschen empfohlen, zu Hause zu bleiben, Schulkinder hatten keinen Sportunterricht im Freien.
Keiner dieser Fälle war auf übermäßigen Tabakkonsum zurückzuführen.
Durch die scheinheilige konzertierte Aktion von Staat, Medizinern und Medien ist der Raucher vom Archetypus des eleganten, modernen Menschen zu einem äußerst praktischen, universell einsetzbaren Sündenbock mutiert.
Mittwoch, 16.30 Uhr (noch ? Tage)
Ich habe das Rauchen aufgegeben, bevor ich meine letzte Zigarette geraucht habe. Ich glaube, es war ein oder zwei Tage vorher.
Die letzte Zigarette – das ist ein Streich, den man sich selber spielt.
Ein kleiner Tod, den man groß in Szene setzt.
Aber die Reise hat schon begonnen.
Dein früheres Leben geht in Rauch auf.
Ein kleines, verlorenes Paradies.
Ein neuer Kontinent.
Brasilien?
Freitag, 17.20 Uhr
Falls ich zu dir komme und die Tür mit einer Axt einschlage, anstatt zu klingeln, und dann mit Schaum vor dem Mund im Flur stehe und Grunzlaute ausstoße, dann darfst du dir nichts dabei denken. Das ist einfach meine neue Art, guten Tag zu sagen.
Ich habe mit dem Rauchen aufgehört.






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