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14/08/08

Große Erfindungen

Wann spricht man von "Erfindung", wann von "Entdeckung", wann von "Innovation"? Versuch einer kleinen Abhandlung und einige Bespiele für große Erfindungen, die die Weltgeschichte beeinflusst haben.

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"Erfindungen" – Versuch einer Definition
Was ist eine Erfindung? Die komplexe juristische Definition lässt sich im Wesentlichen folgendermaßen zusammenfassen: Erfindungen sind Handlungsanleitungen, die zeigen, wie man Naturkräfte einsetzt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Doch diese Definition gerät jenseits dieser juristischen Normen schnell ins Wanken, wenn man sich vor Augen hält, dass viele "Erfindungen" gar keinen "Erfinder" haben, oder aber sehr viele, über Kontinente und Zeiten verstreut. Denn meist sind Erfindungen prozesshafte Geschehen und es gibt nicht nur den einen großen Erfinder, sondern viele Mitarbeiter.
Noch schwieriger wird es mit der Definition, wenn man in die Grauzone zwischen Erfindung und Entdeckung gerät: im Unterschied zur Erfindung lässt sich die Entdeckung als das Auffinden von etwas Vorhandenem definieren, das vorher noch nicht bekannt war.
Von einer Innovation spricht man, wenn die Entdeckung oder Erfindung zur erfolgreichen Verwendung gekommen ist.

"Erfindungen" – Versuch einer Wertung
Hier setzt nun auch die Frage nach der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung einer Erfindung an. Das « Stell-dir-vor, es gäbe kein » ist ein beliebtes Spiel, um die Bedeutung von Erfindungen oder Entdeckungen vor Augen zu führen. Ob es zu einem durchschlagenden Erfolg einer Neuerung kommt, hängt davon ab, ob das gesellschaftliche Umfeld stimmt, ob die Zeit "reif" ist. Dabei ist der Zeitraum von der Entwicklung, deren Ausgang oft die Patenterteilung war, bis zur marktreifen technischen Neuerung oft lang.

"Erfindungen" – zwischen Zufall und Absicht
Bei der intensiven Beschäftigung mit einem Forschungsgegenstand wird manchmal "zufällig" auf etwas Neues gestoßen (Beispiel der Röntgenstrahlen). Manche Erfindungen sind also durchaus unfreiwillig. Andere Erfindungen bewirken nur geringfügige technische Verbesserungen und greifen auf bereits bestehende oder bekannte Techniken bzw. Geräte zurück (Beispiel der Glühbirne, der Dampfmaschine oder des Buchdrucks). Erfindungen sind selten "Meilensteine". Die Spuren der Erfinder verlieren sich dabei meist im Dunkel der Vergangenheit oder den Archiven der Patentämter. Gern präsentieren verschiedene Nationen für bahnbrechende Errungenschaften ihre jeweils eigenen Schöpfer.



  • Kurze Beispiele für wichtige Erfindungen:

Das Rad – Frühe Mobilität
Von vielen wird das Rad als die wichtigste Erfindung der Technikgeschichte gesehen. Das Rad ist aber auch ein gutes Beispiel für eine Erfindung, bei der die Ursprünge im Dunkeln liegen. Sehr wahrscheinlich wurde das Rad in mehreren Regionen und relativ zeitgleich erfunden. Holz- oder gar Metallreste und Wagenspuren sind erst aus dem frühen 3. Jahrtausend v. Chr. aus dem sumerischen Hochkulturkreis überliefert.

Die Dampfmaschine – Sprit sparen durch Dampf ablassen
Mai 1765. Der Feinmechaniker James Watt überlegt, wie man die herkömmlichen Feuermechanismen noch weiter verbessern kann, um Heizkohle zu sparen. Und plötzlich hat er eine Idee : Er will die Spannkraft des Dampfes nutzen. Doch technisch blieb der Dampf als Antriebskraft bis ins späte 17. Jahrhundert ungenutzt. Erst dann verband man die Dampfkraft mit dem Prinzip von Kolben und Zylinder .

Die Glühlampe – mehr als ein Geistesbitz
Sie wurde von Thomas Alva Edision am 15.12.1879 zum Patent angemeldet. Das Prinzip : Wird ein Draht von elektrischem Strom durchflossen, entsteht Reibungswärme, das Material wird erhitzt und beginnt schließlich zu glühen ; damit der Draht dabei nicht verbrennt, darf er nicht mit Sauerstoff in Berührung kommen, folglich muss die glühende Wendel in ein luftleeres Gefäß eingeschlossen werden. Später ergab sich in Kombination mit Wolfram, das wegen seines hohen Schmelzpunktes für Glühlampen besonders geeignet war, eine dauerhafte und leistungsfähige Glühwendel.

Röntgenstrahlen – eine einschlagende Entdeckung
Conrad Röntgen ist Kronzeuge für die Art der zufälligen Entdeckung. Bei seiner Forschung an Kathodenstahlröhren (1895)- den Vorrichtungen, die einige Jahre später die "Mattscheibe" beim Fernsehen ermöglichten - wurden Strahlen freigesetzt, die bis dato noch niemand "gesehen" hatte und die Röntgen auch nur rein zufällig bemerkte, weil sie Photoplatten schwärzten, die er im Labor liegen hatte. Seine Entdeckerqualitäten bewies Röntgen nach diesem Zufallsfund : durch systematische Experimente erschloss er innerhalb weniger Tage Ursache und Eigenschaften der neuen Strahlung.

Der Laser – Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation
Ein Beispiel für eine Entdeckung in der Rubrik "Lösung auf der Suche nach einem Problem". Seine Geschichte geht auf eine Entdeckung Albert Einsteins im Jahr 1916 zurück: den Effekt der induzierten, d.h. von außen angeregten Strahlenemission durch Atome. Die technische Umsetzung allerdings ließ noch mehr als 30 Jahre auf sich warten. Sie erfolgte erst unter Druck militärischen Interesses auf der Suche nach verbesserten Radarortungsmethoden, nicht mit sichtbarem Licht, sondern mit Mikrowellen, weswegen der erste Laser gar nicht Laser, sondern Maser hieß. Den ersten Laser in seiner typischen stabförmigen Erscheinungsform baute 1960 der Amerikaner Theodor Maiman.



Sabine Lange

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Quellen:
- Bernd Schuh: 50 Klassiker: Erfindungen; Gerstenberg (August 2003)
- Hans-Joachim Braun: Die 101 wichtigsten Erfindungen der Weltgeschichte; Beck (Februar 2005)

Erstellt: 29-12-05
Letzte Änderung: 14-08-08