Weibliche Ultras – sie sind kämpferisch, engagiert, fußballvernarrt und an vorderster Front, wenn es darum geht, den Fußball als Rückzugsort für krasses Machogehabe ordentlich aufzumischen. Rosa Fanschals sind ihnen ein Gräuel, sie fordern Respekt statt Sekt am Eingang und liegen in Führung beim Supporten ihres Vereins. Denn der ist der Mittelpunkt ihres Lebens. Sie sind Hardcore-Fans. Sie sind Ultras.
Mitglied „Ultrà Sankt Pauli“
Eigene Gesänge haben, eine eigene Choreo und alles selbst machen, das ist natürlich total aufregend und toll und eine ganz andere Art von Stadionerlebnis als irgendwie auf dem Sitzplatz zu sitzen und sein Bier zu trinken.
Die Polizei hat sie auf dem Kieker, Politiker werfen sie in einen Topf mit den Hooligans und Moderatoren nennen sie die Taliban der Fans. Dabei können Ultras inzwischen auch gesellschaftskritisch und sozial engagiert sein. Doch ihren Platz in der Gruppe mussten sich die Ultra-Frauen erst erkämpfen.
Mitglied einer linken Ultragruppe Bremen
Als Frau in so einer Szene, und gerade ich in so einem jungen Alter, hatte man das überhaupt nicht leicht. Als ich mit 14, 15 im Bus saß, liefen auch Pornos im Bus. Also das war völlig normal.
Heute geht es glücklicherweise etwas harmonischer zu. Dem Sexismus wird die rote Karte gezeigt, die Ultra-Frauen leisten Aufklärungsarbeit. Unterstützung erhalten sie von der Anti-Sexismus AG des Fanprojekts Bremen. So weit sind viele Ultra-Gruppen bis heute noch lange nicht. In Karlsruhe zum Beispiel sind Frauen als Ultras nicht erwünscht. Und auch Vereine schüren immer noch das Bild der Frau als Sexobjekt und hübsches Anhängsel des Mannes.
Sophia Gerschel – Fan-Projekt Karlsruhe
In einer gewissen Weise sexistisch verhalten sich manche Vereine gerade mit ihren rosa Merchandising-Artikeln, und für die Frauen gibt es alles schön eng. Es gab auch eine Aktion im Stadion am Frauentag, da bekamen die Frauen ein Glas Sekt am Empfang oder am Stadioneingang, wo viele sagen, was will ich mit Sekt im Stadion?
Daniela Wurbs – Koordinatorin Football Supporters Europe
Ich mag kein Pink, ich finde pink scheiße. Ich weiß nicht, was das mit meinen Vereinsfarben zu tun hat.
Für seinen Verein zu brennen, im Stadion die Mannschaft anfeuern, Siege feiern und Niederlagen beweinen – weibliche Fans wollen nichts anderes als ihre männlichen Kollegen. Und TRACKS auch.
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