Durch die Nacht mit ...

Sasha Grey und Mary Ocher

Popkultur & Alternativ -
52 Min. - 220 Aufrufe
  • Sendetermine und Verfügbarkeit Offen

    • Sendetermine:
    • Sonntag, 30. April um 3.05 Uhr
    • Livestream: ja
    • Online vom 29. April bis zum 6. Mai 2017

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Obwohl nahezu gleich alt, könnten sie gegensätzlicher nicht sein: die Ex- Pornodarstellerin Sasha Grey und die schüchterne Musikerin Mary Ocher. Die Frauen fahren mit einem der berühmten roten Doppeldecker durch Hamburg, besuchen die "Dionysos"-Ausstellung im Bucerius Kunst Forum und ziehen über die Reeperbahn. Vermag das Hamburger Nachtleben die Unterschiede aufzuheben?

In Hamburg trifft die außergewöhnliche Ex-Pornodarstellerin Sasha Grey auf die russischstämmige Musikerin und Künstlerin Mary Ocher, die aufgrund ihrer unkonventionellen Videos und ihrer eigenwilligen, Pop und Polka fusionierenden Musik hohes Ansehen in der Indie-Szene genießt. Für Ocher ist Grey mehr als nur ein Ex-Porno- und künftiger Hollywoodstar: Sie sieht in ihr ein Vorbild für junge Frauen. Grey habe gezeigt, dass Frauen in Sachen Sex die Initiative ergreifen können. Die Voraussetzungen für den Abend sind gut: Es treffen zwei Frauen aufeinander, die genau das machen, was sie wollen – Sasha Grey hat ihre eigene Karriere fest im Blick, Mary Ocher ihre Kunst. Und doch könnten sie, obwohl sie alterstechnisch nur drei Jahre auseinander liegen, unterschiedlicher nicht sein. Schon bei der ersten Begegnung der beiden wird klar: Hier stoßen zwei Welten aufeinander. Mary bewundert Sasha für ihren offenen und expliziten Umgang mit Sex, weil die bekennende Exzentrikerin eigentlich introvertiert ist. Nur wenn sie am Klavier sitzt, geht sie aus sich heraus. Sasha dagegen bleibt die schüchterne, oft verlegen kichernde Liedermacherin fremd. Zu professionell und businesslike ist ihr Denken, um den auf viele charmant wirkenden Dilettantismus Ochers schätzen zu können. Sie gibt den Profi, betont immerzu die geschäftlichen Aspekte ihrer Karriere. Für sie ist auch ihr erster Roman „Die Juliette Society“, der sich im Fahrwasser von „Shades of Grey“ bewegt, Ergebnis eines Marktkalküls. Bei der Stadtrundfahrt mit einem der berühmten roten Doppeldecker werden die unterschiedlichen Charaktere klar. Während Grey sich über den im Bus für sie bereitgestellten Alkohol freut, betont Ocher: „I don’t drink alcohol. Only on special occasions.“ – wozu dieser Abend für sie offensichtlich nicht gehört. Beim Besuch der Dionysos-Ausstellung bleiben beide für sich – still versunken in die modellierten Penisse und erotischen Anzüglichkeiten auf den antiken Vasen. Doch dann offenbart Hamburg sein Potenzial. Im Rotlichtviertel zeigt sich, dass Greys rebellisches Image alles andere als ein Fake ist. Die Herbertstraße ist für Frauen verboten? „Ok, let’s go“, entscheidet sie kurzerhand, und Ocher folgt ihr fröhlich kichernd auf den wohl berühmtesten Freilicht-Strich der Welt. Und die Reaktion der Prostituierten lässt nicht lange auf sich warten. Anschließend klärt Ocher ihre Begleitung darüber auf, dass es sich hier um ein „perfectly safe environment“ handle und auch die Gesundheitsversorgung der käuflichen Damen vorbildlich sei. Beim Besuch des Ateliers der Hamburger Künstlerin Mariola Brillowska und bei dem ‚etwas anderen‘ Schauspielunterricht an der Open Acting Academy erleben sie herrlich bizarre, unfreiwillig komische Momente der Körperarbeit. Aber zueinander finden die beiden Frauen trotzdem nicht. Zu groß ist der Mentalitätsunterschied. So bleibt der Abend Dokument einer gescheiterten Annäherung zweier Welten: Europa und die USA, Indie-Kleinkunst und Hollywood-Business.

Besetzung und Stab
  • Regie:Fred Schut, Markus Heidingsfelder
  • Land:Deutschland
  • Jahr:2013
  • Herkunft:ZDF
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