Gift oder Medizin?

Toxine als Heilmittel

Entdeckung -
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  • Sendetermine und Verfügbarkeit Offen

    • Sendetermine:
    • Samstag, 20. Mai um 21.45 Uhr
    • Livestream: ja
    • Online vom 20. Mai bis zum 28. Mai 2017

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Tiergifte sind eine Goldgrube für die Medizin: Sie ermöglichen Ärzten, Krankheiten zu diagnostizieren oder zu behandeln, Schmerzen zu lindern und gewisse Mechanismen des Körpers besser zu verstehen. Die Dokumentation beleuchtet, warum Gifte für Millionen von Menschen Hoffnungsträger darstellen.

Im Korallenmeer des Südpazifik nimmt ein Segelboot Kurs auf die Chesterfield-Inseln. An Bord befindet sich die Forschungsgruppe des schweizerischen Biochemikers Reto Stöcklin. Ihre Mission ist das Einsammeln von Meeresschnecken, von Exemplaren der Kegelschnecke Conus consors. Die harmlos wirkenden Weichtiere sind mit einem komplizierten Giftapparat ausgestattet, mit dem sie einen Fisch innerhalb weniger Sekunden erlegen können. Bei Laboruntersuchungen entdeckte Stöcklin im Gift der Conus consors ein Protein, das für die Entwicklung von Schmerzmitteln und Anästhetika äußerst interessant ist. Das Forschungsprojekt erhielt den Namen CONCO und überzeugte auch die Europäische Union, die mehr als 10 Millionen Euro investierte. Giftstoffe bilden beispielsweise die Grundlage für die Untersuchung komplexer physiologischer Systeme – wie Nerven-, Immun- oder Herz-Kreislauf-System – und könnten zur Entwicklung neuartiger Medikamente zur Behandlung von Krebs, Aids, Bluthochdruck, Alzheimer oder Parkinson führen. Die Idee, Giftstoffe als Heilmittel zu verwenden, reicht bis in die Antike zurück. Heute lassen sich mit hochkomplexen Instrumenten Struktur und Wirkung der Moleküle untersuchen. Ein Meilenstein in diesem Bereich war 1975 die Entwicklung von Captopril, einem Medikament gegen Bluthochdruck, hergestellt aus dem Gift einer in Brasilien heimischen Schlange. Dr. George Miljanich war seinerseits maßgeblich an der Entwicklung des Medikaments Prialt beteiligt, das aus dem Gift von Kegelschnecken hergestellt und heute zur Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt wird. Während Reto Stöcklin seine Forschungsarbeit fortsetzt, werden die wertvollen Schnecken zum J. Craig Venter Institute in Kalifornien transportiert. Den Wissenschaftlern des berühmten amerikanischen Labors gelang es erstmals, ein menschliches Genom zu sequenzieren. Im Rahmen des Projekts CONCO sollen sie das Genom der Conus consors entschlüsseln. Die Kegelschnecke ist das erste giftige Meerestier, dessen Genom vollständig decodiert werden soll. Auch Dr. Jean-Philippe Chippaux aus Paris ist von den erfolgsversprechenden Perspektiven des Projekts für die Medizin überzeugt. Er erklärt, welche Bedeutung die neuen Substanzen für ein besseres Verständnis physiologischer Mechanismen des menschlichen Körpers, für die medizinische Diagnostik und für therapeutische Zwecke haben. Am Ende langer Forschungsprozesse stehen schließlich die Patienten, denen die innovativen Heilmittel Grund zur Hoffnung geben.

Besetzung und Stab
  • Regie:Stéphane Chopard
  • Land:Frankreich
  • Jahr:2013
  • Herkunft:ARTE F
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