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17/03/08

Alltag im Vatikan - Making of

Er ist der kleinste Staat der Welt und doch fasziniert er jedes Jahr Millionen Menschen: der Vatikan. Über 4.000 Mitarbeiter sorgen dafür, dass alles glänzt und funktioniert und der Papst sein Amt als Oberhaupt der katholischen Kirche ausüben kann. Hinter die prunkvolle Fassade zu schauen ist nicht einfach.


Dem Autorenteam der Gruppe5 ist es gelungen, einigen Angestellten des Vatikans bei ihrer täglichen Arbeit über die Schultern zu schauen. Knapp 15 Jahre liegen zwischen der ersten Idee und der Realisierung des Projekts durch Cristina Trebbi und Christel Fomm. Hier ihr Erlebnisbericht:

© ZDF / Christel Fomm
Eingeweihte winkten ab: „Das schafft ihr nie! Der Alltag im Vatikan ist noch nie gefilmt worden. Das haben vor euch schon viele, viele andere versucht!“ Wir haben höflich genickt, - und blieben trotzdem dran. Die Mauern des Vatikans sind undurchdringlich. Wie lange haben wir um Termine gebeten und in Vorzimmern gewartet, stets unter den Blicken Papst Benedikt XVI., dessen Portrait an jeder Wand hängt? Wie genau wurden wir und unser Vorhaben immer wieder unter die Lupe genommen?

Doch es hat sich gelohnt. Als oft atemlose Journalistinnen mussten wir lernen, das Tempo zu drosseln. Hier denkt man in Jahrhunderten. Hat man aber geduldig ausgeharrt, wird man plötzlich freundlich begrüßt, und es scheint, als seien die Menschen im Vatikan sogar glücklich darüber, dass man sich im Schatten des Papstes einmal umsieht. Bald öffneten sich viele Türen, die sonst im Kirchenstaat verschlossen sind.

So stellte uns die Polizei mitten in der Nacht eine Eskorte mit Blaulicht zur Verfügung, um rechtzeitig die Weihnachtstanne auf ihrem schweren Weg nach Rom zu begleiten. Dass wir dann bei winterlichen Temperaturen stundenlang erfolglos auf der Autobahn verbrachten, weil der Schwertransporter doch keine Fahrerlaubnis hatte, störte die wenigsten. Man bot uns eine Pizza an und kam eine Nacht später wieder. Die Gendarmerie blockierte für die Dreharbeiten die vatikanischen Straßen, um uns ihr explosives Antisabotageprogramm vorzuführen, die Feuerwehr riegelte den vatikanischen Bahnhof ab und legte Feuer auf dem Dach, um es dann vor laufender Kamera zu löschen. Der Kommandant brachte ein Glas Prosecco mit Süßigkeiten vorbei, er hatte Namenstag. An der Pforte wurden die besten Rezepte für Fischsuppe ausgetauscht und die Polsterer ließen uns von ihrer Marmelade probieren, die sie in ihrer Werkstattküche neben Leim und Lack zusammenbrauten.
Im Petersdom klagte der Leiter des Päpstlichen Knabenchors über den verfrühten Stimmbruch seiner Zöglinge. In der Bügelabteilung philosophierten die Nonnen bescheiden und doch verschmitzt über die Rolle der Frau im Vatikan und berichteten über all die Päpste, die sie überlebt haben, und wer denn nun der Netteste von ihnen war. Die Gärtner interessierten sich mehr für Bäume und die Papageien, die in ihnen nisten, und fuhren uns immer wieder gerne und stolz in den kleinen Apes durch ihr blühendes Reich. In Castelgandolfo fragte uns der Bauer um Rat bei der Namensgebung des kleinen Lämmleins, das der Papst an Ostern geschenkt bekommen hatte. Und auf der Dachterrasse der Sternwarte luden uns bei Sonnenuntergang die Astronomen zum Kardinalsdrink ein, Campari mit Gin, bevor sie über den Urknall diskutierten.

Nach mehrmaligen Besuchen und Drehreisen waren wir selbst ein kleiner Teil dieses kleinen Staates geworden. Man wird von allen gegrüßt, es wird ein Schwätzchen gehalten, man erkundigt sich nach der Arbeit. Und irgendwann wurden wir von einem Erzbischof sogar als seine „Engel“ begrüßt. Es war zwar ein langwieriges Projekt mit unzähligen Faxen und Telefonaten und Vorsprechen im Vatikan, die sich über Jahre hinzogen. Es war aber auch eine wunderschöne und lustige Zeit, die wir mit den verschiedensten Monsignori und Nonnen, Polizisten und Handwerkern verbrachten. Und vielleicht hat sich der Vatikan noch seine Italianità erhalten können, weil er so klein ist, eine kleine glückliche Oase, für manche zu eng, für einige ein zuhause.
Buch und Regie: Christel Fomm und Cristina Trebbi
Kamera: Dieter Stürmer, Martin Christ, Christel Fomm
Ton: Axel Schmidt, Achim Köhler, Angelo Marotta
Schnitt: Jens Greuner
Schnittassistenz: Nick Cimbollek
Produktionsleitung Gruppe5: Silke Breidenbach, Sarah Hamzei
Produzent: Uwe Kersken
Redaktion: Michaela Pilters, Jürgen Erbacher, Peter Allenbacher
Eine Produktion der Gruppe 5 Filmproduktion GmbH

Erstellt: 11-03-08
Letzte Änderung: 17-03-08