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Das "Musée du quai Branly" in Paris

Die Pflanzenwand

Konzept und Umsetzung von Patrick Blanc


Patrick Blanc hat ein spezielles System entwickelt, das uns den Albtraum von der tristen grauen Stadt der Zukunft erspart. Es ist sein Verdienst, wenn wir von grünen und üppig blühenden Städten mit 50-stöckigen Hochhäusern träumen können, deren Fassaden ein Paradies für Vögel sind. Patrick Blanc, Forscher am CNRS, Botaniker und Experte für tropische Gewächse, hat die Pflanzenwand erfunden. Sein patentiertes System macht es möglich, auf urbanen, bislang nicht zur Bepflanzung geeigneten Flächen Pflanzen zu ziehen. Bisher kam Blancs Verfahren nur bei einigen Luxus-Bauwerken in Japan, Thailand und den Arabischen Emiraten und bei einer wundervollen Fassade des Musée du Quai Branly in Paris zum Einsatz.

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Interview mit Patrick Blanc
(Originalfassung auf Französisch)







Die Pflanzenwand des Musée du Quai Branly wurde im Sommer 2004 bepflanzt. Auf der 800 m2 großen Wandfläche wachsen nun mehr als 15 000 Pflanzen, die 150 verschiedenen Pflanzenarten aus Japan, China, den USA und Mitteleuropa angehören. Jean Nouvel legte die Außen- und Innengestaltung des Gebäudekomplexes Branly in die Hände Patrick Blancs, um sicherzustellen, dass die vier Einzelgebäude des Museums jeweils einen ganz eigenen Charakter erhalten.


Das Konzept

Die Pflanzenwand ist das Ergebnis umfassender Beobachtungen, die Patrick Blanc dreißig Jahre lang in der Natur vorgenommen hatte. Einige Pflanzen wachsen nämlich nicht in der Erde, sondern auf moosbedeckten Oberflächen, zum Beispiel auf Felsen, Baumstämmen oder in steinigen Flussbetten. Pflanzen dieser Art gedeihen in vergleichsweise feuchten Gegenden, in denen es regelmäßige Niederschläge gibt. Ihre Wurzeln sind nicht tief verankert und nehmen das über die Oberfläche rinnende Regenwasser auf. Solche Wachstumsbedingungen findet man in gemäßigten wie in tropischen Gefilden, meist in dichten Wäldern und Gebirgsgegenden. Anhand dieser Beobachtungen kam Patrick Blanc auf die Idee, Pflanzen auf senkrechten Oberflächen ohne jeglichen Boden wachsen zu lassen.


Die Pflanzenwand als artenreiches Kleinod im urbanen Raum

Alle Mineralstoffe werden vom Wasser transportiert und beides wird über die Wurzeln aufgenommen. Die übrigen für die Pflanzen lebenswichtigen Nährstoffe (Zucker, Eiweiß…) bilden sich in den Blättern durch Photosynthese aus Wasser und Kohlendioxid.
Sind das ganze Jahr über Wasserreserven verfügbar, wie dies in unseren Gebirgen und in den tropischen Regenwäldern der Fall ist, dann sprießen Gräser und Sträucher auf einem Großteil der vorhandenen Oberflächen, insbesondere auf Felsgestein und Baumstämmen. Eine wenige Millimeter dicke und oft mit Moos bewachsene Humusschicht bedeckt die geneigten Gesteinsflächen. Diese Schicht, die zwar nur die Oberfläche überzieht, aber recht nährstoffreich ist, bietet Lebensraum für Gras- und Strauchgewächse, die einen großen Teil unserer artenreichen Flora ausmachen (rund ein Drittel der im Wald wachsenden Pflanzenarten).

Selbst in unseren gemäßigten Breiten wächst eine Vielzahl von Pflanzen auf ungünstigem Terrain, beispielsweise auf Felsen, am Rande von Höhlen und Wasserfällen und auf Geröll. Die Pflanzenwurzeln können die dünnen Nährstoffschichten an der Oberfläche oder in den Spalten der Felsen nutzen, vorausgesetzt, es steht ausreichend Wasser zur Verfügung.

Die Pflanzenwand wurde anhand dieser Beobachtungen entwickelt, mit dem Ziel, die Gebäude zu schützen und den Pflanzungen bei regelmäßiger aber nicht zu aufwendiger Pflege eine Lebensdauer von mindestens dreißig Jahren zu sichern.

Die Pflanzenwand besteht aus mehreren Schichten, die gewährleisten sollen, dass die Pflanzenwurzeln durch optimale Ausnutzung der Oberflächen - und nicht wie bei herkömmlichen Pflanzmethoden durch Wachstum in die Tiefe - nachhaltig gedeihen und Halt finden. Das von Patrick Blanc patentierte System beruht also auf einer senkrechten Bepflanzung, die alle Schwierigkeiten elegant umschifft, die das Gewicht eines herkömmlichen Nährbodens aufwerfen würde. Daher ist die Bepflanzung von Gebäudeflächen jeder Höhe möglich.

Seit Jahren hat sich ein Verfahren bewährt, bei dem zwei Polyamidfaserschichten auf 10 mm dicken (und wasserdurchlässigen) Weich-PVC-Platten angebracht werden. Diese wiederum sind auf einen Metallrahmen montiert, der dafür sorgt, dass Bewuchs und tragende Gebäudewand durch ein Luftkissen voneinander isoliert sind. Auf der Faserschicht, die eine hohe Wasseraufnahme- und Wasserspeicherkapazität besitzt, können sich dann die Pflanzenwurzeln entwickeln. Über die gesamte Höhe der Pflanzenwand werden Gewächse angebracht, mit einer Dichte von etwa zwanzig Pflanzen pro Quadratmeter. Über ein System perforierter Röhren, das über der Pflanzenwand angebracht ist, wird diese feucht gehalten und mit einer Nährstofflösung versorgt.


Sabine Lange

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Quellen:
Musée du Quai Branly
Sendung von Kriss Crumble auf France Inter am 9. April 2006

Erstellt: Thu Jun 01 16:49:15 CEST 2006
Letzte Änderung: Wed Aug 13 15:35:17 CEST 2008