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ARTE Journal - 21/09/12

Todbringender Genmais?

Die Studie schlägt wie ein Bombe ein: französische Forscher haben herausgefunden, daß mit Genmais gefütterte Ratten früher sterben.

Es ist die erste wissenschaftliche Langzeituntersuchung zu einem hochsensiblen Thema: eine französische Forschergruppe der Universität Caen untersuchte unter Leitung von Professor Gilles-Eric Séralini, wie eine bestimmte Sorte von gentechnisch verändertem Mais sowie das Pestizid 'Roundup' auf Ratten wirkt. Das Ergebnis ist niederschmetternd: die Lebenserwartung der Versuchstiere nimmt signifikant ab, das Krebsrisiko dramatisch zu. Die Ergebnisse sind am 19. September von der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Food and Chemical Toxicoligie" veröffentlicht worden.


Geheimes Forschungsprojekt 'In Vivo'
Professor Séralini und sein Team haben unter größtmöglicher Geheimhaltung geforscht. Genmais ist ein Milliardengeschäft, das sich besonders der weltweit größte Anbieter, der US-amerikanische Agrar- Riese Monsanto, nicht verderben lassen will. Unter dem Codenamen ' In Vivo' haben die Forscher in aller Heimlichkeit die von Monsanto vertriebene Genmaisvariante NK 603 hergestellt und 200 Laborratten ausgewählt, um sie zwei Jahre lang zu beobachten. Eine Gruppe der Ratten wurde direkt mit unbehandeltem Genmais gefüttert, eine zweite mit diesem Genmais, der zuvor mit dem Pestizid Roundup behandelt wurde, auch ein Patent von Monsanto. Eine dritte Gruppe erhielt herkömmlichen Mais, der ebenfalls mit Roundup besprüht wurde. Der Mais stellte etwa elf Prozent des gesamten Rattenfutters dar - was in etwa den Ernährungsgewohnheiten in den USA entspricht.


Fünf Mal mehr tote Versuchstiere
Die mit Genmais ernährten Ratten seien deutlich früher gestorben als die anderen, erläuterte Seralini. 17 Monate nach Beginn der Untersuchung seien von den mit Genmais gefütterten Ratten fünf Mal mehr Tiere tot gewesen als in der Vergleichsgruppe. Die meisten Weibchen erkrankten der Studie zufolge an Brustkrebs, die Männchen häufig an Haut- oder Nierentumoren. Grundsätzlich haben Weibchen schneller und heftiger mit Pathologien reagiert.

Eine Weltpremiere
Ein Ergebnis, das auch die Genmais-Befürworter nicht ignorieren können: Bisher hat die Genmais-Lobby erfolgreich jede Langzeitstudie verhindert, oft mit offener Unterstützung der Politik. Professor Séralini nennt seine Studie eine Weltpremiere, erstmals seien gleichzeitig die langfristige Auswirkung von Genmais und Pestiziden auf die Gesundheit getestet worden. Mit der gentechnischen Manipulation würden Maissorten hergestellt, die Pestizide tolerieren oder sogar eigene Pestizide herstellen, sagte Seralini, der in rund 30 Ländern in Fachausschüssen über gentechnisch veränderte Lebensmittel als Berater tätig war. Finanziert wurde die Studie von der Stiftung Ceres. Sie wird von rund 50 Unternehmen getragen - darunter Firmen aus der Lebensmittelbranche, die keine gentechnisch veränderten Lebensmittel verwenden. Bleibt abzuwarten, wie Monsanto auf die Studienergebnisse reagieren wird.

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in der Welt

43 Prozent der weltweit angebauten GVO werden in den USA produziert, 18, 9 Prozent in Brasilien und 14, 8 in Argentinien, auch in Indien, Kanada, China und Paraguay werden GVO angebaut.
In Europa wachsen auf 0,1 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche OVG, der Löwenanteil davon in Spanien ( 80 Prozent) , aber auch in Portugal, Tschechien, Polen, der Slowakei und Rumänien baut man gentechnisch veränderte Organismen an.
Nur zwei Varianten der GVO sin din Europa erlaubt: der Monsanto Mais Mon 810 und die Kartoffelsorte Amflora. Deutschland, Frankreich, Österreich, Ungarn, Griechenland und Luxemburg haben den Anbau von Mon 810 allerdings verboten.


Annette Gerlach für ARTE Journal


Interview mit Professor Gilles-Eric Séralini, Verantwortlicher des Forschungsprojekts 'In Vivo'


Der Einfluss von Pestiziden und gentechnisch veränderten Lebensmitteln auf Ratten.



Gentechnisch veränderte Organismen werden nicht ausreichend getestet, bevor sie auf den Markt kommen.



Die Gesundheitskontrollen sind nicht ausreichend.


Das Moratorium der GVO's reicht nicht aus, ein Verbot muss her.





Erstellt: 19-09-12
Letzte Änderung: 21-09-12