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MUSICA: Samstag, 29. Juli 2006 um 22.30 Uhr - 19/07/06

Schumann, Schubert und der Schnee

Eine Oper für Klavier von Robert Schumann und Franz Schubert


Basierend auf Hans Neuenfels' gleichnamiger Kreation "Schumann, Schubert und der Schnee" für die RuhrTriennale zeigt der Musikfilm eine fiktive Begegnung von Robert Schumann mit Franz Schubert im Jenseits. Während sich Schumann um ein stetes, bürgerliches Leben bemühte, verschrieb sich Schubert einem Leben voller Hingabe, Leidenschaft und wilder Ausgelassenheit. Gemeinsam waren ihnen ihre labile Psyche und ihre wichtigste musikalische Ausdrucksform, das Kunstlied. Über die Lieder der beiden Komponisten erzählt der Musikfilm die vielschichtige biografische und künstlerische Entwicklung Schumanns. Trotz der vehementen Versuche seiner Frau, der Komponistin Clara Schumann, vermag sich Schumann der Anziehungskraft Schuberts nicht zu entziehen. Beide Komponisten gehen einen Dialog über ihre Lieder ein. Es kommt zu einem imaginären Wettstreit, in dessen Verlauf Schumanns Ausbruchsversuche immer deutlicher werden, seine unstillbare Sehnsucht, die Mauern zu sprengen und alles hinter sich zu lassen. Schließlich tötet Schumann den Schubert in sich, aber Clara verliert ihn dennoch: Er findet die Erlösung im Wahnsinn.


Für den Musikfilm wurde die Aufzeichnung von Neuenfels' Inszenierung mit Bildern verknüpft, die bei zusätzlichen Drehs mit Musikern und Schauspielern entstanden sind. Über das reine Psychogramm hinaus kann der Film als eine Art Video-Tagebuch begriffen werden, das eine künstlerische wie seelische Entwicklung verfolgt. Die Einträge des Tagebuches sind Lieder, die mal Flucht und mal Aufschrei, mal reines Gefühl und mal Trostspender sind, immer aber unmittelbar aus emotionaler Not geboren sind. Sie bringen das Wechselspiel von Euphorie und Depression eindrucksvoll zum Ausdruck. Die Beziehung Schumanns zu Clara, die Flucht in die Fantasie, der Ausbruch im Lied und der ständige Kampf gegen fortschreitende geistige Umnachtung werden filmisch nicht nur im Nacheinander, sondern simultan dargestellt. Welt und Werk Schumanns und Schuberts verschränken sich so miteinander. Dadurch erlebt der Zuschauer Schumanns Stream of consciousness in höchster Konzentration. Die Kamera umkreist die zwei Sänger und sechs Schauspieler, die ständig in Aktion sind. Sie verfolgt sie aus nächster Nähe und erzählt das Geschehen aus der Perspektive Schumanns, und nicht aus der des Theaterzuschauers. Durch diesen Ansatz des Regisseurs Enrique Sanchez Lansch, der sich unter anderem mit dem preisgekrönten Dokumentarfilm "Rythm Is It" einen Namen gemacht hat, wird nicht nur der dreidimensionale Außenraum, sondern auch der psychologische Innenraum erfahrbar.

MUSICA: Samstag, 29. Juli 2006, um 22.30 Uhr:
Schumann, Schubert und der Schnee
Eine Oper für Klavier von Robert Schumann und Franz Schubert
Regie: Henrique Sanchez Lansch
Inszenierung: Hans Neuenfels
Libretto: Hans Neuenfels
Deutschland 2005, 59 Min.
Mit: Olaf Bär (Robert Schumann), Elisabeth Trissenaar (Clara Schumann), Xavier Moreno (Franz Schubert), Ludwig Blochberger (Franz Schubert), Daniel Eberle (Moritz von Schwind), Piero von Jaduczinski (Johann Baptist Mayrhofer), Christian Kröhl (Franz von Schober), Mirik Machnik (Eduard von Bauernfeld)
ARTE/WDR

Erstellt: 19-07-06
Letzte Änderung: 19-07-06