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Somalia - Chaos am Horn von Afrika

Der Themenabend beschreibt die Lage am Horn von Afrika und sucht gleichzeitig nach den Ursachen für den desolaten Zustand des Landes.

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Somalia - Chaos am Horn von Afrika

Der Themenabend beschreibt die Lage am Horn von Afrika und sucht gleichzeitig nach den Ursachen für den desolaten Zustand des Landes.

Somalia - Chaos am Horn von Afrika

23/05/11

Somalia - Chaos am Horn von Afrika - Quellen

"Wir wollten mehr zeigen als das, was man gemeinhin über Somalia und die somalischen Piraten weiss. Es gibt andere Piraten oder vielmehr kriminelle Netzwerke, die kaum einer kennt, die auch da am Werk sind und zwar die Giftmüllverschieber."



"Zugang zu den Giftmüllfässern zu bekommen, war schon einmal eine Grundvoraussetzung, denn so etwas wurde noch nie von Fernsehkameras aufgenommen."




Mitschnitt eines Telefonats zwischen Marocchino und Scaglione. Lesen Sie das ganze Telefonat.

Das Telefonat Nr. 253 vom 1. August 1997 beginnt mit einem lokalpolitischen Lagebericht von Marocchino an Scaglione, bis Letzterer eine Bemerkung macht, die sich auf vorangegangene Gespräche bezieht, auf „diese anderen beiden Probleme“. Marocchino versteht und antwortet, dass er mit Ali Mahdi gesprochen habe, ihn aber noch einmal in Ruhe treffen müsse. Er fügt hinzu, dass er sein Projekt bei einem Treffen mit dem Präsidenten als etwas sozial Nützliches präsentieren muss“: „Ich muss es hier so darstellen, dass wir eine Art von, von, wie soll ich sagen ... nennen wir es Brenner aufstellen, so ein Ding, um der Bevölkerung Strom zu geben und so weiter, so muss man es darstellen, damit er zeigen kann, dass er diese Dinge tut, um ... dem Dorf etwas Gutes zu tun, dem Dorf Strom zu bringen, so müssen wir es verpacken, wenn nicht, wenn das einem Journalisten in die Hände fällt ... Der attackiert sofort ... Das wird sofort attackiert.“ Bei diesen Worten unterbricht Scaglione ihn brüsk. „Hey! Stop, nicht mehr dazu am Telefon, gegebenenfalls, wenn ihr sagt, dass die Sache machbar ist, schickt ihr mir ein Bestätigungsschreiben wie die, die ich schon in den Händen hatte, und dann sage ich euch genau, was wir tun müssen.

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Später, im Telefonat Nr. 10 vom 8. August 1997, bestätigt Marocchino Scaglione, „wenn die UNO ihn anerkennt, ist er für sechs Monate Präsident, nicht mehr Interimspräsident, sondern Präsident von SOMALIA“, wobei er sich wahrscheinlich auf Ali Mahdi bezieht. Dann erklärt er, Letzterem, auch „capo“ genannt, die Dokumente, die Scaglione geschickt hat, zur Prüfung übergeben zu haben.

Schließlich, im Telefonat Nr. 58 vom 14. August 1997, berichtet Marocchino Scaglione: „Ich warte darauf, dass der capo noch einmal zu mir kommt ... anderntags habe ich mit dem capo telefoniert, nicht persönlich, mit seinem Vertrauensmann, und wir haben miteinander gesprochen ... Ich erkläre dir, warum, er ist offiziell von den Vereinten Nationen berufen worden ... Dass sie sich Anfang Oktober alle in Bosaso treffen sollen, um die neue Regierung zu bilden.“ Giancarlo betont, dass man noch einige Tage abwarten müsse, und Scaglione antwortet: „Ich verstehe. Aber denkst du, dass wir dieses Gespräch bald führen können, denn hier (in Italien) werde ich Sachen gefragt, und ich weiß nicht, was ich antworten soll.“ Marocchino beruhigt ihn. „Ja, ich denke, wenn er an der Macht ist ...“ Dann geht es um etwas anderes: „... Hör mal, Ezio, ich wollte dir etwas sagen ... Es ist ... ein Geschäft ... Ein Geschäft nur unter uns (den Fahndern zufolge hieße das ohne ein formelles Plazet von Ali Mahdi), kurz, ich weiß nicht, Diebstähle von Zwei- bis Dreitausend, so was ...“ Scaglione antwortet: „Ich kann auch im Bereich von Zwanzigtausend, das zu organisieren braucht aber Zeit ... Das Problem ist, dass ich eine Vollmacht brauche, jemanden, der für mich unterschreibt, sonst rührt sich hier in Italien nichts.

Bei der Durchsuchung wurde unter anderem der Gründungsakt der Gesellschaft Italricambi srl mit Sitz in Mogadischu gefunden, gegründet am 17. März 1998 durch Giancarlo Marocchino, Ezio Scaglione und einen Somalier namens Mohamed Ali Isse. Der Gesellschaftszweck der Sozietät waren Import und Export aller Waren, die das somalische Gesetz zuließ, besonders der Import und Verkauf von Ersatzteilen, Beförderungsmitteln, Geländewagen und Traktoren. Weiterhin wurde eine Notiz gefunden, die besagte, dass „weitere Abmachungen, Giftmüll nach Somalia zu bringen und damit der ökologischen Problematik aus dem Weg zu gehen, in Planung seien.“

Darüber hinaus wurden zwei weitere Originaldokumente gefunden: Eins davon verfasst am 19. August 1996 in Mogadischu und unterschrieben vom Interimspräsidenten Ali Mahdi Mohamed, mit der beglaubigten Unterschrift des Notars, das Ezio Scaglione die Genehmigung erteilt, eine Müllaufbereitungsanlage zu bauen. Daran angeheftet ein Übersichtsplan der Hafenanlage von El Man, die Marocchino gebaut hatte, in Kopie auf Faxpapier. Das zweite betraf die Bewilligung zum Bau einer Deponie für die Entsorgung von Sonder- und Giftmüll, datiert auf den 23. September 1996. Darin genehmigt der Direktor des Präsidialbüros – ein gewisser Ibrahim Farali Abdi – Scaglione, unter Hinweis auf das Dekret vom 19.8.1996, Bau und Betrieb einer Mülldeponie vom Typ „C“, zur Entsorgung von Giftmüll, in der Gegend von „EL BARAF“.

Zudem wurde ein Fax beschlagnahmt, das am 19. August 1996 an Scaglione gesendet worden war, und zwar von der Morris Supplies Somalia (eine Gesellschaft, die, wie Scaglione später erklärte, von Marocchino abhing), in dem, unter Hinweis auf das Dekret vom 19.8.1996, Preise und Konditionen für die Sendung von 5000 Tonnen (für den Zeitraum von drei oder vier Monaten) Galvanschlämme, Lackschlämme, Gießereisande und Elektrofilterasche aufgeführt sind. Der Preis betrug 400 Lire pro Kilo, zu bezahlen in D-Mark.
Die Staatsanwaltschaft kam zu der Ansicht, dass mindestens eine Lieferung gefährlicher Abfälle erfolgt sei. Die Tat, die allein aufgrund von Dokumenten und Zeugenaussagen rekonstruiert wurde, sei im Mai 1997 begangen worden, unter Mitwirkung von Giancarlo Marocchino als Empfänger der Ware in Somalia. Die Ware, die in den Unterlagen als „Haushaltsprodukte“ geführt wird, habe in Wirklichkeit Eisenwaren enthalten, dazu chemische Produkte und mit Lösungsmittel versetzte Lacke, deren vorschriftsmäßige Entsorgung in Italien teuer ist.
Marocchino verweigerte die Aussage vor dem Staatsanwalt, als er mit den Fakten konfrontiert wurde.
Vor der Kommission jedoch gab er bezüglich dieser letzten Angelegenheit folgende Erklärung ab: „... ich stand in Verbindung mit Nesi, einem Spediteur aus Livorno, der diesen Container zu mir geschickt hat. Der Vater eines gewissen Cipollini war gestorben; dieser Junge, ein Freund von Roghi, war Pizzabäcker und wollte das ihm hinterlassene Eisenwarengeschäft des Vaters nicht übernehmen; also hat er mir vorgeschlagen, das ganze Zeug nach Mogadischu zu schicken, um es zu verkaufen, und ich habe zugestimmt. So ist ein Container mit Produkten aus dieser Eisenwarenhandlung gefüllt worden (darunter auch Lacke) und Nesi hat sich um den Transport von Livorno nach Mogadischu gekümmert, das Meet Project ...
Scaglione als Geständiger wurde bereits in der Ermittlungsphase zu allen bekannten Umständen befragt, und obwohl er nicht leugnete, was ihm vorgeworfen wurde, präsentierte er dennoch eine Version, die nicht ohne Widersprüche war, in der er versuchte, die eigene Verantwortung zulasten des Mitverdächtigten Marocchino zu relativieren.

Aussagekräftig für die Aktivität, Giftmüll in Somalia zu entsorgen (bei der Scaglione, wie sich herausgestellt hatte, Komplize war), ist die Unterhaltung Nr. 96 vom 12.11.1997, in der MAROCCHINO sagt, „Auch ich wollte ein kleines Geschäft zu Ende bringen, wovon ich dir erzählt habe, wir sind gerade in der Endphase, auch bei dir läuft es also so lala, nun ja, machen wir weiter und versuchen, das Leck zu stopfen.

Das Ergebnis der abgehörten Gespräche bei GAMBARUTO in Asti ist absolut eindeutig, sie sind die externe Projektion der bereits unternommenen Initiativen von SCAGLIONE zwischen 1996 und 1997, in enger Zusammenarbeit mit MAROCCHINO, NESI, ALI MAHDI, BELLOTTO und BREMBILLA. Beweiskräftig unterstützt wird diese Vermutung durch die Abhörprotokolle der Gespräche Nr. 253 vom 1.8.1997, Nr. 10 vom 8.8.1997 und Nr. 58 vom 14.8.1997 zwischen Ezio SCAGLIONE und MAROCCHINO.

Diese bestätigen, dass das Vorhaben, beträchtliche Mengen an Giftmüll und radioaktivem Müll nach Somalia zu exportieren, eine Realität ist, die die Gruppe in vollstem Bewusstsein verfolgt hat, mit Unterstützung des örtlichen Ras, ALI MAHDI.

Im Übrigen handelt es sich um eine neue Tranche jener Geschäfte, die die kriminelle Vereinigung von MAROCCHINO und SCAGLIONE bereits zuvor getrieben hatte, bei der Operation URANO mithilfe von GARELLI, wie aus der am 24.6.1992 unterzeichneten Absichtserklärung hervorgeht, wie auch bei der Operation der Schweizer Firma ACHAIR E PARTNERS in Kooperation mit der Firma PROGRESSO von GIANNONI, die (vielleicht) durch das schicksalhafte Eingreifen des Verantwortlichen des UNEP, Mustafà TOLBA, gleich zu Beginn vereitelt wurde.

Die letzte Bestätigung der Absichten SCAGLIONES erfolgte durch das Verhör von Giancarlo BELLOTTO.
Dieser gab zu Protokoll, im Sommer 1996 Ezio SCAGLIONE durch PAVEL KOPP kennengelernt zu haben, einen Diplomaten der Tschechischen Republik, der ihm erzählt habe, SCAGLIONE sei gut im Geschäft mit der Entsorgung von Müll in Nordafrika; nachdem er Ezio und dessen Vater Dante kennengelernt hatte, forderten ihn diese auf, Giftmüll zu besorgen, den man nach Somalia schicken könne; über den Handel mit Giftmüll und radioaktivem Müll redeten die beiden SCAGLIONES mit ihm so wie später auch mit BRAMBILLA und GAMBARUTO, das heißt, sie hielten ihn für realisierbar.

Mit besonderem Verweis auf den radioaktiven Abfall präzisierten die beiden SCAGLIONES gegenüber BELLOTTO, dass sie die Absicht hätten, ihn „im Inneren der neuen Mole zu vergraben, die gerade in dem Hafen gebaut wurde, der zum Empfang der nach Somalia verschifften Ware ... vorgesehen war.“

Der Bericht einer NGO von 2006

Das offizielle Papier, unterzeichnet vom soamlischen Präsidenten, die dem Netzwerk "Scaglione Marocchino" erlaubt giftige Produkte in Somalia abzulagern.

Ein Bericht von Greenpeace Italien, der bestätigt, das radioaktiver Müll in einer Hafenbucht 30km nördlich von Mogadischu vorhanden ist.

Eine Untersuchung zur allgemeinen Lage über den Giftmüll in Afrika

"Somalia Toxic Waste Project", ein Bericht von Andreas Bernstorff über die Giftmülltonnen.

Andreas Graf Bernstorff studierte Osteuropäische Geschichte, Soziologie und Politik. Er arbeitete als Lehrer, Journalist und Wahlkämpfer, wurde Landtagsabgeordneter (GRÜNE, Baden-Württemberg), dann Parlamentarischer Berater. Von 1988 bis 2005 agierte er als Kampagnenmacher in der internationalen Arbeit von Greenpeace und vertrat die Organisation bei etlichen UN-Konferenzen. Er praktizierte eine Kombination von kreativer, aktionsstarker Intervention mit großem Medienecho – mit klassischer Lobbyarbeit im Stillen. So gelang es beispielsweise ihm und seinen Kollegen, das Völkerrecht umzuschreiben und ein internationales Verbot für Giftmüllexporte zu erreichen.
Seit 2006 selbstständig als BERNSTORFF Campaigning, ist er Hochschuldozent für Campaigning und Strategische Kommunikation an den Universitäten St. Gallen, Heidelberg, Bonn, den neuen Schools of Government („Willi Brandt School“ in Erfurt, Hertie-Stiftung, Humboldt-Viadrina, beide Berlin) u.a. Gleichzeitig ist er tätig als Unternehmensberater und Strategiearchitekt für Organisationen, Verbände und politische und kirchliche Organisationen.
Als Autor befasst er sich weiterhin mit dem Problem der internationalen Verschiebung von Umweltproblemen.
Er ist in vielen Welten zuhause und als „Querdenker“ gefragt.  



Erstellt: 13-05-11
Letzte Änderung: 23-05-11