Freitag, 19. Oktober 2012 um 10.30 Uhr
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ARTE Reportage
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE
Das Magazin für aktuelle internationale Politik wird immer samstags gegen 18.00 Uhr ausgestrahlt. Durch die Sendung führen abwechselnd Andrea Fies und Nathalie Georges. Auf der Grundlage seines redaktionellen Sendeauftrags wirft "ARTE Reportage" den etwas anderen Blick auf wichtige Ereignisse des Weltgeschehens.
Irak: Den Verrätern droht der Tod
Der Abzug der amerikanischen Soldaten hat verheerende Folgen für die Iraker, die mit ihnen während der Besatzungszeit zusammengearbeitet haben: Sie müssen mit Racheakten rechnen, denn vielen Irakern gelten sie als Verräter.
Die meisten hatten gehofft, mit den US-Soldaten ins Exil in die USA gehen zu können – das aber gelang nur wenigen tausend Irakern. Schon während der Besatzungszeit bemühten sich die Iraker in der US-Armee, Übersetzer, Assistenten, Informelle Mitarbeiter, ihre Gesichter zu tarnen, mindestens mit großen Sonnenbrillen – sie wussten, dass viele ihrer Mitbürger sie als Verräter ansehen. Und schon damals fühlten sie sich in ständiger Gefahr. Heute aber, ohne den Schutz der US-Armee, sind die 150 000 ehemaligen Mitarbeiter der Besatzer, Christen, Muslime, Kurden, vom Tod durch Racheakte bedroht.
Adieu Hölle
Zehn Jahre lang war Antoine eingespert in Makala, einem der schlimmsten Gefängnisse von Kinshasa in der sogenannten Demokratischen Republik Kongo – bis es ihm gelang, in Frauenkleidern zu entfliehen in die Republik Kongo auf der anderen Seite des Flusses. Er erzählt uns, wie es war in der Gefängnishölle und er zeigt uns die Bilder, die er in aller Heimlichkeit dort hat filmen können.
Antoine war einmal einer der Männer, die Laurent-Désiré Kabila halfen, den verhassten Diktator Mobutu zu stürzen. Doch als 2001 ein Attentat auf den neuen Präsidenten Kabila verübt wurde, geriet Antoine in den Kreis der Hochverdächtigen vor dem Militärgericht. Es war wie eine Säuberungsaktion im inneren Zirkel der Macht Kabilas: 85 « Täter und Mittäter » wurden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt, Antoine war einer von ihnen.
Er ist heute 38 Jahre alt, 20 war er, als er alles hinter sich ließ für die Revolution mit Kabila. Antoine erzählt von seinen Jahren im Kampf gegen Mobutu, er berichtet über seine Rolle in der neuen Regierung, über den Prozess und über die Jahre im teuflisch organisierten Gefängnis von Kinshasa: Lüge, Korruption und Gewalt regieren hier, im Grunde die aufs Äußerste zugespitzte Variante der Verhältnisse draußen in der Demokratischen Republik Kongo.
Sein Leben und seine Erlebnisse hat Antoine in Theaterstücken niedergeschrieben, und in seiner ersten Station des Exils, in der Republik Kongo, hat er schon erste Erfolge mit diesen Stücken über die wahren Verhältnisse unter dem Präsidenten Kabila. Nun hofft er auf politisches Asyl in Schweden, denn er will eine Zukunft für seine Kinder gestalten können. In Europa wird er auch für die Freilassung seiner Kameraden kämpfen, die noch immer in der Gefängnishölle Makala schmoren müssen – sie sind unschuldig an dem Attentat, so wie ich, sagt Antoine.
Dänemark : Obdachlos in Kopenhagen
Obdachlose als Touristenführer – in Kopenhagen zeigen sie, wie sie ihre Stadt sehen und wie sie in ihr leben und überleben: Wo sie sich am Tag am liebsten aufhalten, wo sie ein wenig Wärme finden können, etwas zu essen und wo sie ihre Nächte verbringen…
Frederik ist einer von ihnen, ein ehemaliger Seemann, der nach einigen persönlichen Turbulenzen auf der Straße landete. Wie die anderen fünf « Obdachlosenführer » ist er von einer Hilfsorganisation dafür ausgebildet worden, den Touristen sein Leben anschaulich zu erzählen – einige seiner Kollegen auch in Englisch. Einen Teil der Teilnehmergebühr dürfen sie als ihren Verdienst für sich behalten. Das reicht natürlich nicht zum Leben, aber es hilft immerhin ein wenig.
2010 kam eine Hilfsorganisation auf diese Idee unter dem Namen « Poverty Walks », inzwischen hat die Stadt das Projekt zunächst befristet übernommen unter dem neuen Namen „Gadens Stemmer“, das heißt “Stimme der Straße“. Im letzten Jahr ließen sich 5000 Interessierte darauf ein, Kopenhagen aus der Sicht der Obdachlosen kennenzulernen – vor allem Dänen, darunter viele Vereine, Stadtverwaltungen, Betriebsräte, Politische Parteien aber auch Nachbarn und Freude oder einfach neugierige Bürger.
Dänemark ist in der EU eines der Länder mit den wenigsten armen Menschen: Zwischen 5000 und 10 000 Männer und Frauen sind nach dänischen Schätzungen obdachlos, die meisten von ihnen leben in der Hauptstadt Kopenhagen.