Dienstag, 2. Oktober 2012 um 05.00 Uhr
Wiederholungen:
05.10.2012 um 01:35
Tracks
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE F
Diese Woche in "Tracks": Die Musiker von Neurosis züchten Neurosen, der Schauspieler Tim Roth plaudert aus dem Nähkästchen, die Akrobaten des "Bancale Dance" stehen Kopf, die Fans des Body Suspension hängen ab und Phoebe Jean & The Air Force starten durch, und zwar live!
(1): Tim Roth: "Made in Britain"
Der Schauspieler Tim Roth verdankt seinen Durchbruch in den frühen 1990er Jahren Filmen von Quentin Tarantino wie "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction". Seitdem war der Engländer, der heute zu den großen Hollywoodstars zählt, unter anderem in "Planet der Affen", "Funny Games U.S." und "Hulk" zu sehen. Auf den Filmfestspielen von Cannes plauderte der 51-Jährige, der an rund 50 Filmen mitwirkte, über seine ereignisreiche 30-jährige Karriere.
(2): Bancale Dance: Die Welt steht Kopf
Diese Künstler spielen mit dem menschlichen Gleichgewicht: Die Schweizer Martin Zimmermann und Dimitri de Perrot schaffen Bühnenbilder, die sich um 360° drehen lassen und Fallen enthalten wie in einem Cartoon von Tex Avery. Der Franzose Boris Gibé, Gründer der Performancetruppe "Les Choses de Rien", manipuliert unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit durch eine riesige Zauberkiste aus Lycra, in der die Akrobaten nur zu leicht den Boden unter den Füßen verlieren. Und die verrückten Typen vom "Cirque Inextremiste" fordern mit Hilfe von Baggerladern und Gasflaschen die Gesetze der Schwerkraft heraus.
(3): Neurosis: Die Band, wo die Neurosen blühn
Neurosis ist die vielleicht depressivste Band der Welt. Die Gruppe, die 1985 in Oakland von dem Sänger und Gitarristen Scott Kelly und seinen Saufkumpanen gegründet wurde, spielte zunächst Hardcore-Punk, bevor die sechs Musiker den Drogen verfielen und ihr Leben zum Albtraum wurde. Auf seinen Horrortrips kreierte Scott Kelly düsteren, bedrückenden Sludge - einen besonders finstereren, langsamen Heavy Metal mit der Melodik von Maschinengewehrsalven. Die neue Post-Metal-Welle beruft sich auf den Einfluss der neurotischen Jungs von Neurosis. Sie haben 27 Jahre im Musikgeschäft auf dem Buckel, können zehn Alben vorweisen und setzen ihre Pilgerfahrt zur Hölle unbeirrt fort.
(4): Body Suspension: "I Believe I Can Fly"
Während viele Spanier auf den Straßen der Großstädte gegen die Krise demonstrieren, versammelt sich in einer verlassenen Lagerhalle in einem Madrider Vorort eine Handvoll Anhänger einer bizarren Praktik namens Body Suspension. Sie beruht auf dem O-Kee-Pa-Ritual, einem Initiationsritus der nordamerikanischen Mandan-Indianer. Body Suspension wurde Ende der 60er Jahre durch Fakir Musafar, den Pionier des Body Play, bekannt. Dabei werden Stahlhaken durch die Haut gestochen, an denen man sich aufhängen lässt - eine extreme Körpererfahrung, durch die sich in der Body-Modification-Szene die Spreu vom Weizen trennt. Auf dem ersten Body-Suspension-Festival Spaniens frönen diese Modern Primitives ihrer schmerzhaften Leidenschaft.
(5): Phoebe Jean & The Air Force: Ich geb Gas, ich will Spaß!
Phoebe Jean ist die Tochter eines Piloten und einer Tänzerin und wurde mit dem Soundtrack von "Top Gun" groß. Bis sie 14 war, träumte Phoebe von einer Karriere als Starfußballerin. Nach dem Tod ihres Vaters wandte sie sich der Musik zu. Heute tourt die Sängerin aus Baltimore durch Europa und stellt ihr Erstlingsalbum "Heartbreakers" mit geslamten Liebesliedern und elektronischen Rhythmen vor. Die androgyne Phoebe hat ein Faible für Mechanik und liebt Jungs, Mädchen und Cadillacs. In ihren Songs gibt sie Vollgas.