Samstag, 27. Februar 2010 um 06.00 Uhr
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ARTE Reportage
(Frankreich, 2008, 42mn)
ARTE
Das Magazin für aktuelle internationale Politik wird immer samstags um 18.15 Uhr ausgestrahlt. Durch die Sendung führen abwechselnd Andrea Fies und Nathalie Georges. Auf der Grundlage seines redaktionellen Sendeauftrags wirft "ARTE Reportage" den etwas anderen Blick auf wichtige Ereignisse des Weltgeschehens.
Malediven: Eine Insel voller Müll
Wer diese Insel zum ersten Mal sieht, der glaubt an eine Halluzination, hervorgerufen durch die brennende Sonne: Mitten im Meer im Inselparadies der Malediven taucht mit einem Mal ein Berg von Müll auf, nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Malé entfernt. Es ist die Insel Thilafushi, die Insel voller Müll – an ihren Ufern quillt der Abfall über in die Fluten des Indischen Ozeans, eine Bedrohung für das Leben im Meer.
Noch vor 30 Jahren war Thilafushi eine Lagune, in der das türkisgrüne Wasser glitzerte: Und dann beschloss die Regierung der Malediven 1992, dieses Stückchen vom Paradies zu opfern. Denn sie wussten nicht mehr, wohin mit dem Abfall der rasant wachsenden Bevölkerung und der vielen, vielen Touristen: So transportieren seitdem Boote den Müll der Malediven nach Tilafushi, Bagger beladen Lastwagen und sie verteilen die Abfälle über sieben Kilometer und auf 200 Metern Breite in der Lagune.
Der größte Teil des Mülls kommt aus der Hauptstadt Malé mit ihren 100 000 Einwohnern, gut ein Drittel der Gesamteinwohnerzahl der Malediven. Hinzu kommen die Hinterlassenschaften der jährlich 600 000 Touristen. Jeder Tourist produziert jeden Tag 3,5 Kilogramm Müll. Sortieren und Trennen ins auf den Malediven noch ein Fremdwort: Organische Reste mischen sich mit Batterien, Plastikflaschen, Kartons, mit giftigem und ungiftigem Restmüll jeder Couleur, ob Blei, Cadmium, Asbest oder Quecksilber. Alles geht ab auf die Müllinsel und sickert von da aus in den Ozean.
Dutzende Gastarbeiter aus Bangladesh verteilen die Abfälle und manche von ihnen fischen verwertbares Metall heraus, um sich ein wenig Geld dazu zu verdienen. Die Regierung der Malediven sucht nach einer Lösung in Richtung Müll-Verbrennung und –Verwertung, aber noch ist es nicht soweit. Ironie der Geschichte: Sollte die Klimaerwärmung eines Tages die Inseln der Malediven überschwemmen, dann könnte die Insel aus Müll als eine der letzten den Fluten trotzen, wie ein Mahnmal an die Sünden der Vergangenheit.
Senegal : Der Mangroven-Wunder-Wald
Als die Menschen im Senegal ihre Mangrovenwälder zu Holzkohle verarbeiteten vernichteten sie damit buchstäblich ihre Lebensgrundlage. Denn die Mangroven in den Fluss-Deltas sind die Kinderstube für die Fische im Meer – dank des Engagements eines einzigen Mannes, Haidar el Ali, aber haben die Menschen im Senegal den Wert der Mangroven inzwischen verstanden. Im letzten Herbst waren unsere Reporter dabei, als Schulklassen und Dorfgemeinschaften Mangrovenwälder neu pflanzten Haidar el Ali und seiner Hilfsorganisation Océanium ist damit ein kleines afrikanisches Wunder gelungen. Senegalese, aber im Libanon geboren, kam er vor 17 Jahren auf den guten Gedanken, sich für die schwindenden Mangrovenwälder im Senegal stark zu machen. Mit seinem Wanderkino zieht er seitdem von Dorf zu Dorf und klärt die Menschen über die Bedeutung der Mangroven auf, seine Filme hat er selbst produziert. So überzeugte er sie, 16 Kilometer eines Flussdeltas zur Schutzzone zu erklären, und dort Mangroven-Setzlinge zu pflanzen. Fischen ist dort verboten. Er bietet Mikrokredite an und verbindet sie mit der Auflage, die frisch gepflanzten kleinen Mangroven zu schützen – mit großem Erfolg verbindet er wirtschaftliche Anreize mit dem Umweltschutz. Inzwischen folgen 300 Dörfer von Casamance bis Siné Saloum seinen Ideen: Auf Hunderten Hektar wachsen wieder Mangrovenwälder heran und mit ihnen nimmt der Fisch- und Artenreichtum in den Deltas von Senegal wieder zu.
Japan : Sushi rottet Thunfisch aus
Die Japaner sind die Größten, wenn es um den Verzehr des Roten Thunfischs geht: 80 Prozent der Thunfisch-Fänge in den Meeren dieser Welt landen als Sushi auf japanischen Tellern. Und dass trotz aller weltweiten Warnungen und Proteste, denn der Rote Thunfisch ist in seinem Bestand sehr stark gefährdet. Jeden Morgen ist Thunfisch-Parade in Tokio, genauer : in den Hallen des weltberühmten Fischmarkte Tsukiji. Tiefgefroren reihen sich die Thun-Leiber einer an den anderen, jeden Tag werden hier 20 bis 30 Tonnen davon verkauft. Hier entscheidet sich, ob der Rote Thunfisch in den nächsten Jahren noch eine Chance hat, zu überleben oder ob der Hunger nach Sushi ihn ausrotten wird. Unsere Reporter waren dabei, um drei Uhr morgens, wenn die Händler die Ware Thunfische begutachten und sich auf die tägliche Auktion vorbereiten. Sie sehen, fühlen, riechen und schmecken das Fleisch und suchen die schönsten und damit wertvollsten Fische heraus. Ein einziger Thunfisch von 214 Kilogramm verkauft sich für den stolzen Preis von umgerechnet 230.000 Euro – dafür könnte man auch einen Ferrari kaufen. Schon nach zehn Minuten ist alles vorbei, die Fische verkauft und die Händler machen sich mit ihrer Beute auf den Weg. Greenpeace protestiert regelmäßig in Tokio, doch die 127 Millionen Japaner schert das bis jetzt kaum. Auf ihr Sushi und ihr Sashimi aus Thunfisch wollen sie ebenso wenig verzichten wie auf Walfleisch.