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> > Reportage: Gent vegetarisch (31/12/2010)

ARTE Journal, 31. Dezember 2010 - 04/01/11

Die Genter lieben Gemüse

Die Stadtverwaltung der belgischen Stadt Gent hat es gewagt: Sie hat ihrer Bevölkerung einen fleischlosen Tag pro Woche vorgeschlagen. Seit Mai 2009 servieren die öffentlichen Kantinen und Schulmensen keine toten Tiere auf dem Teller. In diesem Jahr schlossen sich auch die Krippen, Kindergärten und Grundschulen dem Projekt an. Und auch viele Restaurants machen mit. Der Grund liegt nicht nur darin, dass Vegetarier-Vereinigungen sehr aktiv sind. Vielen Menschen wird klar, dass zu viel Fleisch nicht nur der Gesundheit schaden kann, sondern auch der Umwelt. Eine Reportage über den fleischlosen Donnerstag in Gent von Véronique Barondeau und Emmanuel Royer.




Soja-Omelette und Taboulé: Jeden Donnerstag ist das Hauptgericht in allen öffentlichen Kantinen und Schulmensen der Stadt Gent vegetarisch. Kantinenbesucher meinen, das sei ohnehin besser für die Gesundheit, für den Körper. Obst und Gemüse: nicht unbedingt die Lieblingsspeisen der Kinder. Trotzdem haben sie sich in dieser Grundschule in einem Villenviertel daran gewöhnt, zumindest einmal die Woche. Allen schmeckt es, und Francis freut sich: "Das ist gut für die Tiere. Da werden nämlich zu viele von geschlachtet und gegessen."

Steak mögen und doch ökologisch denken...

Natürlich mögen die meisten Steak immer noch lieber, aber eigentlich waren die Kinder gar nicht so schwer zu überzeugen - denn sie sind umweltbewusst. Und sie machen sich Gedanken über die Zukunft des Globus, wie die Grundschul-Lehrerin Sofie Van Hove berichtet: "Die Kinder bringen von sich aus Artikel über die Erderwärmung mit, darüber, dass wir zu viele Tiere brauchen, wenn wir immer nur Fleisch essen wollen, dass abgeholzt wird, um Weiden zu schaffen, dass die Wälder verschwinden. Das ist den Kindern alles präsent. Sie sind nicht alle Vegetarier, aber da wächst ein neues Bewusstsein."

Kohlendioxid: soviel wie Verkehr

Die Stadt Gent hat den Bürgern die Entscheidung in einer massiven Informationskampagne erklärt. Inzwischen gibt es in den öffentlichen Kantinen jeden Donnerstag 3.500 vegetarische Gerichte. Das ist für den Stadtrat Tom Balthazar ein gesundheitspolitischer Erfolg - doch das war nicht das einzige Motiv:"Es ist eine Gesundheits-, aber auch eine Umweltkampagne. Die intensive Fleischproduktion ist für 18 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. 18 Prozent, das ist viel, das ist fast ein Fünftel. Und fast genau so viel wie der Transportsektor verursacht." Der fleischfreie Tag, anfangs belächelt, lockt inzwischen sogar neue Touristen nach Gent. Das Informationsbüro hat einen vegetarischen Stadtplan erstellt, der alle fleischfreien Restaurants auflistet. Mit der Werbung für den fleischfreien Donnerstag ist die Nachfrage enorm gestiegen.

Gents vegetarischer Stadtplan

Mehr als 80 Restaurants der Stadt haben sich der Aktion angeschlossen und bieten Donnerstags vorwiegend vegetarische Kost an. Echte Widerstände gab es kaum. Dass die Fleischer ihr Produkt verteidigen, ist ja nur natürlich. Auch der Fleischer Dominique Van Kerrebroeck setzt auf Gesundheits-Argumente: "Das Fleisch gibt Energie und stärkt die Widerstandskräfte, und deshalb denke ich, dass ein Stück Fleisch eine Notwendigkeit im täglichen Leben der Menschen ist." Bisher war Gent bekannt für seine eher deftigen flämische Küche. Jetzt wird die Stadt immer mehr zu der Adresse für die vegetarischen Feinschmecker...

ARTE Journal/ Véronique Barondeau

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Erstellt: 30-12-10
Letzte Änderung: 04-01-11