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ARTE Reportage

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Samstag 20. Februar 2010 um 18.15 Uhr - 25/02/10

Malediven: Eine Insel voller Müll


Von Yann Le Gléau und Sébastien Mesquida – ARTE GEIE / What’s Up Productions – Frankreich 2010

Wer diese Insel zum ersten Mal sieht, der glaubt an eine Halluzination, hervorgerufen durch die brennende Sonne: Mitten im Meer im Inselparadies der Malediven taucht mit einem Mal ein Berg von Müll auf, nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Malé entfernt. Es ist die Insel Thilafushi, die Insel voller Müll – an ihren Ufern quillt der Abfall über in die Fluten des Indischen Ozeans, eine Bedrohung für das Leben im Meer.


  • Malediven: Eine Insel voller Müll

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Noch vor 30 Jahren war Thilafushi eine Lagune, in der das türkisgrüne Wasser glitzerte: Und dann beschloss die Regierung der Malediven 1992, dieses Stückchen vom Paradies zu opfern.
Denn sie wussten nicht mehr, wohin mit dem Abfall der rasant wachsenden Bevölkerung und der vielen, vielen Touristen: So transportieren seitdem Boote den Müll der Malediven nach Tilafushi, Bagger beladen Lastwagen und sie verteilen die Abfälle über sieben Kilometer und auf 200 Metern Breite in der Lagune.

Der größte Teil des Mülls kommt aus der Hauptstadt Malé mit ihren 100 000 Einwohnern, gut ein Drittel der Gesamteinwohnerzahl der Malediven. Hinzu kommen die Hinterlassenschaften der jährlich 600 000 Touristen. Jeder Tourist produziert jeden Tag 3,5 Kilogramm Müll. Sortieren und Trennen ist auf den Malediven noch ein Fremdwort: Organische Reste mischen sich mit Batterien, Plastikflaschen, Kartons, mit giftigem und ungiftigem Restmüll jeder Couleur, ob Blei, Cadmium, Asbest oder Quecksilber. Alles geht ab auf die Müllinsel und sickert von da aus in den Ozean.

Dutzende Gastarbeiter aus Bangladesh verteilen die Abfälle und manche von ihnen fischen verwertbares Metall heraus, um sich ein wenig Geld dazu zu verdienen. Die Regierung der Malediven sucht nach einer Lösung in Richtung Müll-Verbrennung und –Verwertung, aber noch ist es nicht soweit. Ironie der Geschichte: Sollte die Klimaerwärmung eines Tages die Inseln der Malediven überschwemmen, dann könnte die Insel aus Müll als eine der letzten den Fluten trotzen, wie ein Mahnmal an die Sünden der Vergangenheit.

ARTE Reportage
Samstag 27. Februar 2010 um 06.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2008, 42mn)
ARTE

Erstellt: Thu Feb 18 12:37:46 CET 2010
Letzte Änderung: Thu Feb 25 19:34:47 CET 2010