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> Sendung vom 30. November 2001 > Future - Video-Tanz-Check

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30/11/01

Future - Video-Tanz-Check

Zeige mir wie Du tanzt, und ich sage Dir, wer Du bist - in diesem Spruch steckt mehr Wahrheit, als einigen von uns lieb sein dürfte. Schon das kleinste Tänzchen soll dem Computer in Zukunft genügen, um unseren wahren Charakter zu erkennen.
Die Software dafür stammt aus Wien. Die Verhaltensforscher Karl Grammer und Michael Bechinie errechnen aus unserem Tanz eine Persönlichkeitsanalyse. Das Programm heißt "e.motion" und analysiert Videoaufnahmen des Tänzers - Pixel für Pixel. Verstellen funktioniert nicht.

Prof. Dr. Karl Grammer
Es scheint so zu sein, dass man sich verstellen kann, aber das nur für bestimmte Zeit aufrecht erhalten kann, etwa 15 Sekunden und dann fällt man wieder in den alten Trott zurück. Man muß davon ausgehen dass solche Bewegungsmuster teilweise natürlich angeboren sind und andererseits über ganz lange Zeit eingeschliffen werden und man darauf keinen direkten Einfluß hat, weil es unterbewußt abläuft.

Die Mittel für die Tanzanalyse sind denkbar einfach. Man nehme einen neutralen Hintergrund, gleichmäßiges Licht und eine an einem Rechner angeschlossene Webcam. Alle 1,5 Sekunden bestimmt die Software die Persönlichkeitszüge und direkt nach Beendigung des Tanzes liegt das Ergebnis vor.
Wie zutreffend so ein Psychogramm per Computer ist, ist eine Frage. Eine andere ist, wozu wir es überhaupt brauchen. Die Antwort: Ein Computer mit Menschenkentnis hilft Menschen, andere Menschen einzuschätzen und zu kontrollieren. Ein Verfahren mit Zukunft also:

Prof. Dr. Karl Grammer
Im anwendbaren Bereich läßt es sich einsetzen - im Überwachungsbereich, wo es drum geht, zum Beispiel zu erkennen, ob Leute alkoholisiert sind. Sie können sich vorstellen, dass es eine Diskothek gibt die am Eingang einfach eine Kamera hat und die Alkoholisierten automatisch ausschaltet und nicht zuläßt in die Diskothek.

In Bälde soll kaum ein Lebensbereich von "e.motion" verschont bleiben: unser Kaufverhalten, die Schwächen von Bewerbern und sogar die Paarungswilligkeit von Singles soll das Programm erkennen.

Prof. Dr. Karl Grammer
Prof. Dr. Karl Grammer Wir haben vor vielen Jahren Versuch gemacht - das war der Anfang von e.motion, bei dem wir Paare zusammengebracht haben, also Leute die sich nicht kannten und sie unter einem Vorwand alleingelassen haben, und haben sie dann gefilmt und wir haben dabei festgestellt dass es tatsächlich so ist, wenn Leute die Qualität ihres Verhaltens ändern, dann kann man sagen sie sind am anderen interessiert. Das gilt nur für Frauen, nicht für Männer.

Weil, so Dr Grammer, Männer sowieso immer wollen. Auch sein Forscherdrang kennt keine Grenzen: Er wünscht sich e.motion als Chip in unseren Haushaltsgerät, damit die uns durch unsere Bewegung besser verstehen.

Prof. Dr. Karl Grammer
Man könnte sich vorstellen, dass der Chip in eine Kaffeemaschine zum Beispiel eingebaut ist. Und wenn ich morgens in der Früh aufsteh, kann die Kaffeemaschine erkennen "ah der ist heut schlecht drauf: da mach ich ihm einen starken Kaffee." Das wär eine Anwendung.

Darauf hat die Welt gewartet. Endlich wird die Maschine zum Freund. Kaffeeautomat und Handy werden uns besser verstehen als unser Psychiater. Und auch das lästige Flirten könnte bald ganz anders aussehen: mit Kamera erst checken, dann den Passenden abschleppen.

E.motion
http://evolution.humb.univie.ac.at/multimedia/alysis.html

Erstellt: 20-04-04
Letzte Änderung: 30-11-01


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