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10.02.2005 - 23.50 : tracks

Tribal - Dänsiche Black Bloc

Seit den Straßenschlachten während der Tagung der Welthandelsorganisation von 1999 in Seattle, sind die Black Block die Gefürchtetsten unter den Globalisierungsgegnern. Ihr Hauptquartier liegt in Kopenhagen.

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Am 18. März 2003 bekommt der dänische Premierminister Aners Fogh Rasmusen seit Fett ab. Kurz nachdem er die Beteiligung Dänemarks am Irak-Krieg verkündet hat, bewerfen ihn zwei Aktivisten mit roter Farbe, die das Blut an seinen Händen symbolisieren soll. Beruflich betreut Lars Jungendliche in Schwierigkeiten. Nebenbei engagiert sich der 24-Jährige aber besonders bei den Aktivisten von „Global Roots“. Wie mehrere hundert andere junge Dänen, bricht er für seine Überzeugung, wenn es sein muss, alle Gesetze. Trotz zwei Jahren hinter Gittern und einer Geldstrafe, an der er noch viele Jahre zu knabbern haben wird, ist Lars zufrieden. Seine Aktion hat eine heftige Diskussion über die Beteiligung Dänemarks am Irak-Krieg losgetreten. Die Farb-Attacke fand Zustimmung bei einem Großteil der Bevölkerung, der gegen diese politische Entscheidung war. Kopenhagen ist, mit einer Rekord-Verdächtigen Anzahl an besetzten
Häusern, ein Paradies für Aktivisten jeder Art. Am radikalsten geht es bei den Black Block zu, deren Mitglieder immer schwarz gekleidet agieren und nicht vor Gewalt zurückschrecken. Im Gegensatz zu Lars, sind Auftritte in den Medien aber nicht so ihr Ding.

Daniel: "Zu oft wurden wir von den Medien über den Tisch gezogen, was dazu führte, dass viele unter uns die Medien als Feind betrachten, dem man auf keinen Fall trauen darf. Wenn wir eine Aktion starten, die nicht hundertpro legal ist, dann wollen wir natürlich darüber sprechen, aber ohne dabei unser Gesicht zu zeigen."

Gegründet wurden die Black Block vermutlich am 18. Mai 1993. Als in Dänemark, nach einer Volksabstimmung, eine knappe Mehrheit dem EU-Beitritt zustimmt, steigen Links Autonome auf die Barrikaden, und erklären ihr Stadt-Viertel Nerrebro zur letzten Freiheits-Bastion Europas. Die Polizei schreitet ein und schießt mit scharfer Munition. Nach tagelangen Verhandlungen erhielt unser Kamera-Team von den Aktivisten die Erlaubnis, im Inneren des größten Squatts von Kopenhagen zu drehen.

Das Ungdomshuset – wörtlich übersetzt, “Das Haus der Jugend“ – ist ein politisches Symbol. 50 Menschen leben hier, mitten im Zentrum der Stadt, von der Außenwelt abgeschnitten, nach ihren ganz eigenen Regeln. In Kopenhagen haben besetzte Häuser Tradition, seit eine Gruppe von Hippies vor über 30 Jahren beschloss, sich mitten in der Stadt einen alternativen Lebensraum zu schaffen. 1971 nistete sich eine Love and Peace Community mit rein friedlichen Absichten in eine verlassene Militär-Kaserne ein. Noch heute, 34 Jahre danach, lassen sich die 1000 Einwohner von Christiania von der Stadt nicht reinreden. Sie gestalten ihre Lebens-Gemeinschaft so, wie es ihnen passt.

Bei regelmäßigen Versammlungen treffen die Einwohner von Christiania gemeinsam alle Entscheidungen, die das Zusammenleben im Viertel bestimmen. Sie verwalten alles selbst: ihre Schule, öffentliche Baustellen, und sogar die eigene Müllabfuhr. Wie ein Staat im Staat hat Christiania eine gut laufende Wirtschaft in der genügend Kaufhäuser und Warenlager für das Wohlergehen seiner Bewohner sorgen. Jeder Künstler von Kopenhagen ist in diesem Tonstudio oder in einem der Konzertsäle jederzeit willkommen. Die Community hat sogar ihre eigene Währung. 1996 wurde Christiania von der dänischen Regierung offiziell anerkannt. Das Ungdomshuset ist so etwas wie ein Mini Christiania in hardcore-Version. Wie ihre Vorbilder, setzen sich auch die Bewohner des Ungdomshuset jeden Montag zusammen, um die verschiedenen Aufgaben zu verteilen, sei es die Organisation von Punk-Konzerten oder das Nähen von Klamotten.
Wie gesagt, im Ungdomshuset ist alles durchorganisiert. Einmal in der Woche wird jedem eine neue Aufgabe zugeteilt. Die Küche steht der eines normalen Restaurants in nichts nach. Außer dass diese hier auch eine soziale Funktion hat. Einmal in der Woche ist auch Tag der offenen Tür, an dem sich dann Außenstehende an den politischen Diskussionen und Workshops beteiligen können. Und die Hauseigene Boutique mit Straßen-Vitrine lockt Passanten zum Black-Block-Shopping. Nach den Wahlen im November 2001 zieht die rechtsradikale dänische Volkspartei ins
Parlament ein und zwingt die liberale Regierung einen härteren Kurs zu fahren. Sie setzt durch, dass Ausländer erst dann mit einem dänischen Staatsbürger zusammenleben oder verheiratet sein dürfen, wenn sie über 24 sind und eine Kaution von 7000 Euro an den Staat gezahlt haben.Parallel dazu fordern die Faschos in einem juristischen Feldzug die Schließung von Christiania. Dabei ist auch das Ungdomshuset vom Aus bedroht. Um ihren Squat und Christiania zu verteidigen, rücken die Aussteiger mehr denn je zusammen. Aus Protest gegen den Plan, das
Ungdomshuset einer katholischen Vereinigung zu stiften, beschließt eine Pastoren-Kapelle direkt vor dem Rathaus zu musizieren.

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Links
>> Die Ungdomshuset-Website (auf Dänisch)
>> Eine andere Website (auf Dänisch)
>> Upcoming trial against Ungdomshuset, Copenhagen


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TRACKS
Eine Reportage von France Swimberge
Donnerstag, den 10. Februar 2005 um 23.50 Uhr
Wiederholung am Samstag, den 12.02 um 17.50 Uhr
Redaktion: ARTE France, Program33
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Erstellt: 09-02-05
Letzte Änderung: 02-09-08


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