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05.04.07 - 23.10 / 11.04.07 - 02.10 - 10/04/07

Punk in Indonesien

Wer glaubt, der Punk sei tot, der sollte auf die andere Seite der Erdkugel schauen. In Südostasien - und besonders in Indonesien - ist Punk derzeit schwer angesagt.

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Auf den ersten Blick scheint Punkmusik nur wenig mit asiatischer Lebenskultur zu tun zu haben, noch weniger mit dem größten islamischen Land der Welt. Doch konservative Islamisten und immense soziale Spannungen zwischen Arm und Reich haben in Indonesien zur Punkbewegung geführt. Bis 1998 herrschte in Indonesien eine Militärdiktatur, in der gerade auch Punks verfolgt wurden. Daher konnte sich die Punkbewegung erst in den letzten Jahren wirklich durchsetzen.

In einer Kultur, deren Musik keine verzerrten Töne kennt und in der Schreien in der Öffentlichkeit als höchste Beleidigung gilt, stellt Punk eine große Provokation gegenüber der Gesellschaft dar.
Die Bedeutung von Punk bei den Jugendlichen ist nicht zu unterschätzen. Die indonesische Gesellschaft befindet sich gerade in einer sensiblen Phase zwischen Islam, Demokratie und Popkultur. Die Jugend schreit nach Veränderung, will an der globalisierten Popkultur teilnehmen

Ari, indonesischer Punker, erzählt: "Als wir Jugendlichen merkten, dass es so was wie Alternativkultur gibt, wollten wir so was hier auch schaffen. Wir waren gelangweilt von Popmusik und Mainstream, und auch von Politik und unserer Regierung. Wir wussten, wir können das auch, eine eigene Bewegung hier schaffen, etwas wie Punk oder Metal." Und Ika ergänzt: "Wenn du in einem stark repressiven Staat lebst und schlecht behandelt wirst, fängst du an, dagegen zu kämpfen. Und Punk zeigt dir wie: Wir müssen gegen den Staat kämpfen, sogar gegen die Religion oder unsere Eltern."

Punk ist für viele mehr als reine Modeerscheinung und Jugendrebellion. Viele Punk Communities haben das Prinzip von DIY, von „Do it Yourself“ übernommen. DIY steht dafür, nicht nur lauthals zu protestieren, sondern etwas zu verändern, selbst wenn Mittel und Chancen auch noch so gering sind. Die Kids nehmen ihre Situation selbst in die Hand, um für bessere Lebensbedingungen zu kämpfen. Eine der größten Punk Communities in Jakarta ist Anti Music. Ihnen ist es gleich, ob man ein Essen für das Hilfsprojekt „Food not Bombs“ organisiert, oder ob man Lieder schreibt und die großen politischen Probleme beim Namen nennt. So schreibt Pentul bewusst Songs, die jedes Kind auf der Strasse versteht und nachsingen kann. "Wenn du in Indonesien die Regierung kritisierst, kann es sein, dass sie dich verschwinden lassen und du im Dschungel landest. In meinen Liedern singe ich über das „Do it Yourself“ in Indonesien. Ich singe über die Vorurteile gegenüber der Punkszene. Ich singe über Umweltverschmutzung."

So unterschiedlich die gesellschaftlichen Probleme Indonesiens sind, so unterschiedlich ist auch das Engagement der einzelnen Punk Communities. Das Spektrum reicht von Englischunterricht für Kids, über Jugendclubs, bis hin zu Aufklärungskampagnen, welcher Müll als Wertstoff noch zu verkaufen ist. Neben Projekten zu Umweltschutz, Feminismus und politischer Aufklärung sind es vor allem kleine Sozialprojekte in der Nachbarschaft, in denen die Idee von „Do it Yourself“ in die Tat umgesetzt wird.Engagierte Punks trifft man aber nicht nur in den großen Städten, sondern auch mitten im Regenwald von Borneo. Timbul und seine Punkband schützen hier die letzten Exemplare einer bedrohten Bärenart.

So sind es gerade die Punks, die sich nicht mehr bevormunden lassen, sondern ihre Utopie verwirklichen wollen, aus ihrem Land eine moderne Zivilgesellschaft zu machen.
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TRACKS
Donnerstag, den 05. April 2007 um 23.10 Uhr
Wiederholung am Dienstag, den 10. April um 01.20 Uhr
Redaktion: ZDF
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Erstellt: 05-04-07
Letzte Änderung: 10-04-07


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