Den gestressten Großstädtern mal zeigen, dass es auch anders geht. Den gewohnten Lauf der Dinge durcheinander bringen. Das verstört, weil keiner damit rechnet. Der Künstler Achim Manz hat einen leer stehenden Laden mit Wasser geflutet. Kunst im öffentlichen Raum – aber nicht nur zum Ansehen. Die Passanten sollen es sich ruhig gemütlich machen. Auf die Fensterbank setzen, die Füße im Wasser baumeln lassen und die Hektik der Stadt vergessen. Eine Oase mitten in der Stadt. Ein Zimmerspringbrunnen für alle.
Achim Manz, Künstler: "Ich bin einfach neugierig, wenn man einmal die Grenze aufhebt zwischen privatem und öffentlichem Raum. Es ist ja ein ganz einfacher Akt, eine Schaufensterscheibe raus zu nehmen aus einem Geschäft und schon ist der Raum perforiert. Er ist in etwa öffentlicher Raum, nicht ganz öffentlicher Raum, denn er ist noch in einem privaten Gebäude. Es ist eine Zwittersituation von Raum."
In München haben zurzeit noch mehr Künstler öffentliche Orte in Beschlag genommen. Das Pflaster beginnt zu blühen. Wer keinen eigenen Garten hat, kann hier den Sonnenblumen beim Wachsen zusehen.
Zurück bei den Urbanauten Ben und Uli. An der Uni, wo sie Architektur oder Sozialgeographie studiert haben, wurde nie richtig diskutiert. Doch weil sie die kritische Auseinandersetzung suchen, organisieren sie ihre eigenen Debattengelage. Gibt es zu viel Videoüberwachung? Welchen Sinn machen Strände in der Stadt? Oder: Wie kann man Plätze attraktiver machen?
Die Urbanauten haben viele Fragen im Kopf. Ihre Ergebnisse fassen sie in Pamphleten zusammen: Thesen, Forderungen, neue Fragen. Diese werden dann im Internet veröffentlicht. Beim Diskutieren kommen ihnen auch Ideen für neue Aktionen. Diesmal haben sie sich eine Münchner S-Bahn-Brücke vorgenommen. Die Urbanauten wollen sie zum Stadtbalkon umfunktionieren. Jeder, der gerade vorbei kommt, ist eingeladen, den Feierabend nicht auf dem eigenen Sofa, sondern gemeinsam auf der Brücke zu verbringen...
Die Anonymität der Großstadt durchbrechen, die Menschen zusammen bringen – das soll die Aktion bewirken. Die Urbanauten sind nämlich überzeugt, dass die Städter glücklicher sind, wenn sie ihr privates Nest verlassen und im öffentlichen Raum Gemeinschaftsgefühl spüren. Schließlich sind die meisten Deutschen immer ganz begeistert, wenn sie aus dem Urlaub im Süden zurückkommen. So viel Leben auf den Straßen! Die Aktion der Urbanauten beweist: Das geht hier auch, man muss es nur machen. Doch kaum hat man mal einen ungewöhnlichen Ort zum Leben erweckt, kommt schon die Polizei. Nach rund einer Stunde rückt sie mit mehreren Streifenwagen an. Ende der öffentlichen Veranstaltung. Trotzdem, für kurze Zeit haben sie das Stadtleben positiv gestört.
In der Reportage zu sehen:
Die Urbanauten Benjamin David, Uli Schröppel und der Künstler Achim Manz.
Link>> Offizielle Website der Urbanauten
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TRACKS
Donnerstag, den 08. September 2005 um 23.10 Uhr
Wiederholung am Samstag, den 10. September um 17.50 Uhr
Redaktion: BR
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