Video von Fanfare Ciocarlia
Harter Rap kreuzt ungestümen Jazz und schüttelt dabei die Style-Schubladen gehörig durch: Vorneweg die Youngblood Brass Band aus Madison bei Chicago. Sie haben bei den Meistern in New Orleans den typischen Mardi Gras-Sound studiert und mit weißer Streetculture gewürzt.David Henzie-Skogen, Youngblood Brass Band : " Vor ein paar Jahren haben wir uns entschieden, dass wir nicht die New Orleans Brass Band Tradition repräsentieren wollen, weil wir damit nicht groß geworden sind. Deshalb hört man so stark HipHop-, Afro-Karibische- und andere Einflüsse. Es ist einfach ein großer Unterschied wie Blasmusiker in New Orleans und wie wir aufgewachsen sind."
Dabei schien der klassische New Orleans-Sound schon längst zu Grabe getragen. Denn ursprünglich war das die Popmusik der Sklaven-Nachkommen: Schwarze Streetbands verwandelten militärische Marschmusik mit Afro-Beats in archaischen Jazz, machten New Orleans zur Hauptstadt des goldenen Blechs. Seit 1920 ging der Jazz aus den Sümpfen Louisianas durch viele Reinkarnationen, bricht durch im Big-Band-Swing, im Bebop, Funk und Soul – in keinem anderen Land waren Brass Bands so hip wie in den USA. Doch ihre musikalischen Wurzeln liegen in nordenglischen Industriestädten. Die Heilsarmee benutzt seit 120 Jahren den Blech-Sound für ihre Mission, weil er angeblich wie eine Kirchenorgel klingt. Die eigentlichen Erfinder der Brass Bands sind nordenglische Fabrikbesitzer – sie wollten mit den Blechcombos ihre Arbeiter vom Streiken abhalten.
Anti-Frust-Musik auch von der Express Brass Band aus München. Sie macht sich nichts aus Traditionen, sondern setzt auf orientalischen Ethnojazz. Swing und Dub gemixt mit musikalischen Impressionen von Reisen in arabische Länder und nach Nordafrika. Clubfähig und die richtige Rezeptur gegen europäische Winterdepressionen. Ein Blech-Massaker, chaotisch bis zur Anarchie: Bis sich die Express Brass Band mal einigt, dauert es – und das hört man: Feind Nummer 1: Spießertum und Konventionen. Lieber Einstürzende Blechbauten als harmonische Konstruktionen. Typisch für moderne Brassbands: Immer mehr dürfen im Sounddschungel mitspielen, jeder bringt seinen eigenen Stil rein, und nach und nach werden Freunde und Freundesfreunde der ursprünglichen Musiker geschluckt. Inzwischen sind es schon mehr als 20. Bushtaxi als Saxophon-Battle: Sie kämpfen wie wilde Tiere.
Straßenparaden und der obligatorische Trauermarsch im Repertoire sind das einzige, was sie von den traditionellen Brass Bands übernommen haben. Vorteil aller Brass Bands: Sie sind mobil, brauchen keinen Strom, keinen Verstärker und können ohne großen Aufwand richtig viel Krach machen. Und: Blech ist ansteckend. Wer mit dem Brass Band Virus infiziert ist, muss spielen. Immer. Und wenn’s nur auf dem Parkplatz ist - als orientalische Karawane, die gen Westen zieht....
Die moderne Heilsarmee des Brass: die Youngblood Brass Band auf Mission. Sie haben die Kids in ihrer Heimatstadt Madison mit dem Blech-Fieber angesteckt. Jetzt gibt es dort fast so viele Brass-Bands wie in New Orleans. Fetter Partysound, gerappt, gescratcht, aus dem tiefesten Balkan mit Punk und Dub verbastelt – die Vor- und Querdenker der Brass-Szene haben das Blech endgültig entstaubt. Mit charismatischem Wahnsinn blasen sie den neuen Trend quer durch Europa und Amerika -Clubtauglichkeit garantiert!
>> Youngblood Brass Band - http://www.youngbloodbrassband.com
>> Fanfare Ciocarlia - http://www.asphalt-tango.com/
>> Infos zur Fanfare Ciorcala - http://www.piranha.de
>> Mardi Gras BB - http://www.hazelwood.de/mardigrasbb
Neueste Alben
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bei Trikont
"Iag Bari" von Fanfare Ciocarlia
bei Piranha Records
"29 Moonglow" von Mardi Gras BB
bei Hazelwood
Mardi gras on Tour
17.11.2004 - Hannover, Glocksee
18.11.2004 - Chemnitz, Atomino
19.11.2004 - Halle, Objekt 5
20.11.2004 - Dresden, Tante JU
24.11.2004 - Bonn, Harmonie
25.11.2004 - Köln, Limelight
26.11.2004 - Duisburg, Hundertmeister
03.12.2004 - Hockenheim, Pumpwerk
04.12.2004 - Mainz, Schick und Schön
05.12.2004 - Kaiserslautern, Irish House
09.12.2004 - Rus-Moscow
10.12.2004 - Rus-Moscow
31.12.2004 - Heidelberg, Karlstorbahnhof
12.01.2005 - Karlsruhe, Tollhaus
13.01.2005 - Dortmund
14.01.2005 - Jena, F-Haus
15.01.2005 - Leipzig, Schaubühne Lindenfels
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TRACKS
Eine Reportage von Uli Hesse
Donnerstag, den 18. November 2004 um 23.30 Uhr
Wiederhol. am Samstag, den 20. November um 17.45 Uhr
Redaktion: BR
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