Candy ist ein junges Highschool-Girl, das gar nicht so unschuldig ist wie es aussieht. Als ihr Vater Candy mit dem mexikanischen Gärtner erwischt, schickt er sie zusammen mit Onkel und Tante auf eine Fahrt quer durch die USA. Dabei stolpert das Mädchen von einer schrägen Situation in die nächste und raubt den Männern in ihrem Umfeld durch ihre naiv-verruchte Art den Verstand…
Vielleicht ist die blonde Candy ja nur eine ätherische Männerphantasie, geboren aus Sternenstaub und psychedelischer Musik. Doch aus der Vision des Filmbeginns wird abrupt die reale, rehäugige Candy, die alle Männer um sich herum verrückt spielen lässt. Ihr Vater Christian erwischt sie mit dem mexikanischen Gärtner Emmanuel bei der Entjungferung auf dem Billardtisch im Partykeller der Familie - und schickt sie zur Strafe nach New York in die Obhut seines sexbesessenen Bruders Jack und dessen promisker Frau Livia. Von derart unzuverlässigen Erziehungsberechtigten begleitet, taumelt Candy von einem aufdringlichen Mann zum nächsten. Vom einsamen General Smight, der Candy ihre vaterländische Pflicht erklärt, sich für ihn auszuziehen über den Starchirurgen Dr. Krankeit, der - nach öffentlicher Operation im Theaterauditorium - Candy am liebsten gründlich untersuchen würde, bis hin zum fahrenden Guru Grindl, der sie die sieben Stufen des Tantra- Sex zu lehren versucht. Der Reigen endet, wo er anfing: bei Candys eigenem Vater T. M. Christian, der als postoperativer Zombie ebenfalls scharf auf seine Tochter ist…Wenn ein Film der späten 60er Jahre mit einem Staraufgebot von Charles Aznavour über Marlon Brando bis Walter Matthau aufwartet und dennoch vergleichsweise unbekannt ist, dann hat man es entweder mit einem gefloppten All-Star-Katastrophenfilm oder einem schrulligen Experiment zu tun. „Candy“ ist eindeutig letzteres und als solches ein wunderbarer Beitrag zur ARTE-Reihe „Summer of Love“. Basierend auf dem Buch der 60er-Jahre-Ikone Terry Southern erzählt „Candy“ die Geschichte des naiven gleichnamigen Highschool-Mädchens, das auf der Suche nach ein bisschen Erleuchtung einer Reihe von sexbesessenen Scharlatanen in die Hände fällt.
Die internationale Koproduktion entstand unter der Regie des Franzosen Christian Maquand, der ansonsten vor allem als Schauspieler tätig und beispielsweise an der Seite von Brigitte Bardot in „…und ewig lockt das Weib“ zu sehen war. Die Rolle der Candy wird rehäugig dargestellt von Ewa Aulin, die nach ihrer Wahl zur schwedischen und internationalen „Miss Teen“ zu kurzem Ruhm in verschiedenen europäischen Produktionen kam, bevor sie sich mit nur 23 Jahren wieder aus dem Filmgeschäft zurückzog. Marlon Brando, der als rebellischer Held zum Idol der amerikanischen Jugend der 50er Jahre wurde, gilt spätestens seit seinen Auftritten in Bertoluccis „Der letzte Tango in Paris“ (1972) und Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ (1979) als einer der bedeutendsten Schauspieler des 20. Jahrhunderts. Richard Burton wirkte im Laufe seiner Karriere in mehr als 70 Filmen mit, darunter beispielsweise in „Wer hat Angst vor Virginia Wolf“ (1966) oder „Doctor Faustus“ (1967). Der britische Schauspieler, der auch wegen seiner in der Presse publik gewordenen Ehequerele mit Ehefrau Elizabeth Taylor im Rampenlicht stand, wurde in 36 Jahren sieben Mal ergebnislos für den Oscar nominiert. Walter Matthau ist unter anderem bekannt aus dem Thriller „Charade“ (1963) und Oliver Stones „JFK“ (1991). James Coburn war einer der "glorreichen Sieben" aus dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1960, spielte ebenfalls in „Charade“ mit und hatte Rollen in bekannten Produktionen wie „Gesprengte Ketten“ (1963) oder „Hudson Hawk“ (1991).Die zeitgenössische Kritik hielt „Candy“ für geschmacklos - zu Unrecht. Der Film ist eine ausgefallene Reflexion auf eine Zeit voll Drogen und politischer Manifestationen: schrill, schräg und erstaunlich komisch.







Facebook
Twitter
RSS