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Metropolis

Metropolis, das Kulturmagazin

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01.07.06 - 23.30 : metropolis

Marcel van Eeden

Marcel van Eeden ist ein Künstler, der das Tageslicht scheut. Zumindest bei der Arbeit. Marcel van Eeden zeichnet jede Nacht ein Bild, manchmal auch zwei. Und das seit 13 Jahren.

Der Zeichendrang
Marcel van Eeden malt nach Vorlage. Er zeichnet Fotos oder Bilder ab, die er in alten Zeitungen oder Büchern findet. Immer auf dieselbe Art: Mit Kohlestiften und immer nachts. Marcel Van Eeden scheint kein konkretes Thema zu haben. Es gibt scheinbar kein eigentliches Ziel, das er verfolgt. Außer den unwiderruflichen Drang zeichnen zu müssen.

Mehr als 4.000 Zeichnungen hat der Niederländer inzwischen produziert. Manche von ihnen kombiniert er mit Textfetzen und fasst sie zu Motiv-Serien zusammen, die wiederum eine eigene Geschichte erzählen können. Die einzige Bedingung für die Auswahl des Motivs: alles was er zeichnet, muss vor dem 22. November 1965 entstanden sein. Dem Tag seiner Geburt. Und auch das ist immer gleich: Noch in derselben Nacht veröffentlich Marcel van Eeden die neue Zeichnung auf seiner Internet-Seite. Auf dem wöchentlichen Büchermarkt in Den Haag, findet er fast alle seine Vorlagen. In alten Büchern und Zeitschriften. Auch wenn er inzwischen zumeist in Berlin wohnt, kommt er noch immer regelmäßig vorbei.

Auseinandersetzung mit dem Tod
An der Vergangenheit interessiert Marcel van Eeden nur das Nebensächliche – die Normalität in all ihren Facetten. Dieses unendliche Bildreservoir nacht für nacht abzubilden gleicht einer Sisyphus-Arbeit. "Was mich daran interessiert ist, dass man jeden Tag begreift, dass man ja eigentlich vor der Geburt schon lange Tod war. Und wenn du das realisierst, kann es sein, dass du weniger Angst vor der Zeit hast, wenn du wieder Tod sein wirst. Und das das Nichtvorhandensein eigentlich eine viel natürlichere Situation ist, als man denkt."
Enzyklopädie des Todes nennt Marcel van Eeden deshalb auch sein Unterfangen. Er produziert eine Art Tagebuch, das auf paradoxe Art und Weise die unzugängliche Vergangenheit mit der eigenen zufälligen Gegenwart verknüpft. Seine Motive scheinen wie Erinnerungen an die Oberfläche des Bewusstseins zu schießen. In Reihe bertrachtet wird aus dem chaotischen Bilderstrom ein melancholischer, rätselhafter Film-Noir.

Lange Zeit hat Marcel van Eeden kaum etwas mit seiner Kunst verdient. Inzwischen hängen seine Bilder in Galerien und Museen. Seine Zeichnungen sind nahezu ausverkauft.





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Metropolis
Samstag, den 01. Juli 2006 um 23.30 Uhr
Wiederholung am Sonntag, 02. Juli um 18.05 Uhr
Redaktion: WDR
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Erstellt: 30-06-06
Letzte Änderung: 30-06-06


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