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Arts Catalyst - 11/04/05

Space Art für die Internationale Raumstation ISS

Künstler in den Weltraum! Seit jeher ist das All ihnen Inspirationsquelle. Warum sollte, im Zeitalter des beginnenden Space-Tourismus, der Zugang zu Weltraumstationen und bemannten Shuttles gerade ihnen verwehrt bleiben? Die in London ansässige Art/Science-Agentur Arts Catalyst hat soeben den Zuschlag bekommen, im Auftrag der europäischen Raumfahrtbehörde ESA eine Studie über die kulturelle Nutzung der im Bau befindlichen internationalen Raumstation ISS durchzuführen. Neben der ESA sind auch die NASA, sowie die kanadische, russische und japanische Weltraumagenturen beteiligt.

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Fünfzig Jahre nach Sputnik, dem überwundenen Ost-West-Muskelspiel um politisches Prestige, und mit der Banalisierung der Satelliten-Technik ist der Weltraum heute zu einer transnationalen Angelegenheit geworden, die alle angeht. Entschieden wird jedoch unter Führungsriegen von Militär, Industrie und Wissenschaft. Was könnten Künstler da überhaupt bewirken?

"Sie können uns helfen, wegzukommen von der frivolen Suche nach ausserirdischen Wesen und vom 'Krieg der Sterne' zur Festigung iridisch-imperialistischer Bestrebungen," so Nicola Triscott, Direktorin der Arts Catalyst, auf der Transmediale. "Raumfahrt kann mehr bringen als wissenschaftlich-technologischen oder militärischen Nutzen."

Seit dem Zeitalter der Kontextkunst, die sich auf realem sozio-ökonomischen Terrain wirken sieht, streben viele Künstler nach Kompetenzerweiterung, hinterfragen Disziplinen und Technologien, und versuchen unzugängliche Orte transparent zu machen, um Fragen nach ihrem Sinn abseits ihrer bisherigen Nutzung zu stellen. "Wir wollen die Orte erobern, von denen man Kunst und Kultur eigentlich fernhalten will", sagt Chef-Kurator Rob La Frenais. "Heute schleusen sich Künstler in Labors und in Kriegsschauplätze ein – Weltraumtechnologie ist für sein ganz natürlich ein weiteres neues Terrain."

Nun wird es sicherlich noch lange dauern, bis – vielleicht – irgendwann tatsächlich der erste Künstler ins All reist. Doch das Projekt in Kooperation mit der ESA soll diese "kulturelle Nutzung" auf breiter Basis, und auf nicht immer zwingend spektakuläre Weise verankern. "Es könnte Erdbeobachtungs-Projekte mit speziell installierten Kameras geben, Projekte mit ökologischen Ambitionen, oder Dialoge zwischen Künstlern und Austronauten und Kosmotauten", Nicola Triscott sieht ein enormes Potential ästhetischer Umsetzung. Und auch in allen Forschungs- und Bodenzentren könnten Künstler Einlass finden, sollte die ESA dann die Studie auch umsetzen: Austronauten-Trainingszentren, Abschussrampen und Kontrollstationen, Universitäten, Forschungszenten für Astronomie, oder vielleicht an Bord der russischen "Soyuz Taxis"…

Die Arts Catalyst starten ihren internationalen Projektaufruf gemeinsam mit Leonardo-Olats (dem Pariser Arm des Journals für Kunst, Wissenschaft & Technologie "Leonardo"), sowie der niederländischen Agentur Delta Utec. Eine solche internationale Zusammenarbeit das sogenannten MIR-Netzwerkes hat in den letzten Jahren bereits "Space-Art"-Aktionen ermöglicht: 22 Künstler konnten im russischen Raumfahrtzentrum, dem Gagarin Cosmonaut Training Centre in Star City, an sogenannten Parabel-Flügen teilnehmen, bei denen umgerüstete Flugzeuge eine steile, glockenförmige Kurve fliegen und dabei rund 30 Sekunden lang Schwerelosigkeit entstehen lassen. Mit dabei die französische Choreographin Kitsou Dubois, die sich schon seit 1990 an "Tanz ohne Erdanziehung" versucht. Oder das "Drift-Painting" von Frank Pietronigro, experimentelle Farbkleckserei als Hommage an Pollocks expressionistische Malerei. Der Bildhauer Arthur Woods hatte schon 1993 Cosmic Dancer geschaffen: eine dynamische Skulptur für die Weltraumstation MIR. Im Gegensatz zu irdischen Skulpturen ist hier für die Kosmonauten weder Standpunkt noch Perspektive der Betrachtung festgelegt. Und in Lettland nutzen Medien-Künstler ein altes sowjetisches Spionage-Radiotelekop – Nischen, die sich vor allem in den ehemaligen Ostblock-Ländern auftun. Sound-Bastler sondieren Geräusche von Planeten und Sternen, die sie als Weltraummusik in die Galerie einspeisen.

Der neue Projektaufruf richtet sich nun an Agenturen und Künstler, die nicht kuriose Gimmicks ausprobieren wollen, sondern Strategien entwickeln, wie eine langfristige "kulturelle Nutzung" der Raumstation - so wie es in den Statuten der ESA ausgheschrieben ist - aussehen kann.


Zum MIR-Konsortium gehören folgende Projetgruppen: Arts Catalyst (England), Projekt Atol (Slowenien), Leonardo-Olats (USA/Frankreich), V2_Organisation (Niederlande), Transmediale (Deutschland), Multimedia Complex of Actual Arts (Russland), SpaceArtOne (Frankreich) and Mom (Spanien).
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Contact
Arts Catalyst
Toynbee Studios
28 Commercial Street
London
E1 6LS
UK
Tel: +44 (0) 20 7375 3690
Fax: +44 (0) 20 7377 0298
e-mail: info@artscatalyst.org

Links
>> Offizielle Homepage von Arts Catalyst
>> Das Projekt MIR
>> Offizielle Homepage von Olats
>> Offizielle Homepage von Delta Utec

Soeben erschienen
Zero Gravity: A Culturals Users Guide
A survey of the Arts Catalyst's pioneering science-art projects carried out in conditions of zero gravity over the last 10 years.
Cornerhouse Publications
e-mail: publications@cornerhouse.org
Tel: +44 (0) 161 200 1503.
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Kultur Digital
Festival
Ein Artikel von Jens Hauser
Transmediale.05
Februar 2005
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Erstellt: 11-04-05
Letzte Änderung: 11-04-05