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14/02/06

Simon Penny's Roboter "Petit Mal"

Die Roboterskulptur "Petit Mal" des australischen Künstler-Ingenieurs Simon Penny interagiert in der Ausstellung "Smile Machines" auf seiner Spielwiese mit den Besuchern.

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Simon Penny spricht von "Petit Mal" (real video - 3mn21)


Sein "Wesen" hat absichtlich nichts Anthropomorphes, vielmehr entsteht der Eindruck des Lebendigen durch sein indeterminiertes, nicht vorprogrammiertes Verhalten, durch vermeintliches Zögern, durch "Neugier" und "Schüchternheit". Es ist der Eindruck von Autonomie, der die "menschenartige Wirkung" von "Petit Mal" ausmacht. Penny's Roboterskulptur ist aber auch eine humorvolle Kritik an herkömmlichen Konzeptionen von utilitaristischer Robotik.

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Simon Penny: "Humor ist eine gute Technik, mit dem Publikum in Kontakt zu treten. In meinen Arbeiten habe ich oft Humor, und auch schwarzen Humor benutzt, um neue Ideen zu vermitteln. Ich möchte den Leuten eine Interaktion mit einer Art von Technologie anbieten, welche ihre Körpersprache spricht. Traditionelle Computersysteme zwingen uns nämlich, eine symbolische Sprache zu erlernen. Das heisst, der Mensch ist gezwungen, diese Symbolik zu kompensieren, und dies ist eine meinen Augen keine besonders gute Beziehung zwischen Mensch und Computer. Ich versuche Technologie zu bauen, für die niemand Bedienungsanleitungen lesen muss. Eigene Erfahrungen und Fertigkeiten aus dem sozialen physischen Alltag reichen aus – und das System versteht das."

Simon Penny: "Die meisten meiner Arbeiten der letzten Jahrzehnte haben eine kritische Dimension. "Petit Mal" ist natürlich eine liebenswerte Kreatur, die eine pädagogisch-spielerische Rolle im Umgang mit dem Publikum hat. Sie ist aber auch ein kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklung in der Robotik und in den Computerwissenschaften. Natürlich, zum einen im Bezug auf mögliche Mensch-Maschinen-Interfaces, aber auch in Bezug auf den Bereich der künstlichen Intelligenz: Denn "Petit Mal" hat kein Gedächtnis und entwickelt weder Orientierungskarten noch Weltbilder. Er reagiert einfach nur im konkreten Moment. Dies ist eine Gegenstrategie zur herkömmlichen Strategie in der Robotik."

Simon Penny: "Ich habe diesen Roboter vor 12, 14 Jahren gebaut. Zu dieser Zeit war das eine Kritik an diesem dominanten Paradigma der Robotik, das an künstliche Intelligenz glaubte. Dort dachte man, alles hinge von Datenbanken, Kartographien, Wege- und Bewegungsplanung ab. "Petit Mal" dagegen repräsentiert einen Forschungsbereich, der Anfang der 90er Jahre revolutionär war: die "reaktive Robotik". Hier wurden die Berechnungen ökonomischer, und das Objekt konnte dadurch direkt auf seine Umwelt reagieren. Darin ähnelt "Petit Mal" der Kakerlake! (Anmerkung: Bug bezeichnet im Englischen gleichzeitig die Computerpanne…). Eine Kakerlake legt auch keine Weltbilder an, aber ist ein wahrer Überlebenskünstler! Vielleicht können wir eben von primitiven Organismen sogar etwas lernen, in der Umwelt zurechtzukommen…).
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Links
>> Die Website von Simon Penny
>> Zur Ausstellung "Smile Machines"
>> Fotos von "Petit Mal" mit Texte von Anne-Marie Duguet
>> Interview mit der Kuratorin Anne-Marie Duguet
>> Zum Inhaltverzeichnis des Dossiers transmediale.06
>> Alle Videos


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Erstellt: 14-02-06
Letzte Änderung: 14-02-06