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16/11/03

DETAIL - Forsythe

DETAIL - Forsythe
Fotoband von Agnès Noltenius

Neu und einzigartig ist
dieses Buch in vielerlei Hinsicht:
Es ist der erste Fotobildband über William Forsythe und das Ballett Frankfurt, darüber hinaus aber auch das erste Buch über und "mit" Forsythe.

Die Aufnahmen stammen von einer Tänzerin, die durch und für den Tanz Fotografin wurde.

Die lebendige Gestaltung des Buches ist das Werk von Françoise Ha Van, einer dem Tanz sowie dem Choreographen Forsythe eng verbundenen Künstlerin, die einen zauberhaften Film über Sylvie Guillem gedreht hat.

William Forsythe selbst spricht von einem "Gemeinschaftswerk". "Es sind Fotos von Menschen, die du sehr gut kennst", sagt er zu Agnès Noltenius. "Hier wird die persönliche Nähe und das, was du mit diesen Menschen über zehn Jahre lang physisch geteilt hast, dokumentiert. Du hast diese Bilder geschaffen; ihr alle jedoch habt mit euren Körpern diese Zeit gestaltet."
Diese Zeit, das sind die zwanzig Jahre, in denen William Forsythe an der Spitze des Ballett Frankfurt stand und etwa sechzig Werke (hauptsächlich für Ballett) choreographierte. Nun hat er für den Herbst 2004 seinen Weggang von Frankfurt angekündigt; vorher wird ihn eine letzte Tournee von New York nach Montreal, von London nach Antwerpen, von Berlin nach Lille und schließlich, vom 30. Juni bis zum 3. Juli 2004, nach Paris führen.
Dieses Buch ist eine Hommage an den Tanz - genauer gesagt an die Suche nach dem Wesentlichen in einer Bewegung. Die Schwarzweißbilder, die ganze Palette der Grautöne und der verschiedenen Körnungen lassen die Fotografien wie Röntgenaufnahmen der Körper, wie spektroskopische Abbildungen der Bewegungen erscheinen. Agnès Noltenius spielt mit den Perspektiven und mit dem Licht, fokussiert die Tänzer aus den Höhen des Schnürbodens oder rückt ihnen mit der Kamera bis auf den Leib. So bannt sie die Details einer Bewegung, zerlegt und seziert diese und zeigt sie in der ganzen Pracht und emotionalen Kraft eines Bildes.

Auch die choreographische Arbeit William Forsythes konzentriert sich auf den Versuch, die Bewegung in ihre einzelnen Elemente aufzuspalten. Paradoxerweise macht gerade die zeitliche Fixierung dieser Bewegungsfragmente auf dem Papier genau das sichtbar, was unsichtbar ist: all das, was vor und nach der Bewegung existiert. All das, was dem Zuschauer verborgen bleibt und der Tänzer nicht wahrnimmt. Mit anderen Worten: die Arbeit des Choreographen.

Wer mit William Forsythe tanzt, muss durch eine harte Schule gehen. Das bedeutet, sich mit Betreten dieser Schule von allem bisher Erlernten, von allen Gewissheiten loszusagen, alles in Frage zu stellen, um schließlich zum Wesentlichen, zur Sprache des Körpers vorzudringen.
Im Laufe der Jahre und der gemeinsamen Aufführungen entstand so zwischen Agnès Noltenius und William Forsythe eine künstlerische Verbundenheit und eine gemeinsame Ausdrucksweise, was in diesem Bildband sichtbar wird. "Du hast mit dem gleichen analytischen Blick gearbeitet, den ich von meinen Tänzern verlange, um zu beobachten und aus dem Inneren heraus etwas nach außen zu transportieren. Deine Fotos entstehen aus dem Inneren der Arbeit, keines der Bilder scheint aus der Perspektive des Publikums aufgenommen worden zu sein."

Agnès bestätigt: "Es war mir ein körperliches Bedürfnis, diese Fotos zu machen, beinahe so, als ob ich gleichzeitig tanzte. Übrigens habe ich wie beim Tanzen viel mit dem Atem gearbeitet." Bleiben noch die Fotos von den Details der Arbeit - eine singende Kehle, ein angewinkelter Arm, ein Licht, das wie durch Zauberei Schultern in einen Schmetterling verwandelt.
All das, was man während der Aufführung nicht sieht, die ganze Klarsicht und Kreativität Forsythes, wird hier behutsam und in gegenseitigem Vertrauen freigelegt. Und schließlich sind da noch die Wörter. Ein zurückhaltender und aufrichtiger Austausch zwischen dem Ballettmeister und der Tänzerin, zwischen der Fotografin und ihrem Objekt - dem Tänzer und Choreographen - sowie zwischen der Journalistin und der tanzenden Fotografin. Wörter, die von Akkuratesse und vom tiefen Verständnis der Körper zeugen.

Annelise Signoret, ARTE éditions

Frankurt Ballett


Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 16-11-03