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Hörbeispiel : Sonate n° 1, op. 6 (Real Audio)Eins steht fest: Stéphane Blets Kompositionen erzielen Wirkung. Aber auch zu seinem kompositorischen Selbstverständnis ist einiges zu sagen. Der Komponist kann entweder die musikalische Sprache, ihre Relevanz, ihre Form und Struktur hinterfragen. Oder er entwickelt aus einem vorhandenen Instrumentarium neue Ansätze. Im ersten Fall entstehen mehr oder minder bahnbrechende Werke, im zweiten wird ein Bestand fortgeschrieben, wobei die Kunst in der Fähigkeit liegt, innerhalb dieses Instrumentariums neue poetische und ganz persönliche Gestaltungsmöglichkeiten auszuloten.
Stéphane Blet, der eindeutig in letztere Kategorie gehört, besitzt einen scharfen Sinn für Formen und ein bewundernswertes Gefühl für die musikalische Sprache. Seine Stücke bergen bekannte Bezüge, und da Blet an Tradiertes anknüpft, erzeugt er Vertrautheit (was nicht heißt, er vermeide jede moderne Harmonie; doch er sucht nicht um jeden Preis danach). Darüber hinaus aber faszinieren diese Kompositionen durch ihre Erzählkunst.
Erwähnung verdient auch die sinfonische Dimension seiner Werke, die weder für den Interpreten noch für den Zuhörer eine Kleinigkeit ist. Der Interpret muss eine Reihe technischer Schwierigkeiten bewältigen, die seine Fertigkeiten und handwerkliches Können auf eine harte Probe stellen; der Zuhörer genießt die kraftvollen Klänge, die die musikalische Rede verstärken.
Jean Mullers ausgezeichnete Interpretation kann sich einer hervorragenden Technik und schier grenzenloser Phantasie rühmen. Dadurch gelingt es dem Pianisten, Kontraste herauszuarbeiten und Klanglandschaften zu schaffen, die fast unbemerkt zwischen sturmdurchtobter Heide und dem fahlen Licht der Wintersonne wechseln. Unter diesem Aspekt sollte man vor allem die Sonate n° 6 „Le baiser de Satan“ und die Suite érotique opus 110 hören, die ich persönlich weniger erotisch, aber sehr sinnlich und geradezu betörend finde.
Für Klavierliebhaber ist die CD ein Muss. Die intensive Klangwelt des Komponisten kommt durch die hohe Tonqualität, für die der Pianist selber verantwortlich zeichnete, zu voller Entfaltung.
Mathias Heizmann








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